Nein, in dieser Kolumne geht es nicht um das defekte einzige WC auf der internationalen Raumstation ISS.
Zwar ist das Ereignis für die Betroffenen nicht lustig und man kann sagen, das wäre nicht passiert, wenn das Badezimmer-Modul in Deutschland gebaut worden wäre - dann hätte die Astronauten-Berufsgenossenschaft zumindest den Einbau getrennter Damen- und Herren-Toiletten vorgeschrieben. Aber das Problem lässt sich ja beheben, indem die nächste Raumfähre ein Dixieklo in den Weltraum mitnimmt.
Schwieriger zu korrigieren sind die Vorgänge im Badminton-Weltverband. Dort müssen sich in erster Linie die Sportler und Turnierveranstalter beschissen fühlen. Bei der neuen Turnierserie Super Series sollte die Hälfte des Mindestpreisgeldes von 200.000$ für jedes Turnier von einem Sponsor der BWF beigesteuert werden. Für das Saisonfinale der Topstars wollte dieser dann sogar eine halbe Million US-Dollar springen lassen. Doch obwohl der Dollar inzwischen nur noch die Hälfte wert ist, steuerte der Big Spender den zusagten Anteil nicht bei. Unter dem Vorwand, dass in der Badminton-Hochburg Malaysia keine geeignete Halle zur Verfügung steht, wurde das 2007er-Finale erst verlegt und dann abgesagt.
Wer wann welches Preisgeld an wen bezahlt hat, ist innerhalb der gigantischen Gerüchteblase, die einen dichten Nebel um die Wahrheit legt, möglicherweise aber auch der Wahrheit entspricht, weitgehend unklar. Naturgemäß opponieren die dänischen Medien gegen die asiatische Vorherrschaft, während malaysische Boulevardblätter alles spektakulär ausschlachten, die Chinesen sich diplomatisch raushalten und es in Deutschland keine Sau interessiert.
Schuld an allem ist nun der beim Thomas-/Uber-Cup-Finale in Jakarta von der Generalversammlung der BWF per Misstrauensvotum abgesetzte BWF-Vizepräsident Punch Gunalan. Warum es überhaupt ein mehrköpfiges Gremium an der BWF-Spitze gibt, erscheint fraglich. Neben der Super Series-Pleite werden dem populär "Punch" genannten "starken Mann" nun alle Sünden aufgeladen. Die für den umstrittenen Umzug des BWF-Hauptquartiers von England nach Malaysia zugesagten Subventionen wurden angeblich nie gezahlt, Steuererleichterungen wurden entgegen der Zusagen nicht gewährt. Die Pannen bei Turnierauslosungen, der verpatzte Relaunch der BWF-Homepage, die immer noch mehr schlecht als recht funktioniert, alles wird nun dem abgesetzten Vize zugeschrieben. Vermutlich hat sich Gunalan beim Tragen der Olympischen Fackel in Kuala Lumpur die Finger verbrannt (BWF-News, 22. April).
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And the winner is... Dr. Kang Young Joong. (Foto: Sven Heise)
Dass beim Meeting in Jakarta die Polizei im Spiel war, scheint gesichert. Das abgeblich verfolgte Council-Mitglied Eraj Wijesinghe aus der Badminton-Hochburg Sri Lanka, der wie Gunalan noch vor der Versammlung Indonesien verlassen hat, rechtfertigt die "Flucht" in einem konfusen Rundschreiben, nachzulesen auf der offiziellen Seite des Deutschen Badminton Verbandes, in dem er das Einschreiten der Polizei gegen ihn mit einer E-Mail von Punch Gunalan begründet, die mit der Verwendung des Wortes "Sabotage" die Terrorismusfahnder alarmierte.
Mit solchen Räuberpistolen könnte man einen ganzen Roman füllen, nette Details bräuchte man nicht einmal erfinden. Etwa den "Schweizer Putsch", der laut Badminton-Online beim BWF-Meeting in Jakarta zunächst scheiterte, weil ausgerechnet die zuverlässigen Schweizer den BWF-Jahresbeitrag 2007 nicht überwiesen haben sollen. In die Bresche sprang dann der bisher "Gunalan-hörige" Mongolische (!) Badminton Verband, der mit seinem Antrag Punch den "Knock-out blow" (Badminton Europe) beibrachte.
Bescheidener, aber zuverlässiger gibt sich der europäische Dachverband. Für das Finale des Badminton Europe Circuits am 7. und 8. Juni im holländischen Assen gibt es insgesamt 50.000$. Hier haben unter anderem Marc Zwiebler und Juliane Schenk die Chance, sich noch ein wenig Verpflegungsgeld für Peking zu verdienen.
Ein langes Gerichtsverfahren um die Abwahl von Punch Gunalan bleibt der BWF nun wenigstens erspart. Der Malaysier ist am Mittwoch von seinen Ämtern zurückgetreten. Freie Bahn für Präsident Dr. Kang Young Joong, der den Mitgliedern von Badminton Europe beim Abendessen anlässlich der Team-Europameisterschaft im Februar in Almere im Michael Jackson-Stil versichert hatte: "Ich liebe Euch alle..."