Der 1.BC Saarbrücken-Bischmisheim erreicht zum vierten Mal in Folge das Endspiel um die Deutsche Mannschaftsmeisterschaft. Im Rückspiel des Play-Off Halbfinales setzten sich die Saarländer mit 5:3 gegen den FC Langenfeld durch.
Der Grundstein für die Finalteilnahme wurde aber schon einen Tag zuvor gelegt: Beim Hinspiel in Langenfeld siegte der dreifache und amtierende Deutsche Meister mit 6:2. Die Saarländer verschafften sich damit ein sicheres Polster und hatten alle Trümpfe in der Hand. In der heimischen Joachim-Deckarm-Halle war die Finalteilnahme bereits nach den ersten drei vom BCB gewonnenen Matches besiegelt. Bischmisheim hatte die notwendigen Punkte zusammen, die in der Addition der beiden Halbfinal-Spiele zum Finaleinzug ausreichten. Damit steht der BCB erneut im Endspiel. Gegner dort ist ein alter Bekannter: Die SG EBT Berlin setzte sich im anderen Halbfinale ohne große Probleme gegen den BC Bonn-Beuel durch.
Ganz so einfach, wie vielleicht das nackte Ergebnis ausschaut, war es gegen den FC Langenfeld nicht. Der Rheinländer waren nicht gewillt, kampflos das Feld zu räumen. Trotz der doch eher bescheidenen Ausgangslage kämpfte das Team aus Nordrhein-Westfalen im Rückspiel um jeden Punkt. Die Truppe war kaum wieder zu erkennen, wobei sich die Langenfeld-Anhänger sicher fragten: Warum nicht gleich so? Doch den ersten Punkt für den BCB brachte das Damendoppel: Huaiwen Xu und Johanna Persson behielten wie schon am Vortag gegen Ella Diehl und Aileen Rößler die Oberhand – dieses Mal in nur drei Sätzen mit 21:13, 21:23, 21:10. Die einzige Umstellung in der Mannschaftsaufstellung vollzogen die Langenfelder - und die brachte auch gleich den gewünschten Erfolg: Björn Joppien spielte in Saarbrücken nicht im ersten sondern im zweiten Herrendoppel - er musste zusammen mit Thorsten Huckriede gegen die Bischmisheimer Jochen Cassel und Roman Spitko ran. An der Seite von Przemyslaw Wacha kämpfte nun Mike Joppien gegen die BCBler Kristof Hopp und Michael Fuchs. Und anders als im Hinspiel gingen beide Herrendoppel an Langenfeld. „Dieser Wechsel hat sich voll ausgezahlt und es hat sich gezeigt, dass die Aufstellung zuvor ein Fehler war“, sagte Björn Joppien nachher.
Ein Augenschmaus: Bhat gegen Wacha
Die Joachim-Deckarm-Halle war sicherlich auch deswegen proppenvoll, weil sich das saarländische Publikum die letzten Spiele von Huaiwen Xu im BCB-Trikot nicht entgehen lassen wollten. Und die Zuschauer wurden nicht enttäuscht: Bevor die zweimalige Europameisterin ihre Karriere beendet und in die USA geht, zog sie im Halbfinale wieder alle Register. Die fünffache Deutsche Meisterin machte in ihrem vorletzten Spiel vor heimischer Kulisse den Ausgleich zum zwischenzeitlichen 2:2. Souverän besiegte die erfolgreichste deutsche Badmintonspielerin aller Zeiten die Russin Ella Diehl mit 21:13, 21:9. Den viel umjubelten dritten Punkt steuerte dann Bischmisheims Arvind Bhat gegen Przemyslaw Wacha bei. Der amtierende Indische Meister krönte seine Weitklasseleistung vom Wochenende mit einem abermaligen Sieg gegen den Weltranglisten-Elften. In einem hochklassigen Match, das die Zuschauer zeitweise von den Sitzen riss, siegte der Inder mit 8:21 und zweimal 21:17. Die parallel-laufende Partie zwischen Marcel Reuter und Andreas Wölk wurde noch zu Ende gespielt und nach dem 21:19, 21:11-Sieg des einzigen gebürtigen Saarländers in Reihen des BCB, wurde das Match beim Punktestand von 4:2 abgebrochen. Die Spieler lagen sich jubelnd in den Armen – das Finale war erreicht. „Ich bin heute ohne große Erwartungen nach Saarbrücken gekommen. Die Sache war für uns gelaufen - Hoffnung hatte ich keine mehr. Man musste nur die sicheren Spiele der Saarländer zusammenrechnen und dann war klar, dass es nichts mehr werden konnte. Schade, dass es im Hinspiel so schlecht für uns gelaufen ist. Da gab es ein paar knappe Spiele, die auch für hätten ausgehen können“, so Björn Joppien.
Auf das noch ausstehende Mixed und das zweite Herreneinzel verzichteten die beiden Teams, so dass beide jeweils noch einen Punkt zum 5:3-Endstand zugesprochen bekamen. Wiederholt machte sich in den Einzeldisziplinen auch das große Plus der Saarländer bemerkbar: Gegenüber Langenfeld hatte man einfach die größere Personaldecke. Während Björn Joppien sowie Wacha jeweils in den heiß umkämpften und kräftezehrenden Herrendoppel spielten, konnte der BC Bischmisheim in den Herreneinzeln mit Reuter und Bhat zwei frische Akteure auf die Matte schicken. „Saarbrücken hat verdient das Finale erreicht. Wir haben unser Weiterkommen im Hinspiel vergeigt. Aber wer weiß, für was es gut ist. Ella Diehl wäre zum Finale nicht dabei gewesen und ich hätte auch nicht gespielt. Ich glaube, wir wären von den Berlinern einfach überrollt worden. Diese Niederlage ist auch irgendwie logisch, wir haben viele Spieler, die nicht mehr zu 100 Prozent trainieren können. Da kannst du gegen Bischmisheim nicht bestehen. Aber ein bisschen Wehmut kommt jetzt schon auf. Für die nächste Zeit war das ja das letzte Spiel für mich“, sagte Langenfelds Kathrin Wanhoff, die erst nach ihrer Schwangerschaft wieder den Badminton-Schläger aus der Tasche nehmen wird.
Berlin ist in der Favoritenrolle
„Unser Aufwärtstrend ist klar erkennbar. Das war heute eine klasse Leistung meiner Mannschaft. Jetzt geht’s um die Wurst! Es ist keine Frage, dass wir den vierten Titel in Folge holen möchten. Das wird schwer, aber Berlin wird um den Titel hart kämpfen müssen, ohne Gegenwehr werden sie ihn nicht bekommen“, so BCBs Team-Manager Thomas Tesche, der nach dem Spiel immer noch von dem herausragenden Auftritt von Arvind Bhat schwärmte. Gegen die Hauptstädter musste der BCB in den vergangenen vier Spielzeiten schon dreimal im Halbfinale ran und 2005/2006 standen sich die beiden Teams im Finale gegenüber. Der BCB hatte bezüglich der Saisonabschlusstabelle als besser platziertes Team die Wahl, ob es lieber zuerst zu Hause oder auswärts spielen möchte. Der große Showdown wird am ersten Mai-Wochenende stattfinden – voraussichtlich wird am 1. Mai das Hinspiel in Berlin und am 3. Mai das Rückspiel in Saarbrücken ausgetragen. Die Hin- und Rückspielkonstellation ist in der Form sicher, nur die letztendlichen Termine sind noch nicht bestätigt. „Im Finale sind wir der klare Außenseiter – doch die Titelverteidigung ist trotzdem möglich. Wenn wir das Hinspiel gut überstehen und ein gutes Ergebnis erzielen, dann ist alles drin. Aber - es gibt eben kein Spiel, wo wir klarer Favorit sind“, meinte der bis dato sechsfache Deutsche Mannschaftsmeister Kristof Hopp mit all seiner Erfahrung. Die Berliner wurden schon vor der Saison als Topfavorit auf den Titel gehandelt. Im Team von der Spree wimmelt es nur so von Superstars: Mit dem Inder Chetan Anand hat man den derzeit Weltranglisten-Zwölften und mit Choong Hann Wong aus Malaysia gleich den Weltranglisten-Dreizehnten in seinen Reihen. Wobei beide nicht gleichzeitig spielen dürfen, da höchstens ein Spieler eingesetzt werden darf, der keine europäische Staatsbürgerschaft hat. Mit dem Polen Michal Logosz, die Nummer acht der Weltrangliste im Herrendoppel, kommt ein weiterer Topmann hinzu. Die amtierende Deutsche Meisterin und Nummer 16 der Weltrangliste, Juliane Schenk sowie ihre frühe Doppelpartnerin Nicole Grether, aktuelle die Nummer 17 in der Doppel-Weltrangliste, komplettieren den Stamm des Berliner Teams, das auch ansonsten mit Nationalspielern und Titelträgern gespickt ist.
„Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen“
„Das heute sehr viel Spaß gemacht. Jetzt möchte ich zum Abschied noch den Titel verteidigen. Das wird ohne Frage sehr schwer, aber wenn wir uns in den vergangenen Jahren durch etwas ausgezeichnet haben, dann war es unser Teamgeist. Für uns gilt, wie es in der Liedzeile so schön heißt: ‚Was wir alleine nicht schaffen, das schaffen wir dann zusammen’“, meinte Huaiwen Xu. Und auch Mannschaftskapitän Michael Fuchs gibt sich kämpferisch: „Jetzt sind wir erstmal glücklich über unseren Finaleinzug. Das ist super gelaufen, auch wenn Langenfeld heute besser gespielt hat – aber der Druck für sie war ja auch weg, da lässt es sich befreit aufspielen. Im Finale wird es natürlich schwer für uns, aber wir sind keinesfalls chancenlos. Wenn die Berliner von uns den Titel haben möchten – ok, aber dann müssen sie auch richtig was dafür tun. Ohne erbitterten Widerstand geben wir ihn sicher nicht her.“
Marcel Reuter. (Archivfotos: Sven Heise)