Ihr letztes Spiel im BCB-Trikot war nicht nur die Kulmination eines sensationellen Finalspiels, sondern steht beispielhaft für Huaiwens Karriere: nie aufgeben, kämpfen bis zuletzt, alles geben für die Mannschaft. Das Wagnis des Wechsels von China nach Friedrichshafen, der Schritt nach Saarbrücken und der Aufstieg in die Weltklasse mit zwei dritten Plätzen bei den Weltmeisterschaften von Anaheim und Madrid - die Grundlage für den Erfolg war harte Trainingsarbeit. Nach dem Olympiajahr, das an die Spieler extreme Anforderungen gestellt hat, und dem großen Medienecho konnte sich Huaiwen noch ein Jahr motivieren, doch nun ist Schluss. Mit einem emotionalen Höhepunkt, der vierten Meisterschaft mit dem BC Saarbrücken-Bischmisheim, beendet Deutschlands erfolgreichste Spielerin ihre glanzvolle Karriere.
Huaiwens Gegnerin im Finale war Juliane Schenk. Die knappe Niederlage mit 21:12, 13:21 und 24:26 war bitter, doch Juliane spielte sensationell und holte im dritten Satz ein 13:18 auf. Bei der Klasseleistung mit Nicole Grether im Doppel würde man die Nachfolgerin von Huaiwen Xu als Deutsche Einzelmeisterin im Grand Prix-Circuit allerdings auch gerne mal wieder in dieser Disziplin sehen.
"So etwas habe ich noch nie erlebt." - diesen Spruch hörte man in der Joachim-Deckarm-Halle des öfteren. Das Spiel zweier Mannschaften mit absoluten Topstars in Bestform vor über 700 Zuschauern war eine Werbung für den Badmintonsport. Die Auftaktdoppel dauerten jeweils über 70 Minuten, das gesamte Match mehr als vier Stunden. Während die lautstarken Berliner Fans am Anfang dominierten, mussten die Saarländer Fans erst den 0:4-Rückstand verarbeiten, bevor auch sie aus sich herausgingen. Neben Publikumsliebling Huaiwen Xu erwies sich dabei der schnelle Litauer Kestutis Navickas als Stimmungskanone, der nach anfänglichem Rückstand den entscheidenden dritten Punkt holte. "Mit seiner Schnelligkeit und meiner Technik wär ich Weltmeister geworden." zitieren wir einen Spieler, dessen Namen wir hier nicht nennen.
Im ersten Einzel unterlag Arvind Bhat gegen den früheren Vizeweltmeister Wong Choong Hann. "Ich spiele den Sudirman Cup für Indien und freue mich ganz besonders auf die Weltmeisterschaft dieses Jahr in meinem Heimatland." sagte Arvind gegenüber Badzine. "Bei uns spielen so viele Leute Badminton. Ich glaube fest daran, das Indien zukünftig zu den großen Badmintonnationen wie China, Malaysia und Indonesien gehören wird."
Dieter Domke musste verletzungsbedingt in beiden Finalspielen passen. Vielleicht die entscheidende Schwächung für das Team aus der Bundeshauptstadt, allerdings hätte auch er gegen den starken Kestutis Navickas alles geben müssen. Nach seiner Verletzung hatte Dieter zu früh mit dem Training begonnen. Leider verpasst er nun auch den Sudirman Cup in China. Tim Dettmann sprang im Einzel in die Bresche und begann furios. "Ich war selbst überrascht, dass es am Anfang so gut klappte."
Im Internet boten beide Vereine einen Liveticker und aus Saarbrücken gab es sogar einen Livestream. Freibier und Sandwiches von den BCB-Hauptsponsoren konnten nach dem Spiel aber nur die real anwesenden Zuschauer genießen.
Die Freude über die gewonnene Meisterschaft wechselte nach dem Spiel bei den Bischmisheimern zu einer wehmütigen Stimmung. Weniger die unsägliche Schnulze "Time to say goodbye" als vielmehr die Erinnerungen an eine schöne Zeit mit Huaiwen Xu ließen bei dem ein oder anderen ein paar Tränen fließen. Neben dem Huaiwen Xu-Fanclub bemühte sich besonders BCB-Chef Frank Liedke um Fassung, ein schönes Foto dazu erscheint in der Montagsausgabe der Saarbrücker Zeitung.
Auch wenn die Entscheidung im Spiel schon gefallen war, beendete Marcel Reuter das letzte Einzel gegen Johannes Schöttler siegreich. In Berlin hatte er das wichtige 5:3 für die Saarländer erzielt. Marcel, der auch im Vorjahr einen entscheidenden Punkt zum Finalsieg gegen Beuel besteuerte. ließ sich vom spannenden Spielverlauf nicht beeindrucken: "Das letzte Spiel zu machen bedeutet natürlich oft, eine große Verantwortung zu übernehmen. Aber mir macht das Spaß, auch wenn ich wie heute manchmal lange warten muss."
Wie der Redaktion aus Insiderkreisen bekannt ist, gibt es für die neue Saison drei höchst interessante Neuverpflichtungen beim BC Bischmisheim. Da diese Informationen momentan aber noch mit einer Sperrfrist belegt sind, überlassen wir das Ausplappern dieser Informationen dem Hörfunk.
Einen weiteren Abschied gibt es beim BC Bischmisheim, den insbesondere die Badzine-Redaktion bedauert - BCB-Pressesprecher Pascal Blum beendet seine Tätigkeit, ein Nachfolger wird noch gesucht. Vielen Dank, Pascal, für viele Vor- und Nachberichte!

Pascal Blum (Mitte) mit SZ-Redakteur Mark Weishaupt und Sven Heise. (Foto: Michael Fuchs)