Wie der Deutsche Badminton Verband in einer Pressemitteilung bekannt gegeben hat, kooperiert zukünftig das "Internetportal RSK1" mit SportA, der Sportrechteagentur von ARD und ZDF.
Die öffentlich-rechtlichen Anstalten, die in einem Gesamtvertrag die Übertragungsrechte für 33 Sportarten halten und dies mit Ausnahme des Saarländischen Rundfunks in Bezug auf Badminton meist dazu nutzen, unter Vernachlässigung ihres öffentlichen Auftrags nicht nur keine Beiträge und Liveübertragungen zu senden, sondern auch noch anderen Sendern die Übertragungsrechte zu verweigern bzw. sich nur dann bereit zur Abtretung erklären, wenn sie die teure Produktion der Sendungen übernehmen können, räumen RSK1 angeblich die Rechte zur Live-Berichterstattung ein. Außerdem können Sendungen von ARD und ZDF bis zu einem Jahr lang als Video-On-Demand bei RSK1 abgerufen werden.
Wörtlich heißt es in der DBV-Pressemitteilung "Neben der Übertragung von ARD (inklusive den Dritten Programmen) und ZDF ist damit eine noch umfassendere Berichterstattung – u. a. über Ereignisse aus dem Bereich Badminton – im Internet möglich." Liest man diesen Satz schnell genug, verbindet man die umfassende Berichterstattung mit der Übertragung von Badminton im Fernsehen. Mit Ausnahme des Olympiajahres kann man die Übertragung von Badminton im öffentlich-rechtlichen Fernsehen bis auf den SR und einige Beiträge im ZDF durchaus als praktisch nicht existent oder minimal bezeichnen, allerdings in keiner Weise als "umfassend". Dies gilt natürlich auch für den Großteil der anderen Sportarten außer Fußball und Boxen.
Tatsächlich wird der Satz klarer, wenn wir die zwar für die Sponsoren jeder Sportart primär wichtige Übertragung von Badminton im "richtigen" Fernsehen weglassen und den Satz auf die Kernaussage reduzieren. Vereinfachen wir noch weiter, in dem wir annehmen, dass für Badmintonspieler nur die Ereignisse aus dem Bereich Badminton interessant sind, lautet diese: Mit dem Portal RSK1 ist eine noch umfassendere Berichterstattung im Internet möglich. Gehen wir davon aus, dass auch die Festplatten von YouTube/Google, Rapidshare und anderen Quellen von Badmintonvideos endlich sind, gebe ich zu, dass dies eventuell im Bereich des Möglichen liegt.
Die absurde Situation, dass von den beiden großen deutschen Turnieren Yonex German Open und Bitburger Open professionelle Fernsehsignale produziert werden, aber mangels Interesse der deutschen Fernsehanstalten die Bilder nur in Asien live gesehen werden können, wird aber auch das neue Portal vermutlich nicht ändern können.
"Von der Kooperation können zum einen natürlich die Sportfans profitieren. Darüber hinaus bringt die Zusammenarbeit der beiden Unternehmen vor allem für die Vereine und Verbände Vorteile mit sich: Schließlich steht künftig eine weitere Plattform für die Ausstrahlung von Veranstaltungen wie Bundesligabegegnungen oder Länderspiele(n) zur Verfügung." schwärmt die Pressemitteilung. Welche Vorteile man konkret hat, wenn man außer YouTube und der eigenen Homepage noch eine weitere Internetseite mit den selbstgedrehten Videos beliefert, bleibt unklar. Ebenso wird die Frage, warum das Videoportal eine "große Chance für den Badmintonsport hierzulande" ist, in der Presseerklärung nicht beantwortet.
Der Schlussabschnitt zeigt dann, wie sich die Kooperation in die bestehende Pressearbeit im deutschen Badminton einfügt: "Vereine und Verbände sind von nun an gefordert, eigenständig Bildmaterial zu erstellen und dieses einzusenden. Abhängig von der Attraktivität einer Veranstaltung besteht auch die Möglichkeit, dass Videojockeys von RSK1 vor Ort Aufnahmen machen."
Ich will gar nicht erst versuchen, mir vorzustellen, was ein Videojockey ist. Dass aber die Vereine und Verbände honorarfrei und ohne professionelle Unterstützung die Beiträge erstellen sollen, ist genau das, was unsere Sportart nicht weiterbringt: aus Kostengründen wird darauf verzichtet, eigene Berichterstatter wie die Chefredakteure der Badminton Sport oder der offiziellen Seite badminton.de zu wichtigen nationalen und internationalen Turnieren zu schicken. Ein Budget, das andere Verbände wie der englische oder dänische Verband für Berichte und Fotos von jedem internationalen Event selbstverständlich haben, existiert nicht. Stattdessen verlassen sich die Presseverantwortlichen darauf, dass die engagierten Leute, die "zufällig" vor Ort sind und dafür teilweise hohe Kosten selbst tragen, für wenig oder gar kein Geld Berichte und Fotos liefern. Im Gegenzug verweigert man den selben engagierten Leuten dann aber gerne mal eine Presseakkreditierung für das eigene internationale Turnier.
Ich würde mich freuen, wenn das neue Portal wirklich dazu führt, dass man Badminton-Bundesligaspiele, Länderspiele und die großen deutschen Turniere in HDTV-Qualität mit professionellem Kommentar, Interviews und Hintergrundberichten übers Internet sehen kann, so wie dies ein dänischer Fernsehsender mit den Ligaspielen praktiziert. Ein weiteres Internetportal mit Amateurvideos braucht die Badmintonwelt aber nicht, denn bereits jetzt gibt es auf YouTube oder einschlägigen Foren weltweit fast jedes Spiel, das bei großen Turnieren im Fernsehen gesendet wurde, kostenlos zum Ansehen oder sogar in Fernsehqualität zum Download.