"Dieses Spiel sorgte für Gesprächsstoff" - Nicole Grether berichtet von ihren Turniersiegen in den USA und Kanada und von einem 94-minütigen Doppel mit Charmaine Reid gegen die Japanerinnen Ito/Oka.
Nach den beiden Turniersiegen in New York und Lima spielte ich mich in einen Rausch und konnte sowohl die Li-Ning LABC Open in El Monte/Los Angeles im Einzel und Doppel als auch die Atwater Canadian International in Montreal im Doppel gewinnen.
Voller Selbstvertrauen und Kampfgeist gingen wir bei den LABC Open ungesetzt an den Start und konnten einige ehemalige asiatische Topspieler besiegen, von denen sehr viele in den USA leben und als Coach tätig sind. Auch wenn im Dameneinzel und Damendoppel nicht viele Spieler gemeldet und wir im Gruppenmodus gespielt haben, so war doch jedes Spiel hart umkämpft und jeder hätte das Turnier gewinnen können, da die Spielstärke sehr ausgeglichen war.
Ich war sehr glücklich, dass es mir erneut gelungen ist, in beiden Disziplinen zu gewinnen, was mit viel Kampf und Durchhaltevermögen verbunden war. Jeden Punkt mußte ich mir hart erkämpfen und mir war klar, daß man nichts geschenkt bekommt.
Nach Los Angeles stand eine Woche Training in Calgary auf dem Programm, was nach drei Turnieren sehr gut tat und vor allem etwas Abwechslung mit sich brachte.
Mit neuer Energie und Turniersiegen in der Tasche ging es nach Montreal, wo über das erste Mai-Wochenende die Canadian International im Atwater Club stattfanden. Im Einzel konnte ich mich im Achtelfinale gegen Phyllis Chan aus Kanada in zwei Sätzen durchsetzten und im Viertelfinale kam es zum erneuten Aufeinandertreffen mit Hitomi Oka aus Japan, welche ich in Kroatien besiegen konnte. Dieses Mal hatte allerdings die Japanerin das bessere Ende für sich und ich musste mich nach 70 Minuten in drei hart umkämpften Sätzen mit 21-18, 16-21, 15-21 geschlagen geben. Auch eine 11-6 Führung im dritten Satz reichte leider nicht aus, die Japanerin zu stoppen, doch so konnte ich mich voll und ganz auf das Doppel mit Charmaine Reid konzentrieren, wo im Viertelfinale bereits eine schwierige Aufgabe auf uns wartete.
An eins gesetzt starteten wir mit einem Freilos in das Turnier, wo wir uns im Viertelfinale, unserer ersten Runde, mit Melody Liang und Xuelian Jiang auseinandersetzten. Letztere war über acht Jahre Mitglied in der chinesischen Nationalmannschaft und gewann Medaillen bei Weltmeisterschaften. Da wir bereits bei den US Open vor zwei Jahren verloren haben, wussten wir, was auf uns zukommt und gingen sehr konzentriert ins Spiel. Unsere Taktik ging auf und wir konnten in zwei Sätzen gewinnen und in das Halbfinale einziehen.
Dort spielten wir gegen Kana Ito/Hitomi Oka aus Japan, wo ich die Chance hatte, mich für die Niederlage im Einzel zu revanchieren. Dieses Spiel sorgte für Gesprächsstoff und ich werde es so schnell nicht vergessen. Im Halbfinale wurde auf zwei Feldern gespielt und während auf dem anderen Feld zwei Herrendoppel und ein Damendoppel gespielt wurden, waren wir immer noch zu Gange. Wir benötigten sage und schreibe 94 Minuten, um unsere Gegner aus Japan mit 21-18, 19-21, 21-14 niederzukämpfen. Dies war jedenfalls ein unglaubliches Spiel, was durch extrem lange Ballwechsel und wenig Fehler geprägt war.
Trotz des langen Spiels fühlen wir uns am Finaltag sehr gut und blickten voller Zuversicht dem Endspiel entgegen. Nachdem wir uns aufwärmten und bereit waren wurde leider bekanntgegeben, dass das Finale aufgrund einer Verletzung unserer Gegnerinnen nicht stattfinden wird. Schade, ich hätte sehr gerne gespielt, aber wir hatten uns den Sieg definitiv am Vorabend mehr als verdient.
Es freut mich sehr, dass ich zusammen mit Charmaine ein weiteres Turnier gewinnen und meine Siegesserie fortsetzten konnte. Wir werden noch einige Tage in Montreal bleiben und im Atwater Club trainieren, ehe es Mitte der Woche weiter nach Boston geht, wo am Wochenende die Boston Open stattfinden.