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International

14.03.2010 20:00

Pauken, Trompeten und finale Spannung

Von: Peter Gütte

Viktor Axelsen

Sieger bei German Junior: Viktor Axelsen [Foto: BadmintonPhoto]

U17-Europameister Viktor Axelsen aus Dänemark hat das Einzelfinale der Wilson German Junior in Berlin gewonnen. Peter Gütte berichtet vom Finaltag.

Als die Uhrzeiger der Berliner Sporthalle Hohenschönhausen auf 10.00 Uhr rutschen, schmetterten Trompeten die Ouvertüre zum finalen Akt der German Junior 2010 und besonders für die ersten Kontrahenten im Mixed: Ji Wook Kang/Hye In Choi aus Korea gegen die Dänische Paarung Emil Holst/Ditte Strunge Larsen. Werden es die Nordländer gegen die Asiaten packen? Emil Holst ein paar Minuten vor dem Spiel: „Ich bin zuversichtlich aber zugegeben, auch ein wenig nervös!“ 

Diese Nervosität war auch gleich spürbar, denn schnell gingen die Asiaten 12:6 in Führung. Wenngleich sich das dänische Paar auch noch bis 17:19 und 19:20 herankämpfte, der Satzverlust war nicht mehr zu vermeiden. Das koreanische Team in der Pause zum 2. Satz das nach den Siegaussichten befragt: „Wir gewinnen, das ist doch klar!“ War es so sicher?

Der 2. Satz mit verändertem Bild. Die Dänen plötzlich selbstbewusst, 8:8, 10:10, 11:11. Bis dahin ein total ausgeglichenes Match und flirrende Hochspannung in der Berliner Badminton-Arena. Wer immer auch gewinnen würde, eines war zu diesem Zeitpunkt absolut klar: Hier wurde Badminton auf höchstem Niveau zelebriert und Dänemark holt sich mit 21:17 Satz 2. 

Das Publikum begeistert. Eine Frau aus Pankow sieht die Dänen vorn, „die schaffen das“. Das sieht der zugehörige Mann ganz anders, „nee nee, die Koreaner sind stärker!“ Und das zeigt sich dann auch im 3. Satz, 15:5 ziehen die Koreaner davon. Diesen Vorsprung geben sie auch nicht mehr ab und gewinnen 21:12. „Sie haben viel weniger Fehler gemacht als wir und dann dieses unwahrscheinlich hohe Tempo. Da haben wir in den entscheidenden Momenten nicht immer mithalten können. Nein, nervös war ich dann nicht mehr“, so Emil Holst gleich nach dem Spiel, schon wieder mit kleinem Lächeln! Für Hye In Choi war der Matchausgang von vornherein klar: „Ich war sicher, dass wir gewinnen werden“, lacht sie. Dann entschuldigt sich die 17jährige, denn in wenigen Minuten steht sie erneut im Finale, im Einzel! Wird sie ein zweites Mal aufs Siegertreppchen steigen können?

Ihre Gegnerin kommt aus Hong Kong, Poon Lok Yan, ist 17 Jahre alt und liebt Musik. Die schlanke Chinesin hat keinen guten Start, ihre Körpersprache strahlt Nervosität aus. Dafür spricht auch das Ergebnis: 5:21 im 1. Satz, - ein bis dahin unspektakuläres Spiel mit drückender Überlegenheit Choi Hye In. Wenngleich auch die Chinesin im 2. Satz versucht, das Spiel offen zu halten, ihre Möglichkeiten gegen die Koreanerin sind bemessen. Und so geht auch Satz 2 verloren. Hier die Niederlage, dort die strahlende Koreanerin Choi Hye In über ihren zweiten German Junior Finalerfolg.

Victor Axelsen, einer der Finalisten im Herreneinzel. 16 Jahre ist er alt, gilt als Ausnahmetalent und geht auf eine Sportschule in Odensee. „Das ist die viertgrößte Stadt Dänemarks“, erklärt er. Training? „Ja, natürlich jeden Tag. Gleich ganz früh geht’s los und am Nachmittag auch noch. Dazwischen Schule und manchmal bleibt dann auch noch Zeit für meine Freunde!“ Nach seiner Zuversicht für das Einzel befragt: „Ja, ich habe gute Taktik und schnell bin ich auch. Ich bin guter Dinge!“   

Gegner von Victor Axelsen der Koreaner Kang Ji Wook. Der hatte bereits einen Erfolg in der Tasche und zwar als Mixed Partner von Choi Hye In. Axelsen bringt sofort sein wuchtiges Angriffsspiel und seine kolossale Reichweite zur Entfaltung und spielt den Koreaner unerwartet sicher aus. 21:11. Alles sah nach einem Sieg für Victor Axelsens aus! 

Wenngleich der Koreaner im zweiten Satz auch besser ins Spiel kam, seine Künste reichten gegen Axelsen nicht. Und so verliert Kang Ji Wook 13:21. War diese Niederlage Folge des vorher gespielten Mixed, fehlten da einfach die Kräfte? „Ja, ich habe das schmerzhaft gespürt. Das Mixed war sehr anstrengend für mich, die Last auf meine Schultern extrem groß, und da fehlte es mir im Einzel an Kraft. Ich glaube, das war ausschlaggebend für den Ausgang.“ Und auch ein drittes Finale wartete noch auf den sympathischen Koreaner!

Im Damendoppel waren die Koreanerinnen unter sich: Hye In Choi/So Hee Lee gegen Chan Mi Kim/Eun Byul Ko. Die vier Finalistinnen boten den Berliner Fans alle Feinheiten fernöstlicher Badmintonkunst. 21:14 und 21:16 gewinnen Hye In Choi/So Hee Lee.

Das Herrendoppel, Choi S I/Kang Ji Wook (Korea) gegen K. Astrup/R. Fladberg (Dänemark), setzte schließlich den sportlich glanzvollen Schlusspunkt dieser Wilson German Junior 2010. Kim Astrup nach den Chancen befragt: „Ich denke wir haben eine gute Chance gegen die Koreaner. Wir haben eine Menge Möglichkeiten und Varianten in unserem Spiel und schnell sind wir auch.“ Interessant in diesem Zusammenhang die Frage, wie Kang Ji Wook seine zwei voran gegangenen Finals verkraftet hatte? Anscheinend spurlos. In einem wundervollen Spiel, gewürzt mit allen Finessen kraftvollen Angriffsspiels und reaktionsschneller Verteidigung, entscheiden die Koreaner das Herrendoppel schließlich mit 21:12 und 21:17 für sich, wobei ihnen die Dänen mit auffällig vielen Fehlern entgegen kamen!    

Ein Resümee und Blick voraus von Turniermanager Manfred Kehrberg: 

„Unsere 2010er Organisation und Infrastruktur haben sich bestens bewährt und werden so, oder vielleicht in leicht modifizierter Form, auch Grundlage für die German Junior 2011 sein. Besonders hat mich gefreut, dass wir 2010 Fortschritte mit der Vermarktung dieses Sportereignisses machen konnten. In diesem Zusammenhang großer Dank an Wilson  und überhaupt an alle Helfer. Natürlich weiß ich, wie schwierig es ist, Badminton zu vermarkten. Aber ich denke, mit mancher guten Idee können wir da noch vieles besser machen. 

Was ich mir vor allem für 2011 wünsche, und wir werden in dieser Hinsicht alle Hebel in Bewegung setzen, dass noch mehr asiatische Badmintonnationen kommen. Wir müssen uns da besser abstimmen, damit deren nationale und internationale Spielpläne nicht mit unseren Terminen kollidieren. Und ich meine damit besonders China, Malaysia, Indonesien und Indien“.

 

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