Bundes-Jugendtrainer Holger Hasse im Gespräch mit Badzine.de über die erste Medaille bei U19-Weltmeisterschaften, die Auswirkungen dieser Premiere und er erklärt, warum Europa gegenüber Asien aufgeholt hat.
BADZINE: Holger, welchen Stellenwert hat die WM-Medaille von Schwenger/Herttrich für das deutsche Badminton?
Holger Hasse: Der Stellenwert ist enorm hoch. Mit diesem historischen Erfolg haben Isabel und Max dieser Saison die Krone aufgesetzt. Bereits bei den beiden siegreichen Länderspielen gegen Dänemark im August 2009 zeigte sich, dass wir auch im Jugendbereich auf einem sehr guten Weg sind. Die erfolgreiche Jugend-Olympiaquali mit dem Turniersieg durch Fabienne Deprez und die Gold-Medaille beim Six-Nations-Team-Turnier waren weitere herausragende Meilensteine. Neben der WM-Medaille waren auch die vier Viertelfinalteilnahmen für sich alleine schon sensationell.
Diese Ergebnisse sind aber auch ein großer Erfolg für die DBV-Nachwuchsstützpunkte. Alle vier WM-Viertelfinalteilnehmer hatten sich vor geraumer Zeit für Leistungssport entschieden und ihren Wohn- und Schulort an einen der fünf DBV-Nachwuchsstützpunkte verlegt. Damit sind sie Vorbild für alle jungen deutschen Badminton-Talente, die diesen Schritt bislang noch nicht gegangen sind. Zudem haben sie unseren, wenn auch geklauten, Leitspruch vom U19-Six-Nations bestätigt: YES WE CAN! Deutsche Badmintonspieler können und werden auch zukünftig Weltspitzenleistungen erzielen.
BADZINE: Haben die jüngsten Erfolge auch Auswirkungen auf die finanziellen Förderungen vom Ministerium?
Hasse: Ich bin mir sicher, dass unsere jüngsten Erfolge im Jugend- und Erwachsenenbereich beim DOSB und BMI positiv aufgenommen wurden. Wir haben damit bewiesen, dass wir auf dem richtigen Weg sind und die bereits verbesserte Förderung verdient haben. Es lohnt sich, in den deutschen Badmintonsport zu investieren und wir hoffen, dass uns unsere Förderer und Sponsoren für künftige Ziele verstärkt unterstützen werden.
BADZINE: Wie beurteilst du das Niveau der WM im Allgemeinen? Die Asiaten haben scheinbar abgebaut, während gleichzeitig die Europäer aufgeschlossen haben. Teilst du die Meinung?
Hasse: Europa holt derzeit auf – das ist unverkennbar. Dass die Asiaten abgebaut haben, kann ich nicht erkennen. Das Niveau war vor allen Dingen bei den Damen so hoch, wie die Jahre zuvor – vielleicht sogar höher. Die besten asiatischen jugendlichen Frauen sind sehr nah an der Weltspitze der Erwachsenen dran. Die japanische Finalteilnehmerin Matsutomo spielte vergangene Saison beispielsweise alle Super-Series-Turniere und hat bereits Weltklassespielerinnen wie Yao Yie, Ella Diehl oder Petya Nedelcheva geschlagen. Die europäischen Erfolge sind eine Mischung aus der ständigen Fortentwicklung der europäischen Top-Badmintonkultur, großem Talent und einer kleinen Portion Glück. Dahinter steckt aber vor allen Dingen harte Arbeit der beteiligten Athleten, Trainer und Betreuer mit ständig wachsenden Umfängen und höherer Qualität.
BADZINE: Welche Maßnahmen stehen als nächstes an?
Hasse: Für unsere Jugend-Nationalspieler gilt es jetzt in einen geregelten Trainingsalltag zurückzufinden. Die letzten Wochen und Monate waren sehr turbulent. Der Fokus liegt nun klar auf Schule und Training. Es gilt in den kommenden Wochen und Monaten viele individuelle Technik- und Taktikthemen zu bearbeiten und im physischen Bereich gezielt und kontinuierlich weiter zu arbeiten. Fabienne (Deprez, Anm. d. Red.) bereitet sich auf die Olympischen Jugendspiele im August in Singapur vor. Keiner darf sich auf seinen Lorbeeren ausruhen, sondern muss sich neue Ziele setzen. Ostern 2011 wollen wir bei der Jugend-EM in Finnland erfolgreich sein. Dafür müssen wir das kommende Jahr nun detailliert planen.
Vielen Dank für das Gespräch.