Jakob Hoi kommt gerade aus dem Nordamerika-Urlaub. Vom Badmintonsport ist er dabei nicht losgekommen. Als Chef-Bundestrainer stand er bei den Turnieren in Kanada und den USA an der Seitenlinie. Den Triumph von Birgit Overzier und Michael Fuchs bei den US Open hat er live miterlebt und gerät ins Schwärmen.
“Mit einer neuen Paarung ein Grand-Prix-Gold-Turnier zu holen ist ein Höhepunkt”, freut sich Hoi über den Erfolg der Paarung, die er als Mixed-Trainer selbst betreut. Phänomenal war dabei nicht das Endspiel, sondern die Viertelfinalpartie gegen Julie Houman und Jacob Chemnitz. Gegen die Dänen haben Overzier und Fuchs dazugelernt und das in den beiden anschließenden Spielen angewandt. “Im Finale hatten sie alles im Griff”, sagt Hoi anerkennend. Mehrere Online-Medien berichteten vom nicht alltäglichen Triumph des Badminton-Mixeds.
Ob das Medienecho genügt? “Wir wollen immer mehr”, sagt Hoi, der erst zufrieden ist, wenn die Spieler gute Sponsoring-Verträge bekommen. “Dabei kann die Presse helfen”, glaubt er. Die Forderung nach Schlagzeilen war aber eigentlich als interner Kommentar gedacht. Dennoch findet der Bundestrainer: “Starkes Turnier, harte Auslosung – die zwei sollen viel Lob bekommen.”
WM-Medaille für Schenk realistisch
Mit Lob möchte Hoi nicht geizen, wenn es verdient ist. Auch mit der Leistung der anderen Nordamerika-Reisenden ist er zufrieden. Schließlich haben sie Gegner geschlagen, gegen die es zuletzt Niederlagen setzte. Hervorheben möchte der Chef-Bundestrainer die Leistung von Dieter Domke, der sich Weltstar Taufik Hidayat im Viertelfinale der Canada Open knapp in drei Sätzen beugen musste. Und auch den Beinahe-Triumph von Overzier und Sandra Marinello in Richmond unterstreicht er. Um ein Haar hätten sich das Damendoppel im Endspiel gegen die Nummer sechs der Weltrangliste durchgesetzt.
Angetan ist Hoi vom Weg, den Juliane Schenk seit einem Jahr beschreitet. “Sie gewinnt alle Spiele, die sie muss und ist auch gegen Weltklasse-Spielerinnen gut dabei.” Schon bei der Weltmeisterschaft vom 23. bis 29. August stuft er eine Medaille für Schenk als realistisch ein. Immerhin steht sie in den Top Ten der Weltrangliste und ist in Paris gesetzt. “Langfristig haben wir auch im Damendoppel mit Birgit und Sandra und im Mixed Chancen”, glaubt der Chef-Bundestrainer. “In Amerika lief es gut, ab jetzt wird's nur besser”, blickt Hoi positiv in die Zukunft.
Hoi erwartet Sprung im Doppel
Die Testphase ist fertig, die Paarungen haben sich gefunden. Die Vorgaben des Deutschen Badminton Verbandes lauten, in jeder Disziplin in den Top Ten der Weltrangliste vertreten zu sein. Im Dameneinzel ist dieses Ziel erreicht. Das Herrendoppel ausgenommen, seien diese Vorgaben zu erfüllen. “Im Herrendoppel ist die internationale Konkurrenz sehr hart“, weiß Hoi. Inzwischen stehen nicht mehr nur vier dominante Nationen ganz oben, sondern doppelt so viele. Von seinen Schützlingen erwartet der Trainer noch einen kräftigen Sprung und setzt seine Hoffnung auf Ingo Kindervater und Johannes Schöttler. “Schaffen wir die Qualifikation für Olympia, dann haben wir einen Sprung gemacht”, gibt Hoi das Primärziel vor. 2012 soll Deutschland bei den Spielen in London in allen fünf Disziplinen vertreten.
“Marc (Zwiebler; Anmerkung der Redaktion) hat die Chance auf die Top Ten, langfristig kann er es schaffen”, glaubt Hoi an den Bonner. “Auch im Damendoppel sehe ich in Zukunft Potenzial”, sagt er über Overzier und Marinello. Gegen die russischen Europameisterinnen Valeria Sorokina und Nina Vislova gab es oft Dreisatzspiele. Die Russinnen liegen auf Platz neun, gefolgt von den Vizeeuropameisterinnen Petya Nedelcheva und Anastasia Russkikh, die derzeit stark in Form sind. Auf diesem Niveau siedelt Hoi die Leistung von Overzier und Marinello an. Und dann wäre da noch das Mixed. Seinen US-Open-Siegern traut er zu, die Top 15 zu knacken und sich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Die Weichen sind gestellt.