Karin Schnaase hat sich gerade von einer schweren Nervenerkrankung erholt. Die Therapie schlug gut an, sodass die Lüdinghauserin nach momentanem Stand bei der WM vom 23. bis 29. August in Paris antreten kann. Anstatt gelähmt mitzufiebern, wie Juliane Schenk um eine Medaille kämpft, trifft sie in Frankreich auf Malaysias Nummer eins. Mit Michael Stauner sprach die 25-Jährige über ihre Krankheit, WM-Chancen, internationale Ziele und das Heimspiel gegen Dänemark.
BADZINE: Du bist erst seit kurzer Zeit wieder im Training. Wie fit bist du inzwischen?
Karin Schnaase: Ich bin in der dritten Woche im Training und kann wahrscheinlich die Weltmeisterschaft in Paris spielen.
BADZINE: Wo genau drückte der Schuh?
Schnaase: Im Mai war ich mit meinem Freund im Urlaub in Ägypten. Seit dem zweiten Tag dort hatte ich ein Taubheitsgefühl in den Füßen, konnte das aber nicht einordnen. Allerdings habe ich mir Gedanken gemacht, weil ich beim Joggen keine Kontrolle über meine Beine hatte und dieses Taubheitsgefühl hochgewandert ist. Sogar der Schlucknerv hat nicht mehr funktioniert. Wieder daheim, hat erst ein Neurologe in Wuppertal das Guillain-Barrè-Syndrom (GBS) nach einem fünftägigen Check diagnostiziert. GBS ist eine Nervenkrankheit, die oft nach einer schlimmen Magen-Darm-Erkrankung kommt – die hatte ich nach Kuala Lumpur. Durch die Reha ging das aber schnell wieder weg.
Nur ganz wenige Menschen haben diese Krankheit. Auch der Fußballer Markus Babbel (Anmerkung der Redaktion: jetzt Trainer von Hertha BSC) hatte GBS. Bei ihm war das Problem, dass er zu früh wieder mit Sport angefangen hatte. Deswegen gab es bei ihm einen Rückfall. Aber ich achte auf meinen Körper, belaste ihn nicht zu stark und ernähre mich gesund. Ich merke, wie ich dadurch wieder zu Kräften komme und alles wieder besser wird.
BADZINE: Wie sieht die Zielsetzung bei deiner ersten Individual-WM aus?
Schnaase: In der ersten Runde muss ich gegen die Nummer eins der Malayen, Mew Choo Wong, spielen. Ich habe noch nie gegen sie gespielt, aber das ist auf jeden Fall eine krasse erste Runde. Ich gehe da aber recht locker rein, denn ich bin froh, überhaupt teilnehmen zu können. Schließlich ist das meine erste WM, da möchte ich mitspielen, Erfahrung sammeln, dabei sein. Ich hoffe, ein gutes Spiel zu machen, das gleichzeitig eine gute Vorbereitung für die Bitburger Open ist.
BADZINE: Du hast drei Ziele für die kommende Saison angegeben: in die Top 30 der Weltrangliste zu kommen, verletzungsfrei bleiben und ein BE-Turnier gewinnen.
Schnaase: Das ist richtig. Aber auch auf Highlights wie die WM oder nächstes Jahr die Mannschafts-EM freue ich mich. Mit guten Erfolgen bei Turnieren hoffe ich, für die EM nominiert zu werden. Verletzungsfrei bleiben ist auch ein ganz wichtiges Ziel. Bis auf die Nervenerkrankung hat das ganz gut geklappt. Ich habe viele Turniere gespielt, ein paar BE-Erfolge erzielt und bin in der Weltrangliste nach oben geklettert. Ich hatte extra so viele Turniere gespielt, um an der WM teilnehmen zu können. Darum bin ich froh, dass das noch klappt - wenn nichts dazwischen kommt oder Symptome zurückkehren.
BADZINE: Auf der Lüdinghauser Vereinshomepage sind Fan-Mailadressen von Carina Grewe und dir angegeben. Werdet ihr denn mit Fanpost überhäuft?
Schnaase: Viele möchten Autogrammkarten. Ab und zu schicken Leute Bilder von Bundesliga-Spielen. Süß sind besonders die Mails von kleinen Kindern, die in ihrer Kindersprache schreiben. Denen möchte man etwas weitergeben, sie für Badminton interessieren.
BADZINE: Interessieren sich die Lüdinghauser Badmintonfans denn nur für hübsche Frauen, die mit dem Schläger umgehen können – oder warum gibt's keinen direkten E-Mail-Draht zu den Herren?
Schnaase: Die Anderen haben keine Autogrammkarten. Wir hatten schon mal Adressen von allen angegeben. Es war den Spielern aber auf Dauer unangenehm, bei Autogrammkartenwünschen immer absagen zu müssen.
BADZINE: Am 30. September steht in Senden, ganz in der Nähe von Lüdinghausen eines von drei Länderspielen gegen Dänemark an. Was ist für dich bei diesem Heimvorteil gegen die Dänen drin?
Schnaase: Wir sind gespannt, mit was für einer Truppe die Dänen anreisen. Sie haben Tine Baun als Topspielerin. Ich freue mich, wenn sie mit ihr anrücken, kann es mir aber nicht vorstellen. Es wäre ein Kracher, gegen eine solche Spielerin anzutreten – so wie jetzt bei der WM gegen die Malayin. Danach kommen Camilla Sörensen, meine ewige Jugendgegnerin und Freundin, und Karina Jörgensen. Der Leistungsunterschied zu Tine Baun ist allerdings sehr groß. Gegen Camilla Sörensen habe ich schon oft in der Jugend gespielt. Sie ist eine gute Konkurrentin und es macht immer Spaß, gegen sie anzutreten.
BADZINE: Wie ist die Vorfreude in Lüdinghausen auf das Länderspiel?
Schnaase: In Lüdinghausen hatten wir noch nie ein A-Länderspiel und da wir auch mitorganisieren, ist es umso schöner, dass es gegen die Dänen klappt. Auch für die vielen Badmintonbegeisterten in der Umgebung. Die wissen, wie hoch angesehen Badminton in Dänemark ist und freuen sich darauf.
Vielen Dank für das Gespräch.
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