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Persönlich

31.05.2011 19:00

Marinello: „Männer können sich ja auch sexy zeigen“

Von: Redaktion

Sandra Marinello [Foto/Archiv: Sven Heise]

Die Einführung des sogenannten „Rockzwangs“ wurde abgeblasen. Die BWF sah sich massiver Kritik ausgesetzt und entschied sich dazu, das Ganze vorerst zu den Akten zu legen. Wir haben mit Sandra Marinello eine von Deutschlands besten Damendoppelspielerinnen gefragt, was ihre Sicht der Dinge zu diesem heiß diskutierten Thema ist.

BADZINE: Sandra, seit Sonntag wissen wir, dass es keinen "Rockzwang" geben wird. Was hast du von dieser Idee gehalten?

Sandra Marinello: Ich trage ja immer Röcke - sowohl im Training als auch im Wettkampf. Ich finde sie ganz einfach am bequemsten und ich zeige mich gerne weiblich. Ich finde es schön, wenn Frauen sich auch im Sport weiblich kleiden. Es gibt aber auch solche Spielerinnen, die sich damit sehr unsicher und unwohl auf dem Feld fühlen und lieber Hosen tragen, das sollte man akzeptieren.

BADZINE: Glaubst du, es hätte Auswirkungen auf die Popularität des Badmintonsports gehabt?

Marinello: Ich denke, es gibt zwei interessante Standpunkte, die sehr verschieden sind. Zum einen hätte die Rockregel ggf. werbeträchtige Auswirkungen gehabt, die den Sport Badminton aber nur eventuell interessanter gemacht hätten. Ich denke, dass die wenigen Frauen, die im Badminton keine Röcke tragen diesen entscheidenden Punkt nicht ausgemacht hätten! Zum anderen, und das finde ich doch recht wichtig, hätte diese Rockregel einigen Frauen und Mädchen mit religiösem Hintergrund die Chance und Entscheidungsfreiheit genommen den Sport weiterhin ausüben zu dürfen!  

Diese Regeln beeinträchtigen die Möglichkeiten und Freiheiten dieser Frauen und Mädchen und auch wenn man vielleicht gewisse religiöse Hintergründe nicht gut findet oder nicht unterstützen will... denke ich nicht, dass es an uns ist das zu entscheiden... Ich finde es gut, dass das Rocktragen weiterhin zur freien Entscheidung steht! Und wer sagt denn eigentlich, dass engere, ärmellose Shirts und kürzere Hosen bei den Männern nicht vielleicht insgesamt mehr Zuschauerinnen und Werbefirmen anlocken? Wie wär’s damit? (lacht)

BADZINE: Deputy-President Paisan, fiel mit mehreren negativen Äußerungen gegenüber den Damen-Disziplinen auf …

Marinello: Es ist natürlich schwer für uns Frauen, wenn wir immer mit den Herrendisziplinen konkurrieren müssen! Das Herrenspiel scheint für manche Zuschauer was Kraft und Schnelligkeit angeht vielleicht spektakulärer oder actionreicher zu sein. Wobei ich denke, dass Badminton als Sportart für laienhafte  Zuschauer in egal welcher Disziplin spektakulär und interessant ist! eben weil der Sport im Allgemeinen so schnell ist. Zudem ist das Schöne im Badminton doch  auch die Vielfalt und Verschiedenheit der Disziplinen! Bei uns gibt es disziplinenspezifische Lauf- und Schlagtechniken, Trainingsinhalte, Taktiken und Spielideen für Einzel Doppel und vor allem Mixed. Das sollte man verkaufen.

BADZINE: Also ist Damen-Badminton durchaus populär?

Marinello: Das Damenspiel hat sich schon stark verändert. Im Doppel wird wesentlich weniger Wert auf Clearduelle gelegt als noch vor einigen Jahren. Unser Spiel ist sehr viel druckvoller und schneller und angriffsbetonter geworden. Viele Zuschauer, die ich bei den German Open treffe und die Badminton das erste Mal live sehen sind begeistert. Vom Sport und nicht nur von den Männerdisziplinen!

Das Problem des "Geschlechtervergleichs" haben wir Frauen ja  leider in vielen Sportarten, trotzdem sollte man die Werbekraft unserer Disziplinen nicht immer wieder auf das Aussehen reduzieren!

Danke für das Gespräch!

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