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Kolumne

29.06.2011 20:01

Es wird Zeit aufzuräumen!

Von: Rajes Paul

"Der gesamte Badmintonsport ist in Gefahr" [Foto: BadmintonPhoto.com]

Die Aufregung nach zwei doch sehr ereignisreichen Wochen mit den großen Turnieren in Singapore und Indonesien hat sich wieder etwas gelegt. Nun gilt die ganze Aufmerksamkeit der Top-Spieler den kommenden Weltmeisterschaften in London. Stopp! Irgendetwas war doch noch. Richtig, das Vertrauen in Lin Dan und dem gesamten chinesischen Team ist nicht mehr vorhanden.

 

Vor zwei Wochen in Singapore, wurde der dreifache Weltmeister Lin Dan von den Zuschauern ausgebuht, als er dem Publikum sein "Walkover" verkündete. Das führte prompt zu Spekulationen, er hätte das Match absichtlich kampflos abgegeben, um seinem Finalgegner und Landsmann Chen Jin wichtige Punkte zu schenken. Die Kritik wurde lauter als er  dann wenige Tage später - trotz Krankheit - an den Indonesian Open teilnahm.

War Lin Dan wirklich krank? Oder gab es im chinesischen Team eine bewußte Manipulation? Die Vorteile, die eine derartige Manipulation dem chinesischen Team bringen würden, sind klar: Zunächst eine bessere Setzung des Titelverteidigers Chen Jin bei der WM und noch viel wichtiger, eine Chance auf einen dritten Startplatz bei den Olympischen Spielen.

Auch wenn wir hoffen sollten, dass alles hier eine reine Spekulation ist, so ganz kann man das  aber nicht glauben. China hat  bereits in der Vergangenheit Spiele manipuliert - und das zu oft! Erinnern wir uns an die Asiatischen Meisterschaften 2008. Hier hatte Chen Jin die letzte Chance, sich als dritter Spieler Chinas für Olympia zu qualifizieren. Und was hat Lin Dan gemacht? Richtig, er gab das Finale gegen Chen Jin kampflos ab. Auch hier, in Johor Baru, buhten ihn die Zuschauer gnadenlos aus.

Erinnern Sie sich an die All-England 2009? Hier schenkte Chen Jin Lin Dan den Sieg im Semifinale, in dem er das Match kampflos abgab. Angeblich wegen Rückenproblemen. Und wer kann das kontroverseste aller Badminton-Spiele vergessen: Zhou Mi verlor absichtlich im Semifinale der Olympischen Spielen gegen ihre Landsfrau Zhang Ning, da Letztere bessere Chancen im Finale gegen Mia Audina eingeräumt wurden. Jahre später gab der umstrittene Teamchef Li Yong-bo zu, die Niederlage aus patriotischen Gründen "befohlen" zu haben. Und es gab viele weitere solcher Walkover von chinesischen Spielern.

Aber haben wir das Recht, Lin Dan und andere Spieler zu beschuldigen, obwohl sie vermutlich nur die Anordnungen des Verbandes befolgen?  Muss nicht der gesamte chinesische Verband die Schuld auf sich nehmen, wenn sie tatsächlich Spiele manipuliert haben?

Es sei gesagt, dass auch andere Nationen in der Vergangenheit das System zu ihrem eigenen Vorteil ausgenutzt haben. So verlor Korea beim Thomas-Cup 2008 absichtlich das letzte Gruppenspiel, um im Viertelfinale den vermeintlich leichteren Gegner zu bekommen.

Die BWF hat bereits Schritte unternommen, um sich vor Manipulationen dieser Art zu schützen. Aber die Anhäufung dieser Ergebnisse hat gezeigt, dass noch nicht genug unternommen worden ist. Die BWF muss hier endlich aufräumen! Wenn nichts passiert, ist der gesamte Badmintonsport in Gefahr. Auch der Status als Olympische Sportart ist gefährdet.

Rajes Paul
ist Journalistin bei der malaysischen Tageszeitung "TheStar". Für Badzine.de schreibt die mehrfach ausgezeichnete Badminton-Expertin einen Gastkommentar.

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