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WM 2011 London, Kolumne

15.08.2011 18:50

Weltmeister mäkeln an Wembley: "Wie ein Lagerhaus"

Von: Sven Heise

Cai/Fu

Champagner für die Weltmeister - im Badminton-Kaufhaus. [Foto: Heise]

Die Wembley Arena sei "wie ein Lagerhaus" sagte Doppel-Weltmeister Cai Yun nach der Titelverteidigung. "Wir mussten uns in einer Toilette umziehen, weil es keine Umkleidekabine gab."

In der Montagsausgabe berichtet die englische Tageszeitung "The Times" von der Kritik des vierfachen Weltmeisters im Herrendoppel. Die Wembley Arena, 1934 gebaut, sei "schmutzig" (dirty), die Beleuchtung schlecht, der Aufwärmbereich mangelhaft. Dass die Einspielfelder in der Tiefgarage liegen, hatte auch schon Deutschlands Doppel-Ass Michael Fuchs bemängelt.

Tatsächlich erinnert der Innenraum von Wembley an ein riesiges Lagerhaus und auch der neue weiße Anstrich kann nicht verhindern, dass man der Wembley Arena ihr Alter auch ohne den Grundstein im Eingangsbereich deutlich anmerkt. Besonders gegenüber dem benachbarten hypermodernen Wembley Stadium und den umgebenden neuen Appartmenthäusern und Hotels fällt die Badminton-Olympiastätte von 2012 krass ab.

Wembley ist nur dritte Wahl für Olympia - die in der Bewerbung geplante "Einweghalle", die nach den Spielen wieder abgebaut werden sollte, fiel den ausufernden Kosten zum Opfer. Aus dem ExCel Centre wurden die Federballer zugunsten des Faustkampfes herausgeboxt. Aber immerhin ist die Arena laut Times eine von zwei Wettkampfstätten, die bereits olympisch verwendet wurden - 1948 als Schwimmbad.

Die Arbeitsbedingungen für Journalisten waren allerdings hervorragend - ein großer Presseraum und ein eigener Tribünenbereich stand den Medienvertreter aus aller Welt zur Verfügung, die Licht- und Arbeitsverhältnisse für Fotografen am Court waren ausgezeichnet. Auch die Betreuung der Pressevertreter durch das bewährte All England-Team war herausragend.

Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der ehrenamtlichen Helfer war einzigartig - wie die Anzahl, angeblich wurden tausende von Akkreditierungen ausgegeben. Die Präsentation der Spiele mit dem original Londoner Doppeldeckerbus, der zugehörigen Haltestelle mit roter Telefonzelle und dem Feuerwerk war spektakulär. Gerade am Finaltag sind die langen Tribünen sowie die flache Seitentribüne für die Zuschauer allerdings nicht optimal.

Während die früheren englischen Spieler die Tradition hochleben lassen - in der Wembley Arena wurden bis 1993 die All England Championships ausgetragen - muss man doch konstatieren, dass für internationale Badmintongroßveranstaltungen in Europa allzu oft die "altehrwürdigen" Hallen herhalten müssen. Im letzten Jahr verwandelten die Fans zwar auch die "WM-Sauna" in ein Tollhaus - das Stade Pierre de Coubertin in Paris ist mit einem Baujahr von 1937 nur unwesentlich jünger als Wembley - doch es ist bewiesen, dass man diese Stimmung auch in einer modernen Mehrzweckarena herstellen kann. Hallen wie die NIA in Birmingham und - in etwas kleinerem Maßstab - die RWE Halle in Mülheim beweisen, dass man auch mit der Zeit gehen kann, wenn man eine moderne Veranstaltung haben will.

Trotz allem - es war eine schöne WM und die sportlichen Leistungen waren unglaublich mit dem finalen Thriller zwischen Lin Dan und Lee Chong Wei.

Schweiß perlt in der Badminton-Sauna - die WM-Kolumne von 2010 »»

Wembley Arena
Weltmeister müssen sich auf der Toilette umziehen: Wembley Arena von 1934.

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