Eine Flugverspätung verhinderte die Teilnahme von Robert Blair und Kenneth Jonassen, doch nicht den 5:1-Sieg von EBT Berlin gegen den TV Refrath. Tim Dettmann und Karsten Lehmann sprangen ein und gewannen das Doppel.
"Billigfluglinie flügellahm - Blair und Jonassen in London ohne „Starterlaubnis“ - das war die Nachricht des Tages, bildete tiefe Sorgenfalten auf der hohen Stirn von EBT – Teammanager Manfred Kehrberg ab. Was war geschehen? „Ja, ich bekam heute früh, 7.15 Uhr, aus London den Anruf, dass die Maschine, für die Robert Blair und Kenneth Jonassen gebucht hatten, mit mindestens fünf Stunden Verspätung ankommen würde. Natürlich ein riesiges Handycap für uns!“ Frage, wird trotzdem gespielt? „Natürlich, ich habe dann sofort Tim Dettmann und Karsten Lehmann informiert. Wir werden aber zunächst auf Kenneth und Robert warten. Kommen sie nicht, treten wir mit Tim Dettmann und Karsten Lehmann an!“
Prognosen – Spekulationen - Hoffnungen
Startschwierigkeiten hatten auch die Gäste aus Refrath. Erst mit runden 90 Minuten Verspätung trafen sie in der Berliner Samariterstraße ein. Ursache hier, ein ICE - Abenteuer auf dem Schienenstrang! Die große Frage aber – Sieg für EBT oder Refrath? Eine Prognose fiel schwer, war wohl eher im Reich von Spekulation mit Blick in die Sterne oder Glaskugel anzusiedeln. Warum? Nun, Refrath liegt mit Platz fünf gut im Bundesliga – Rennen und spürt den Kick zum Hang nach oben. Das sah beim amtierenden Meister EBT, wenn auch auf Rang vier, ein wenig anders aus. Niederlagen gegen Beuel und Bischmisheim ließen und lassen den Knick nach unten schmerzhaft spüren. Mit Platz vier und fünf waren also beide faktisch etwa gleich auf. Und die Stimmungslagen? „Nun“, argumentierte Manfred Kehrberg, „trotz einiger Widrigkeiten, werden wir natürlich das play off – Halbfinale erreichen, da bin ich ganz sicher. In dieser Mannschaft steckt unheimlich viel Potenzial. Sicher“, lächelt Manfred Kehrberg säuerlich, „ein wenig klebt uns in dieser Saison das Pech am Schläger. Aber ich bin durch und durch optimistisch, auch für heute übrigens!“ Carla Nelte, vom Refrather Team, sah es ähnlich: „Natürlich sind die Berliner Favorit. Wir können hier nur die Außenseiterrolle spielen, zumal uns einer unserer Topspieler fehlt. Insgesamt sind wir jedoch derzeit sehr mit uns zufrieden. Hätte jemand gemutmaßt, wir würden jetzt den 5. Tabellenplatz einnehmen, wir hätten den Kopf geschüttelt. Unsere Stimmung ist also gut“, lacht sie ihr wunderschönes Lachen, „wir denken positiv. Doch heute wird es schwer!“
Treue EBT – Fans leise optimistisch …
z.B. Stefanie aus Pankow, „Ja, das ist heute wirklich schwierig. Refrath auf dem Vormarsch und wir sicherlich ein wenig bedrückt. Dennoch tippe ich auf uns“, lacht Stefanie und schiebt sich eilig durch die Menschenmenge am Einlass. Und Ulli aus Mahlsdorf? „Na, das müssten wir doch heute eigentlich packen!“ Da schwang sicherlich auch eine große Portion Hoffnung mit. Richtig war auf alle Fälle, das EBT, ob nun mit Blair/Jonassen oder Dettmann/Lehmann, mit einem ambitionierten Team in die Schranken treten würde. Aber aufgepasst, dieser Anspruch galt durchaus auch für die Gäste aus Refrath. Also war packendes Badminton zu erwarten!
Starke EBT Damen, nervöse Herren!
„Willkommen zur heutigen Begegnung …“ endlich die erlösende Begrüßungsworte von Hallensprecher Marcus Köster. Da war es 15.30 Uhr und das lange Warten hatte endlich sein Ende. Die Londoner EBT Fraktion hatte sich flügellahm gezeigt, zu spät abgehoben und so musste Kehrberg Dettmann /Lehmann das Vertrauen geben. Die wurden dann auch gleich hart geprüft, vom Refrather Doppel Nuyenhuis/Schwenger: Knapp 21:19 geht Satz eins an die Berliner! Währenddessen dominieren die EBT – Damen Jonathans/Schenk sicher gegen Nelte/Buss mit 21:12 und 21:11. Das 1:0 für EBT!
Bei den Herren wird auch Satz 2 zu einer hart umkämpften Angelegenheit. Ständig wechseln die Führungen, kein Team kann sich entscheidend absetzen, bis zum 20:15 und 21:15 für die Gäste. Ein ähnliches Bild zeichnete sich auch im entscheidenden 3. Satz ab, mit hoher Fehlerquote auf beiden Seiten. Dann das erlösende 16:13 für die Berliner. Eine Vorent-scheidung? Ja, mit knappem 21:18 erspielen sie sich Satz 3. „Ich weiß nicht, ich fühlte mich müde, war mit den Gedanken nicht bei der Sache“, sucht Tim Dettmann unmittelbar nach dem Match Erklärungen für sein streckenweise nervöses Spiel. „Hinzu kam, dass ich mit Karsten noch nicht zusammen gespielt hatte. Aber viel schlimmer, wenn die Standards nicht klappen, zu viele Aufschläge im Netz enden.“ Wie auch immer, es war das 2:0 für EBT!
Dann der Einzel - Auftritt der amtierenden Deutschen Meisterin und WM – Dritten, Juliane Schenk. Ihre Gegnerin Kim Busse. Es wurde ein verblüffend kurzes Spiel. Haushoch überlegen gewinnt Juliane Schenk in zwei Sätzen 21:8, 21:4 und holt damit das 4:1 für EBT. Verletzungen auf beiden Seiten hatten zwischenzeitlich zu jeweils einem Spielgewinn bzw. Verlust geführt.
Im Mixed dann, an der Seite von Lotte Jonathans, ein anderer und facettenreicher Tim Dettmann. Und so beherrschen die Berliner sicher das Refrather Duo Nuyenhuis/Nelte, gewinnen 21:14, 21:14 und setzen damit den 5:1 Siegpunkt für EBT.
„Ende gut, alles gut!“
Nach so viel Aufregung dann doch ein klarer Erfolg für die Berliner. Die gute optimistische Stimmung der Refrather dürfte damit allerdings einen kleinen Dämpfer erhalten haben, denn die Play offs sind somit für sie zu einer wackligen Angelegenheit geworden. Für die Berliner war dieser Erfolg hochwichtig, besonders unter dem anspruchsvollen Blickpunkt „Mission Titelverteidigung“. Wenn man dann auch noch die unglücklichen Begleiterscheinungen dieses Spieltages bedenkt, die Londoner Flugprobleme von Blair/Jonassen, dann ist dieser Sieg um so höher zu bewerten. Und übrigens: Bei allem Wenn und Aber schlugen sich Dettmann/Lehmann, als Männer für alle Fälle, achtbar und empfehlen sich. Und Teammanager Kehrberg? Der atmete nach der Begegnung erst einmal ganz tief durch. „Ja, Ende gut, alles gut. Endlich war das Glück auch wieder ´mal auf unserer Seite. Aber letztlich war es natürlich der ausgezeichnete Mannschaftsgeist, der uns beflügelte“, geht ab, lacht und reibt sich zufrieden die Hände.