Bundestrainer Jakob Høi wird die Zusammenarbeit mit dem DBV nach dem 31. Dezember 2012 nicht fortzusetzen. Dann endet der aktuelle Vertrag des 36 Jahre alten Dänen mit dem rund 213.000 Mitglieder zählenden olympischen Spitzenverband.
„Ich liebe meinen Job und es gibt viele Sachen, die ich gerne noch für den DBV und mit dem DBV entwickeln möchte. Ich habe nur Lob für die Kooperation übrig und bin bei den Überlegungen, wie wir eine für alle Beteiligten sinnvolle Lösung finden können, auf sehr viel Flexibilität seitens der Verantwortlichen getroffen. Meine Entscheidung hat rein familiäre Gründe. Ich bin vor kurzer Zeit erstmals Vater geworden und habe mir daher die Frage gestellt, was ich brauche, um froh und zufrieden zu sein“, sagte Jakob Høi und ergänzte: „Meine Tätigkeit war und ist nach wie vor sehr interessant – unter anderem weil ich mit ambitionierten Spielern arbeite und nie zuvor mit solch einem professionellen Betreuerteam zu tun hatte wie beim DBV. Ich habe in den vergangenen Jahren viel gelernt und freue mich auf die noch anstehenden Aufgaben.“
„Ich habe die Entscheidung mit ganz großem Bedauern zur Kenntnis genommen. Jakob Høi ist ein hervorragender Bundestrainer – ein Trainer, der gut bei den Athleten ankommt und gut mit seinen Kollegen zusammenarbeitet. Ich hätte gerne gesehen, dass er nach dem 31. Dezember 2012 vier weitere Jahre für uns tätig ist, so dass wir um ihn herum ein neues Trainerteam bauen können“, meinte DBV-Präsident Karl-Heinz Kerst. Er zeigte aber zugleich Verständnis für das Vorgehen des erfolgreichen Coaches: „Wenn ich seine familiäre Situation sehe, ist die Entscheidung richtig. Das kann so nicht auf Dauer funktionieren.“
Bislang führt der Chef-Bundestrainer mit seiner künftigen Ehefrau Mette, die ebenfalls aus Dänemark stammt, überwiegend eine Fernbeziehung: Er arbeitet in Saarbrücken, am dort ansässigen Bundesstützpunkt der Herren, und reist zudem viel zu internationalen Turnieren, sie wohnt zusammen mit der im Dezember 2011 geborenen, gemeinsamen Tochter in Dänemark.
Konkrete Zukunftspläne hat Jakob Høi derzeit noch nicht: „Ich möchte gemeinsam mit meiner Familie dort leben, wo sowohl Mette als auch ich in sprachlicher wie beruflicher Hinsicht gute Möglichkeiten haben. Denn Mette möchte künftig wieder als Hebamme arbeiten.“
„Da ich selbst ein Familienmensch bin, kann ich seine Entscheidung vollkommen nachvollziehen. Ich bedauere sie gleichwohl sehr, denn er hat sehr, sehr gute Arbeit geleistet. Die Erfolge, die unsere Spielerinnen und Spieler in jüngerer Vergangenheit erzielt haben, zeigen dies. Wir haben lange gekämpft und nach Möglichkeiten gesucht alles zu vereinbaren, aber dabei handelt es sich nur um halbe Lösungen“, meinte Dietrich Heppner, Vizepräsident Leistungssport im DBV.
Wer die Nachfolge von Jakob Høi antritt, steht noch nicht fest. Nach Aussage von DBV-Sportdirektor Martin Kranitz lassen sich die Verantwortlichen im DBV „Zeit, um eine sinnvolle Entscheidung zu treffen. Wir weisen derzeit sozusagen ein Luxusproblem auf: Wir haben – nicht nur in Bezug auf die Ergebnisse, sondern auch hinsichtlich der Umfeldbetreuung – ein gewisses Niveau erreicht, so dass die Erwartungshaltung hoch ist. Das grenzt die Auswahl an Kandidaten ein. Genauso wird die Aufgabe für seinen Nachfolger keine leichte sein. Unser primäres Ziel besteht darin, eine Top-Lösung zu finden. Wie lange dies dauert, ist sekundär. Aber wir wollen natürlich auch nicht bis zum Jahresende warten.“
Der künftige Chef-Bundestrainer soll einen Vertrag für die nächste Olympiade (2013 bis 2016) erhalten. Diese Laufzeit hätte auch der neue Kontrakt mit Jakob Høi gehabt. Der Däne ist seit dem 1. Mai 2009 für den DBV tätig. Zunächst arbeitete er als Bundestrainer für die Disziplinen Herrendoppel und Mixed am Bundesstützpunkt in Saarbrücken, seit Anfang 2010 fungierte er zusätzlich als Chef-Bundestrainer. Speziell in den vergangenen zwei Jahren verzeichneten die Badmintonspielerinnen bzw. -spieler des DBV zahlreiche herausragende Erfolge. Beispielsweise erreichte 2011 erstmals eine deutsche Mannschaft bei einer Mixed-Team- Europameisterschaft das Finale, 2012 gewann zum ersten Mal ein deutsches Damenteam bei der EM für Herren- und für Damennationalmannschaften den Titel, Juliane Schenk wurde WM-Dritte (2011) und zweimal Vize-Europameisterin im Dameneinzel (2010 und 2012) und Marc Zwiebler krönte sich vor wenigen Wochen zum Europameister im Herreneinzel.
Jakob Høi war schon in sehr jungen Jahren als Trainer tätig. Im Laufe seiner bisherigen Karriere arbeitete er nicht nur in Vereinen als Coach, sondern war darüber hinaus auch als Stützpunkttrainer am Top-Stützpunkt in Brøndby, einem Vorort von Kopenhagen, beschäftigt. Bevor er zum DBV wechselte, war er viele Jahre äußerst erfolgreich als Jugend-Nationaltrainer Dänemarks tätig.