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Persönlich

11.06.2012 20:40

Dieter Domke über die EM, Thomas-Cup und Bischmisheim

Von: Michael Stauner

Dieter Domke [Foto: BadmintonPhoto]

Dieter Domke hat eine starke Europameisterschaft gespielt, ist fester Bestandteil der Nationalmannschaft und Leistungsträger beim Bundesliga-Spitzenverein 1. BC Bischmisheim. Auf badzine.de stellt er sich den Fragen von Michael Stauner.

BADZINE.de: Im Thomas-Cup ist die deutsche Nationalmannschaft im Viertelfinale gegen Südkorea ausgeschieden. Die beiden Einzel gingen sehr knapp verloren. Warum hat Wan Ho Shon den Sieg gegen dich mit 22:20, 21:19 davongetragen?
Dieter Domke: Leider hat es beim zweiten Spiel gegen ihn nicht ganz gereicht. Am Tag zuvor konnte ich in den entscheidenden Ballwechseln die wichtigen Punkte machen, doch im zweiten Spiel habe ich eine 19:16-Führung aus der Hand gegeben und auch im zweiten Satz musste ich mich knapp geschlagen geben. In beiden Spielen kann ich sehr zufrieden mit meiner Leistung sein, da ich sehr druckvoll und konzentriert gespielt habe und so zumindest das erste Match gegen einen Weltklassespieler gewinnen konnte.  
 
BADZINE.de: Wie zufrieden bist du mit dem deutschen Abschneiden beim Thomas-Cup?
Domke: Wir sind sehr zufrieden mit unserem Viertelfinale, aber mit ein wenig mehr Glück bei der Auslosung wäre vielleicht noch mehr drin gewesen. Mittlerweile haben wir in Deutschland ein Niveau erreicht, auf dem wir an einem sehr sehr guten Tag alle Mannschaften mit Ausnahme von China schlagen können.   

BADZINE.de: Du bist bei der EM ins Viertelfinale eingezogen, hast unter anderem Hans-Kristian Vittinghus relativ deutlich geschlagen. Gegen Viktor Axelsen war dann Endstation. Wieso ist es so schwierig, gegen den jungen Dänen zu bestehen?
Domke: Viktor spielt ein sehr gutes Grundtempo und das mit ganz wenigen Fehlern. Diese Kontrolle in Kombination mit seinen gefährlichen Schlägen aus dem Hinterfeld, der guten Technik am Netz und seine Konstanz, macht ihn zu einem sehr starken Spieler.

BADZINE.de: Wie hast du rückblickend die EM empfunden?
Domke: Klar bin ich sehr zufrieden, Hans-Kristian Vittinghus geschlagen zu haben, und doch ärgert mich es ein wenig, dass ich mich gegen Axelsen in zwei Sätzen geschlagen geben musste. Da ich noch nicht allzu viele Super Series Turniere gespielt habe, bin ich es nicht gewohnt an mehreren Tagen hintereinander gegen solche Topspieler zu spielen. Und genau da liegt ein wenig mein Problem! Vereinzelt schaffe ich es, Leute wie Vittinghus und Wan Ho Shon zu schlagen, doch auf diesem Niveau muss ich versuchen, konstant über mehrere Tage zu spielen. Wenn mir das gelingt, dann kann ich noch viel erreichen.  
 
BADZINE.de: Wie schätzt du den Erfolg von Marc Zwiebler ein, der im schwedischen Karlskrona Europameister geworden ist?
Domke: Das ist ein sensationeller Erfolg und ich gönne es Marc sehr! Er ist in meinen Augen nicht ganz überraschend Europameister geworden. Mit Peter Gade, Jan Ø. Jørgensen und Hans-Kristian Vittinghus gehört er zu den stärksten Spielern in Europa. Bei einer EM kommt es oft auf die Tagesform, die Nervenstärke und ein wenig Glück an. Andere Favoriten wie Gade, Jørgensen oder Vittinghus haben es nicht hinbekommen, wobei Letzterer auch einen starken Gegner hatte (lacht). Doch bei Marc hat alles gepasst und deshalb ist er auch verdient Europameister geworden.
 
Tendenziell muss man sagen, dass die Leistungskurve der deutschen Badmintonspieler weiter ansteigt, was man an solchen Ergebnissen sehen kann. Auch Juliane (Anm. d. Red: Schenk) und das Doppel mit Michael (Fuchs) und Oli (Oliver Roth) konnten mit einer super Leistung die Vize-Europameisterschaft erkämpfen. Johannes (Schöttler) und Ingo (Kindervater) haben eine unglaubliche Saison gespielt und konnten sich so verdient für Olympia qualifizieren. Diese Erfolge geben dem ganzen Team am Trainingsstützpunkt) in Saarbrücken viel Aufwind und motivieren ungemein im täglichen Training und bei den Wettkämpfen!
 
BADZINE.de: Denkbar knapp hast du auch dein Einzel im Spiel um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft verloren. Im zweiten Satz hast du Wong Choong Hann souverän mit 21:10 vom Feld geschickt. Was hat in den beiden anderen Sätzen nicht geklappt?
Domke: Da vor meinem Spiel die Berliner schon drei Punkte eingefahren haben, mussten ich und unser Mixed in zwei Sätzen gewinnen. Mit so einer Last auf den Schultern und einem Gegner wie Wong Choong Hann auf der Gegenseite ist es natürlich nicht einfach, keinen Druck zu verspüren. Doch ich konnte sehr gut ins Spiel starten und Choong Hann so unter Druck setzen, dass ich mir schnell eine scheinbar komfortable Führung erspielte. Einige leichtsinnige Fehler meinerseits und gute Punkte von Choong Hann brachten ihn leider wieder ins Spiel. Am Ende des ersten Satzes war ich einfach ein wenig zu ungeduldig und verkrampft. Allgemein war es ein ganz gutes Spiel, doch in den entscheidenden Phasen des 1. und 3. Satzes war er einfach ein wenig routinierter.
 
BADZINE.de: Wirst du in der kommenden Saison wieder für Bischmisheim aufschlagen? Gibt es personelle Veränderungen in der Mannschaft? Holt ihr euch den Meistertitel 2012/2013?
Domke: Ja, ich bleibe beim BC Bischmisheim. Grundsätzlich bleibt das Team so zusammen wie wir die letzte Saison gespielt haben. Vielleicht kommt noch die ein oder andere Verstärkung, doch Genaueres kann ich nicht sagen. Wir haben mit nur einem Unentschieden bis zum Finale eine super Saison gespielt und wollen genau da wieder anknüpfen. Wenn wir am Ende noch eine Olga Konon in der Aufstellung stehen haben, dann traue ich uns alles zu!  
 
BADZINE.de: Der TV Refrath hat Hafiz Hashim geholt. Wieso wollen so viele gute ausländische Spieler in die Bundesliga?
Domke: Nahezu jeder Bundesligaverein hat mittlerweile ein sehr starkes 1. Einzel und 1. Doppel. Auch diese Saison wird tief in die Tasche gegriffen um starke Spieler an Bord zu holen und das ist auch gut so. Dadurch wird die Liga spannender und noch hochwertiger. Die meisten Vereine sind sehr professionell, gut organisiert und finanziell nicht schlecht aufgestellt. Das gesamte Paket macht die Bundesliga sehr attraktiv für ausländische Spieler.
 
BADZINE.de: Dein Leben besteht zu einem großen Teil aus Badminton. Was machst du zum Ausgleich? Wie schaltest du vom Leistungssport ab?
Domke: Zum Ausgleich studiere ich „Wirtschaft und Recht“ an der Universität des Saarlandes. Zwar kommt man nicht in der Regelstudienzeit durchs Studium, aber das ist auch nicht unser Ziel. Ich bin dankbar, dass ich neben meiner Tätigkeit als Sportsoldat die Möglichkeit bekomme eine akademische Ausbildung machen zu können und das ist als Ausgleich zum Sport sehr wertvoll. Und sonst wohne ich mit meiner Freundin zusammen die eine wichtige Kraftquelle für mich ist und unternehme viel mit den ganzen Badmintonjungs. Da wir alle sehr gut befreundet sind, gestalten wir des Öfteren auch unsere Freizeit miteinander. Ob beim Paintball, beim gemeinsamen Essen oder dem traditionellen Sonntagskick. Privat höre ich gerne Musik, schaue Filme und fahre, allerdings nur bei strahlendem Sonnenschein, mit meinem Motorrad.
 
Danke für deine aussagekräftigen Antworten, viel Erfolg beim Badminton und viel Spaß beim Sonntagskick.

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