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Bundesliga

03.09.2012 20:15

Geteilte Freude, geteiltes Leid – EBT und Mülheim trennen sich remis

Von: Peter Gütte

Kenneth Jonassen

Als Spieler erfolgreich: Kenneth Jonassen. [Archivfoto: Sven Heise]

"Ein Beinbruch ist dieses Unentschieden heute nicht" kommentiert Berlins Manager Manfred Kehrberg das 3:3 zwischen Meister EBT und Mülheim.

Badminton-BundesligaWas war das für ein triumphaler Augenblick, schwebend wie auf Federn, als der letzte Ball EBT ein zweites Mal auf den Meisterthron hob.  12. Mai 2012, endlich geschafft und Mission Titelverteidigung erfüllt. Ein Moment, den weder Spieler noch EBT – Anhänger vergessen werden!

Nun hat die neue Saison begonnen und dieser so grandiose Maientag rückt zwangsläufig in den Hintergrund. Neue Ziele, Intentionen und Ambitionen sind in den Vordergrund gerückt und die Frage, was hat EBT für 2012/2013 geplant.

Sicher und logisch ist zumindest Eines, die erneute und dritte Meisterschaft. Wie auch anders. Doch das Auftaktspiel gegen Lüdinghausen, vor einer Woche, zeigte einen verhaltenen EBT – Auftritt. Nur ein Unentschieden. Was war los? „Nun, die Lüdinghausener waren unerwartet stark“, reflektiert Robert Blair, „haben sich schlagkräftige Spieler geholt.“

Mit dieser Ouvertüre folgte EBT übrigens der Spieldramaturgie der vergangenen Saison. Auch da starteten die Berliner mit einem Unentschieden. Wollen sie allerdings den begehrten Titel weiterhin in der Hauptstadt parken, dann müssen sie ambitionierter aufspielen. Was also tun und was wird in der kommenden Saison anders und neu bei EBT sein? „Erst einmal haben wir uns mit neuen Spielern verstärkt“, so Teammanager Manfred Kehrberg. „Faktisch eine Konsequenz, denn Wong Chonn Hann wird uns künftig weniger zur Verfügung stehen. Dann wollen wir unsere Samariterhalle umgestalten, um der Bundesliga eine professionellere Bühne zu bieten. Das gilt auch für unser Marketing. Wissen Sie, wir wollen und müssen mehr in die Medien, mehr an die Öffentlichkeit. Ja, und heute“, sinniert Kehrberg, „müssen wir ran, konsequent, und das bis zum Endspiel 2013. Denn, wie Lüdinghausen, hat sich auch Mülheim verstärkt“, bemerkt warnend der Berliner „Meistermacher“. Ja, so darf man diesen Mann schon nennen, engagiert, ambitioniert und mit sensiblem Gefühl für das, was wichtig für EBT ist. Und mit Nachdruck sagt er es ein zweites Mal: „Ja heute müssen wir ´ran, denn das ist ein ganz wichtiges Spiel!“

„Ein ganz wichtiges Spiel“

So sah das auch Thomas von Emmenes, 1. Vorsitzender des Mülheimer Badmintonvereins. „Ja, letztes Jahr war unser Ziel Klassenerhalt, jetzt wollen wir mehr, 4. Platz, Play offs, das haben wir anvisiert. Verstärkt haben wir uns auch, mussten wir ja“, lacht von Emmenes, „bei diesem hoch trabenden Ziel. Ja, und heute, klar, wollen wir natürlich einen Punkt nach Mülheim entführen.“ Wird er entführt oder bleiben die Punkte in Berlin? Das war also hier die große Frage.

Sowohl Damen-, als auch Herrendoppel der Gäste spielten sofort konsequent und druckvoll auf, belegten mit gewonnenen 1. Sätzen ihr gewachsenes Selbstbewusstsein.  Zumindest die Herren aus Mülheim, de Ruiter/Ellis, behielten Nerven und Spielniveau. Gegen Blair/Arends holen sie, in einem packenden hochklassigen 3-Satz-Match, den Punkt.

Knisternde Spannung auch auf der anderen Seite, bei den Damen. Nicht enden wollende Ballwechsel, Eleganz, Dramatik, ästhetische Schönheit zelebrieren Schenk/Jonathans und die Mülheimerinnen Meulendijks/Goliszewski. Drei Sätze und 60 Minuten benötigten die Hausdamen, um schließlich siegreich, mit viel Beifall bedacht, vom Spielfeld zu gehen. Es war der Ausgleich 1:1!

Verbissen umkämpft ...

auch die Herreneinzel. Sah es bei Chetan Anand/EBT zunächst, 21:16 im 1. Satz, nach leichtem Sieg aus, so wurde daraus eine echte Zitterpartie. Denn der Mülheimer Zavadsky kommt im 2. Satz sehr viel besser zurecht und gewinnt 21:17. Nun war es eine Frage der Kondition, denn die vorangegangenen Sätze hatten beide Kontrahenten viel Kraft gekostet. Die besseren Reserven kann schließlich der junge Mülheimer mobilisieren. Mit 21:16 holt er Satz 3 und das 2:1 für Mülheim.

Schön anzusehen auch, und nicht minder dramatisch, das Herreneinzel Roovers/Mülheim gegen Jonassen/EBT. Doch Hausherr Jonassen lässt sich nicht beirren, zieht gekonnt sein technisch ausgeklügeltes Spiel durch und lässt Roovers laufen. Eine Taktik, die Jonassen immer wieder erfolgreich einsetzt. So schlägt er Roovers in 2 Sätzen und stellt den 2:2 Ausgleich her.

Die Dramaturgie eines gefiederten Krimis inszenierten dann sowohl das Mixed bzw. Juliane Schenk beim finalen Dameneinzel. Wird es zuletzt tatsächlich Unentschieden heißen in der Samariterhalle? Da lag ´was in der Luft, alle Optionen waren noch möglich. Das Mixed, Blair/Jonathans gegen das Mühleimer Duo Ellis/Goliszewski, verläuft zunächst ausgeglichen. Doch im 2. Satz gelingt es den Berlinern, das robuste Bollwerk der Mülheimer zu brechen. Und so punkten sie zum 3:2 für EBT. Die ganze Last der Verantwortung hing nun an Juliane Schenk, herausgefordert von Judith Meulendijks. In einem atemberaubenden Krimistück, gespielt in zwei Akten, bezwingt Judith Meulendijks schließlich Europameisterin Juliane Schenk und sorgt für Endstand 3:3.

Zufriedenes Lächeln beim Mülheimer Chef Thomas von Emmenes: „Ja, unsere Rechnung ist aufgegangen. Mit unserer Verstärkung sind wir auf dem richtigen Weg und ich finde, dass wir zu Recht einen Punkt mitnehmen. Der andere bleibt hier, bei EBT. Das ist doch fair und schönes Badminton war es auch!“

So sah das auch Gastgeber Manfred Kehrberg. Aber: „Ja, die Mülheimer sind stark, sehr stark“, kommentiert Kehrberg noch mit aufgeregter Stimmfärbung. „Aber so sind sie natürlich auch eine neue Herausforderung für die anderen Clubs. Sicher, ein Beinbruch ist dieses Unentschieden heute nicht unbedingt. Auch im letzten Jahr begannen wir ein wenig holprig. Was uns bleibt? Natürlich nach vorne schauen, denn eines ist doch klar, wir sind ein starkes Team!“   

Das ist durchaus wahr und richtig. Aber schon in einer Woche müssen Juliane, Robert & Co. mit Bischmisheim die Schläger kreuzen. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die von allen Spielern hohe Konzentration abfordert. Nun ja, alle guten Dinge sind drei. Bezieht man dieses Wortspiel auf den dritten Meistertitel, wäre es ein durchaus sympathischer Gedanke. Aber ein drittes Remis? Nein, das wäre wirklich kein erhebender Einstieg in die neue Saison und verbreitete überdies wenig Optimismus. Den aber benötigt EBT dringend, denn es geht erneut um „Mission Titelverteidigung“.

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