Grundsätzlich entspricht es mir nicht Dinge, die mich getroffen und verletzt haben, einfach abzuhaken. Somit habe ich die Erfahrungen der Olympischen Spiele nicht einfach ad acta gelegt und arbeite nun ungeachtet dessen weiter.
Leistungen wie in dieser Woche ergeben sich vielmehr aus einer tief empfundenen Unabhängigkeit und einer in Anspruch genommenen Selbstbestimmung.
Während diese Haltung vormals durch intensive Trainingsarbeit in meine Leistungsfähigkeit einfließen konnte, ist sie nunmehr sozusagen 'naturgegeben'. Ich bin mehr denn je bereit mich vom Leistungssport zu verabschieden - habe also nichts zu verlieren. Wer nichts zu verlieren hat kann demzufolge auch nur gewinnen.
So habe ich übrigens die erfolgreiche Ausübung des Sports von der mentalen Seite kennen und schätzen gelernt. Und was die Stimmung angeht: wenn man gefühlt von ganz unten kommt kann es gleichfalls nur besser werden und alles was steigt befreit und setzt Kräfte frei. Auch da hatte ich in der Vergangenheit professionelle Hilfe insbesondere, wenn ich bereits 'oben' war und mir vornehmlich der Erwartungsdruck zum Verhängnis werden konnte. Dies spielt für mich seit London kaum noch eine Rolle.
Leistungen wie in dieser Woche in Odense entstehen jedenfalls nicht durch Abhaken von Vergangenem. Das Bewußtsein und die Einstellungen, die mich über Jahre hinweg getragen haben und die einzige absolut verlässliche Konstante in meiner Karriere als Profisportler waren, tragen mich auch weiterhin.
Aber die Leidenschaft, das Herz und die Motivation, die mich in der Vergangenheit angetrieben haben, den Sport nach vorne zu bringen, gibt es in der Form nicht mehr. Was mich im Moment höchstens bewegt ist die Tatsache, einmal mehr zu unterstreichen, das alles möglich ist und war, wenn mir keiner in den Rücken fällt und das versucht aktuell keiner und hat auch in Singapur zum Erfolg geführt.
Wünschenswert ist aber nach wie vor mehr als das, wenn man langfristig Freude am Hochleistungssport haben und gesund daraus hervorgehen möchte.