Der Olympia-Skandal erschüttert die Badminton-Welt. Niemals zuvor hat die Weltöffentlichkeit so sehr von der Sportart Badminton Notiz genommen. Die Meldung der Olympia-Disqualifikation von acht asiatischen Damendoppel-Spielerinnen toppte heute und gestern alle Schlagzeilen. Von der "Bild" bis zur "New York Times". Wir fragten Dänen-Star Joachim Persson, Vize-Europameister 2008, exklusiv nach seiner Meinung.
Die Hauptverantwortung dieses Skandals liegt bei der BWF, denn die Geschehnisse vom Gruppenfinale waren schon vor dem Turnier als Möglichkeit abzusehen. Das Format des Thomas/Uber-Cup wurde schon wegen dieser Problematik verändert, weil Korea im Jahre 2008 bewusst Gruppenletzter wurde.
Die Problematik des Gruppensystems, bei dem nicht nur der Gruppensieger weiterkommt, lädt nicht nur im Badminton, sondern in sämtlichen Sportarten dazu ein, dass einer oder mehrere Teilnehmer aus taktischen Gründen ein bestimmtes Ergebnis bevorzugen. Insbesondere dann, wenn die relevanten Gruppenfinals nicht zeitgleich ablaufen.
Meiner Meinung nach hat die Problematik, die wir bei den Olympischen Spielen gesehen haben, nichts mit der Problematik zu tun, von der alle glauben, dass wir jetzt einen Schritt gemacht haben, um sie zu beheben. Nämlich das Spieler gegen Landsmänner Spiele abschenken.
Ich bin vollauf davon überzeugt, dass das keinen Effekt haben wird, denn zwei Spielern nachzuweisen, dass ein Spiel abgesprochen wurde, ist schwierig, wenn die Teilnehmer sich nicht allzu dumm anstellen.
Der einzige Grund, warum dies bei Olympia so zur Schau gestellt wurde, ist, dass alle Beteiligten eine Niederlage anstrebten und sich im "schlechter spielen" übertreffen mussten. Das ist eine Situation, an die ich mich nicht erinnern kann, dass sie zuvor im Topbadminton existiert hat.
Ich bin vollauf davon überzeugt, dass wir wenn die Situation sich ergibt und es nach Meinung von Sportchefs oder Trainern gewisser Nationen erforderlich ist, noch bei Olympia Spiele in den Einzeldisziplinen sehen werden, die abgeschenkt werden.
Eine ganz andere Frage, die sich mir stellt, ist, ob man eigentlich jemanden dafür disqualifizieren kann, dass er nicht seine 100-prozentige Leistung in einem Spiel erbringt. Wo ist der Unterschied, ob eine Fussballmannschaft seine B-Elf aufstellt oder eine chinesische Paarung meint, sie müsste für den nächsten Tag Kräfte sparen, um eine bessere Chance auf den Gesamtsieg zu haben? Und wo ist die Grenze zu ziehen und wer kann sich erlauben zu urteilen, ob jemand seine 100-prozentige Leistung erbracht hat?
Was wäre das Urteil, wenn sich gezeigt hätte, dass eine der indonesischen Frauen krank oder verletzt war und deswegen nicht 100 % gegeben hat? Kann man jemanden verurteilen, weil er sein Bestes gibt, um eine Medaille zu gewinnen, wenn dies einschliesst, dass man besser Gruppenzweiter wird? Taktik ist ja in gewisser Weise ein grosser Teil des Sports. Dass Polli und Jauhari nicht gegen Yu/Wang spielen wollen, kann ich sehr gut nachvollziehen. Sie haben nicht ihr Bestes gegeben, um das Spiel zu gewinnen, aber sie haben ihr Bestes gegeben, um eine Medaille zu gewinnen.
Ich bin froh, dass der Skandal passiert ist, weil so auf Missstände im Weltbadminton aufgezeigt wurden, aber dieser konkrete Fall hat für mich sehr wenig mit der Problematik zu tun, dass Spiele abgeschenkt werden. Und die Hauptverantwortung liegt bei der BWF, die mal wieder ihren eigenen Fehler ausbügeln muss.
Den Athleten kann man meiner Meinung nach keinen Vorwurf machen. Nur ihren Trainern kann man etwas vorwerfen, die aber wiederum von anderen Motiven gesteuert werden. Die tun nur, wofür sie bezahlt werden, nämlich so viele und so wertvolle Medaillen für ihr Land zu holen, wir nur möglich. Das heisst, man muss weiter zurück in die Kette gehen, um zu sehen, wo der Kopf des Fisches ist. Ich weiss nicht, wo das ist und nehme mir nicht heraus zu urteilen, ob es falsch oder richtig ist, das System auszunutzen, um grösstmöglichen Erfolg zu haben. Ich weiss bloss, dass viele Menschen in vielen verschiedenen Systemen dies tun.
Ich bin froh, dass ich nicht in der Situation der chinesischen Spieler stand, denn ich glaube nicht, dass es ihnen Spass gemacht hat, gestern auf dem Damendoppelfeld zu stehen. Ich glaube nicht, dass Yu/Wang es nötig hatten aus persönlichem Anreiz das Spiel zu verlieren, sie hatten einfach keine Wahl.
Das führt mich zurück zu dem Schluss, dass die BWF die Verantwortung trägt, so etwas zu unterbinden und ich finde nicht, dass dies besonders gut gelungen ist.
Abschliessend möchte ich betonen, dass ich mich unzählige Male darüber aufgeregt habe, wenn Spiele in der Vergangenheit abgesprochen waren, und genau aus diesem Grund, kann ich kein Mitleid für die Badmintonnationen China und Korea finden, dass ihre Paarungen disqualifiziert wurden.
Aber die Schuld muss meiner Meinung nach die BWF auf sich nehmen, weil sie aus eigenen Fehlern nichts gelernt hat und man nicht erwarten kann, dass alle Athleten bei Olympia im Stande sind, ihr Ego und ihre persönlichen Ziele hintenanzustellen. Gerade diese persönlichen Ambitionen sind Gründe dafür, warum sich sportliche Leistungen sich ständig verbessern und warum Topsport solch einen Unterhaltungswert hat.