Stars 07.06.2016

Warum ignoriert die westliche Welt Badminton?

In Asien ein Weltstar - sonst nicht: Lin Dan [Foto/Archiv: BadmintonPhoto]
Von The Straits Times/Rohit Brijnath/Redaktion
Als Lin Dan im Jahr 2013 seinen insgesamt fünften Weltmeistertitel gewann, fand man keinen Artikel auf espn.com, auch auf cnnsi.com fand der überragende Triumph des Chinesen keine Erwähnung. Kein Wort auf theguardian.com. Und keine Zeile auf thetimes.co.uk.
An jenem Wochenende im August konnte man in der Weltpresse alle möglichen Geschichten lesen, vom Golfspieler Jason Dufner oder jene vom britischen Leichtathleten Mo Farah. Doch über die unglaubliche Erfolgsgeschichte Lin Dans - fünffacher Weltmeister, zweifacher Olympiasieger, fünffacher All-England-Triumphator - keine Zeile. Dieser Mann ist ein Genie. Doch die Weltpresse verweigert sich ihm.

Natürlich kann es Lin Dan vollkommen egal sein, außerhalb Asiens fast unbekannt zu sein. Aber dem Badmintonsport darf es nicht egal sein, dass sein Aushängeschild in der westlichen Medienwelt vollkommen ignoriert wird.

Welche Sportart, welche Populariät besitzt, ist ein eigenes Universum. Basketballspieler sind öfter in den Schlagzeilen als Volleyballspieler. Und Badmintonspieler fühlen sich gegenüber Tennisstars benachteiligt.

Marketing ist heute ein sehr wichtiges Instrument in der Welt des Sports geworden. So funktioniert die NBA, ein traditioneller US-amerikanischer Sport, auch weltweit. Jedes Grand-Slamturnier im Tennis kann mit einer international relevanten Berichterstattung rechnen. Ereignisse, die in der westlichen Welt stattfinden, werden deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Gründe: einflussreiche Medien, Kommunikation in englischer Sprache.

Badminton ist ein asiatischer Sport, wo nicht unbedingt Englisch die Hauptsprache ist. Viele Top-Athleten beherrschen die Sprache noch nicht einmal. Das Marketing der Sportart ist zu seicht - und während die All-England eine über 100 Jahre alte Tradition aufzuweisen haben, gibt es Weltmeisterschaften erst seit 1977 und Olympische Badminton-Medaillen gar erst seit dem Jahr 1992.

Lin Dans Ruhm sollte ein größerer sein. Denn schließlich haben es einige Athleten geschafft, aus Nischensportarten zu weltweiter Popularität zu gelangen. Sei es aufgrund von hervorragenden Leistungen, Schönheit, Persönlichkeit oder Originalität. Annika Sörenstamm spielt fantastisch Golf - und das gegen brillante Männer. Der österreichische Skifahrer Hermann Maier war selbst denen bekannt, die noch nie selbst auf der Piste standen.

Lin Dan hat den Sprung in die weltweite Öffentlichkeit nicht geschafft.

Das ist schade, denn gerade seine Geschichte würde in jedem anderen Sport weltweit für Schlagzeilen sorgen - und preisgekrönte Regisseure würden über ihn ein Dokumentarfilm drehen wollen.

Mehrfacher Champion - nimmt ein Jahr Auszeit für seine Familie - fällt auf Rang 286 der Weltrangliste - wird nicht richtig fit - trifft seinen Langzeitrivalen im Endspiel - liegt einen Satz hinten - gewinnt und hilft ihm auch noch beim Stretching gegen die Krämpfe.

Was für ein Märchen! Doch die Welt sollte auch die kleinen Details erfahren. Wie hart er smashen kann, was er denkt, wenn er unter Druck ist. Woher er seinen unbändigen Willen nimmt. Wir wissen gar nichts! Badminton liefert keine Informationen. Die Welt sollte von Lin Dan bewegt sein, doch sie kennt ihn gar nicht.

Seit 14 Jahren werden die Laureaus Sportawards an populäre Sportler und Athleten aus Randsportarten vergeben. Gewichtheber, Ruderer - alle wurden bereits ausgezeichnet. Lin Dan wurde noch nicht einmal nominiert. Kein einziges Mal.




Vielleicht sollte denen mal jemand ein Video von Lin Dans WM-Auftritten schicken. Einfach, um ihnen zu zeigen, wie ein 176 cm-großer Mann so ausgezeichnet den Court abdeckt. So, dass man schnell denken müsse, er sei in Wirklichkeit viel größer. Wie er seinen Körper streckt, wenn er losstürmt. Wie er mental niemals einknickt. Wie er taktisch seine Gegner foppt. Wie er förmlich in die Luft steigt, wenn er zum Jumpsmash ansetzt. So als würde er einen unsichtbaren Fahrstuhl nehmen. Und dieses unglaubliche Gefühl am Netz hat.

Wie kann die Welt diesen Mann einfach so ignorieren? Ist das nicht verdammt schade? Vielleicht auch nicht. Selbst schuld, ein Weltwunder wie Lin Dan nie gesehen zu haben.

Der Original-Artikel erschien in The Straits Times und wurde mit freundlicher Genehmigung von badzine.de frei übersetzt.
Anzeige
Anzeige
Anzeige
Anzeige