National 13.02.2017

Jung, hungrig und verunsichert

Fabian Roth [Foto/Archiv: BadmintonPhoto]
Von Bernd-Volker Brahms
Mülheim - Die deutschen Nachwuchsspieler im Badminton sind jung und hungrig nach Erfolg - doch ihre Zukunft wird nicht nur auf dem Spielfeld sondern derzeit in Büros in Berlin und Frankfurt/Main entschieden. Wie andere Sportverbände auch wissen die Verantwortlichen beim Deutschen Badminton-Verbandes (DBV) derzeit nicht, welche finanzielle Förderung für die kommenden Jahre vom Bundesinnenministerium und dem Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) kommt.
Vor anderthalb Wochen konnten der 21 Jahre alte Fabian Roth und die 20-jährige Luise Heim die Titel bei den nationalen Titelkämpfen in Bielefeld gewinnen. Beide sind Badmintonprofis und konzentrieren sich weitgehend auf ihren Sport. Am liebsten wollen sie möglichst schnell bis in die vorderen Regionen der Weltrangliste durchstarten, Roth ist die Nummer 68 und Heim die 96 der Rangliste. Wie viel Unterstützung sie auf ihrem Weg zu den Olympischen Spielen 2020 in Tokio haben werden, ist derzeit völlig unklar.

"Wir sind in einem Übergangsjahr und hängen in der Luft", sagt der DBV-Sportdirektor Martin Kranitz. Derzeit wisse man beim Verband nicht, wie sich die Leistungssportreform des DOSB auswirkt. Im Dezember wurde die Reform beschlossen, auch Vertreter des DBV waren in Magdeburg bei der Mitgliederversammlung dabei. "Jede Fachverband kämpft für sich", sagt der DBV-Präsident Thomas Born (Berlin). Es geht darum, in das sogenannte Potenzialcluster eingeordnet zu werden. Dann könne der Verband damit rechnen, auch künftig ausreichend Mittel für das Training der rund 60 Kaderathleten an den Stützpunkten zu haben, sagt Kranitz.

"Aber wo wird der Schnitt gemacht bei der Einteilung in die Cluster", sagt Kranitz. Es sei wenig durchschaubar, was gerade passiere. Für April sei der Verband aufgefordert, seine Situation darzulegen. Mit der Leistungssportreform soll mehr auf das Potenzial für die Zukunft geblickt als Medaillen der Vergangenheit gezählt werden.

"Wir haben viele junge Talente", sagt der neue Chef-Bundestrainer Detlef Poste, der seit dem 1. Januar im Amt ist. Es laufe derzeit ein Generationswechsel ab. Bei den Olympischen Spielen war der Verband mit sieben Athleten dabei, erstmals konnten sich die deutschen Spieler in allen fünf Disziplinen qualifizieren. In Reichweite einer Medaille kamen sie aber nicht, obgleich sich der neunfache deutsche Meister Marc Zwiebler einiges ausgerechnet hatte. Der 32-Jährige ist die Nummer zwölf der Weltrangliste und ein Karriereende in Sicht. Vier Rio-Fahrer haben den Schläger bereits an den Nagel gehängt.

Der DBV hat schon im Sommer 2016 noch vor den Olympischen Spielen einen Strukturwandel eingeleitet und glaubt seine Hausaufgaben gemacht zu haben. Als ein wichtiges Element wurde ein Bundestrainer Wissenschaft/Bildung und Lehre eingestellt und zunächst aus eigenen Mitteln finanziert. "Die Umsetzung wissenschaftlicher Erkenntnisse im täglichen Training, die Optimierung der dualen Karriere der Athleten sowie die Trainerausbildung sollen auf eine neue Stufe gehoben werden", sagt Poste. Insgesamt arbeiten zehn hauptamtliche Trainer an den beiden Hauptstützpunkten. Statt wie bisher die Männer in Saarbrücken und die Frauen in Mülheim zu betreuen, werden ab 1. Oktober die Einzelspieler in Saarbrücken sein und die Doppel- und Mixedspezialisten in Mülheim trainiert.
Sonst gräbt sich der Sport in Deutschland sein eigenes Grab.
Detlef Poste, Bundestrainer

Poste hofft, dass das Entwicklungspotenzial der Sportart erkannt wird und die Leistungssportreform nicht zu einem Sparmodell wird. "Sonst gräbt sich der Sport in Deutschland sein eigenes Grab." Derzeit hat der DBV lediglich eine Zusage für 100 Prozent der Mittel für den Trainerstab bis 2019. Allerdings wurden sogenannte Projektmittel auf Eis gelegt, wie Kranitz sagt. Von den bislang jährlich 200.000 Euro werden vor allem Turnierreisen aber auch Equipment wie Bälle bezahlt - und davon gehen Tausende durch. Gerade jetzt, wo die jungen Spieler auch viele Turniere auf hohem Niveau benötigen, um an die Weltspitze zu kommen, stehen kaum mehr Mittel für die Fahrten insbesondere nach Asien zur Verfügung.

Wenngleich auch beim Badminton die Preisgelder bei den internationalen Turnieren stetig steigen und es Veranstaltungen mit einer Million US-Dollar Preisgeld gibt, sind die deutschen Spieler auf die staatliche Unterstützung angewiesen. "Wir können unsere Struktur anders nicht aufrecht erhalten", sagt der DBV-Präsident Born. Die Individuelle Förderung auf Bundesebene erfolgt über Plätze bei der Bundeswehrsportkompanie sowie der Deutschen Sporthilfe. Zudem spielen regionale Stiftungen des Sports eine wichtige Rolle, deren Bedeutung zukünftig noch wachsen wird.

Sportdirektor Martin Kranitz glaubt, dass gerade die Verbände wie der DBV mit einer mittleren Erfolgsbilanz bei den olympischen Sportarten größere Unterstützung bräuchten, um die Medaillenausbeute bei Olympischen Spielen künftig zu steigern. "Oder glaubt man etwa, dass die Verbände wie die Ruderer, die ohnehin schon für viele Medaille gut sind, noch mehr holen sollen", sagt Kranitz. Da sei das zusätzliche Potenzial auch begrenzt.




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