Stars 03.01.2015

"Ich war wohl irgendwie ausgebrannt"

Lukas Schmidt beendete 2014 seine Karriere [Foto: Anna Tarrin]
Von Mareike Rinke
Lukas Schmidt beendete in diesem Sommer mit nur 25 Jahren ungewöhnlich früh seine Karriere in der Nationalmannschaft. badzine.de fragte bei dem aktuellen Deutschen Meister nach, warum er bereits so zeitig andere Prioritäten in seinem Leben setzt.
Lukas, warum bist du aus der Nationalmannschaft zurückgetreten?
Für die meisten Leute war das sicherlich überraschend und auch für mich ist es nicht so einfach zu erklären. Das war ein Gefühl, das ich schon seit längerer Zeit mit mir herumtrug. Zunächst wollte ich das verdrängen, aber ich konnte es nicht. Es war mir nicht mehr möglich, mich zu 100% mit dem Leistungssport zu identifizieren. Man braucht aber den absoluten Willen, vielleicht sogar eine gewisse "Verrücktheit", immer neue Ziele und sehr viel Hingabe, um sich täglich nicht nur ins Training zu quälen, sondern auch Vollgas geben zu können. Anders funktioniert es nicht. Dies war bei mir am Ende so nicht mehr gegeben - daraus habe ich die Konsequenzen gezogen.

Wieso hast du deine Karriere so früh beendet?
Ich bin jetzt 26, natürlich erscheint das sehr früh. Jeder von uns Jungs in Saarbrücken macht den Sport aber buchstäblich seit er denken kann. Meine gesamte Schulzeit war davon geprägt, an Wochenenden im Auto zu sitzen und die Tage in Turnhallen zu verbringen. Nach dem Abitur bin ich nach Saarbrücken gekommen und war dort sechs Jahre Mitglied der Nationalmannschaft. Deswegen fühlt es sich für mich jetzt nicht so früh an wie es scheint. Irgendwie bin ich wohl schon recht zufrieden mit meiner Karriere, habe mehr erreicht als ich je gedacht habe. Der Glaube, den Sprung in die Weltspitze zu schaffen, dorthin wo Marc Zwiebler steht, den hatte ich nicht mehr. Wenn die Ziele so langsam wegbrechen, ist es unglaublich schwer, sich weiterhin zu motivieren. Irgendwie war ich wohl etwas "ausgebrannt".

Spielst du noch weiterhin Turniere oder hast du ganz mit dem Profisport aufgehört?
Turniere genau geplant habe ich momentan nicht. Ich werde aber schon noch das ein oder andere schöne Turnier spielen. Beispielsweise habe ich Ende November die Scottish Open gespielt, denn das war immer mein Lieblingsturnier. Ich bin aber ja auch noch in der Bundesliga aktiv, das sind ja auch immerhin mindestens 18 Spieltage (lacht).

Wie oft nimmst du aktuell den Schläger in der Woche in die Hand?
Das hängt davon ab, wann wir Bundesligaspiele haben. Ich komme jede Woche noch mindestens vier Mal zum Training und an den Wochenenden mache ich auch Kraft-Training. Vor Bundesligaspielen tue ich noch ein bisschen mehr. Ich bin auf jeden Fall noch ganz gut drauf und habe immer noch Kraft und Energie für die Liga.
Meine gesamte Schulzeit war davon geprägt, an Wochenenden im Auto zu sitzen und die Tage in Turnhallen zu verbringen.
Lukas Schmidt

Was vermisst du seit dem Ausscheiden aus der Nationalmannschaft am meisten?
Ich vermisse einerseits die Turniere, die vielen Freunde und netten Leute. Andererseits bin ich aber auch froh, nicht mehr ständig unterwegs zu sein. Und die Jungs aus der Trainingsgruppe sehe ich immer noch oft, da hat sich nicht viel geändert.

Besteht die Möglichkeit, dass du wieder zurückkommst?
Ich kann mir das im Moment nicht vorstellen. Allerdings konnte ich mir schon so einiges in meinem Leben nicht vorstellen und es ist trotzdem so gekommen, also sage ich niemals nie. Aber nach heutigem Stand ist es schon extrem unwahrscheinlich.

Was machst du zurzeit und was sind deine Pläne für die Zukunft?
Ich mache gerade meinen Master in BWL mit Schwerpunkt auf Finanzen. Ich brauche dafür noch ungefähr ein Jahr. Was dann passiert wird sich zeigen. Erst einmal versuche ich einen guten Abschluss hinzubekommen. Privat läuft's auch sehr rund (lächelt).

Die offizielle Stellungnahme zum Rücktritt von Lukas Schmidt findest du auf Facebook: