International 2026.01.10

Europas Badminton in der Krise

Europas Badminton in der Krise
Steckt das europäische Badminton in einer Krise? Symbolfoto [Foto/Archiv: BadmintonPhoto]
Von Redaktion
Europas Badmintonsport steckt in einer Krise. Diese Einschätzung vertritt der dänische Chef-Nationaltrainer Thomas Stavngaard, der insbesondere in der Talententwicklung Defizite erkennt.
Trotz aktueller sportlicher Erfolge sieht er mittelfristig Risiken, auch für Dänemark.

Noch präsentiert sich der dänische Badmintonsport auf internationaler Bühne konkurrenzfähig. So trifft Anders Antonsen im Halbfinale der Malaysia Open (Super 1000) auf den chinesischen Weltranglistenersten Shi Yuqi. Gleichzeitig prägen etablierte Spieler wie Viktor Axelsen, Anders Antonsen sowie die Doppelspieler Kim Astrup, Anders Skaarup Rasmussen und Mathias Christiansen das Bild der Nationalmannschaft. Doch die Altersstruktur dieser Leistungsträger wirft Fragen nach der Nachfolge auf.

Thomas Stavngaard verweist darauf, dass die langfristige Perspektive nicht gesichert sei. „2025 haben wir unsere Zielsetzung erfüllt, aber die Besten werden nicht jünger, und wir können gut sehen, dass in Zukunft etwas passieren muss“, sagt der Cheftrainer in einem Interview mit der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau. Klare Anwärter auf führende Rollen seien derzeit nicht eindeutig auszumachen. „Ich kann durchaus befürchten, dass eine Lücke entsteht. Das hat es im Herreneinzel noch nie gegeben, wo sie sich kontinuierlich gegenseitig abgelöst haben.“

"Deutschland hat keine Top-Spieler mehr"

Der Blick ins europäische Ausland verstärkt diese Einschätzung. Stavngaard verweist auf Entwicklungen in mehreren Nationen, die früher zur erweiterten Spitze gehörten. „Wir können bei anderen europäischen Ländern sehen, dass man nicht viele Jahre ohne Anschluss braucht, bis man von der Spitze verschwindet. Das ist meine größte Sorge.“ Frankreich sei derzeit das einzige europäische Land mit erkennbarem sportlichem Fortschritt. Andere Nationen hätten deutlich an Bedeutung verloren. Schweden sei ohne Spieler in der Weltrangliste, Deutschland verfüge über keine Topspieler, und England orientiere sich an einem Herrendoppel auf Rang 16 der Welt.

In diesem Zusammenhang spricht Stavngaard von einer strukturellen Krise. „Das europäische Badminton steckt in einer Krise, das ist eine riesige Sorge. Zu meiner Zeit als Spieler waren die Schweden fast genauso gut wie wir. Jetzt sind sie völlig verschwunden. Auch Deutschland hat derzeit nichts vorzuweisen.“

Neben den innereuropäischen Entwicklungen sieht der Nationaltrainer den zunehmenden Abstand zu den asiatischen Badminton-Nationen als zentrales Problem. Große Verbände in Asien verfügten über deutlich höhere finanzielle Mittel, zudem hätten auch kleinere Länder in der Region in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. „Wir werden niemals am Wettrüsten mit den Größten teilnehmen können, aber wir haben in den vergangenen zehn Jahren optimiert“, erklärt Stavngaard. Die Zahl der Trainer sei in dieser Zeit von drei auf sechs erhöht worden. „Doch wir müssen noch weiter optimieren, und jetzt legen wir den Fokus darauf, mehr Geld in die Talententwicklung zu investieren.“

Dabei gehe es nicht allein um finanzielle Ressourcen, sondern um eine langfristige Struktur. Dänemark müsse sowohl sehr junge Spieler fördern als auch Athleten, die ihren Durchbruch erst später erreichten. „Jetzt sind wir an dem Punkt, an dem gilt: Kommt von unten nichts nach, haben wir irgendwann nichts mehr, wofür wir das Trainingszentrum nutzen können“, sagt Stavngaard mit Blick auf das nationale Leistungszentrum in der Brøndby-Halle. Dort seien neue Spielfelder entstanden und das Trainingspensum erhöht worden. „Wir haben den Trainingsumfang erhöht und prüfen weiterhin, ob wir ihn noch weiter steigern können. Unter anderem für die Subelite, denn einige Spieler schaffen den Durchbruch später. Das ist eine Tendenz an mehreren Orten in der Welt.“

Im Nachwuchsbereich sieht Stavngaard Dänemark im internationalen Vergleich nicht an der Spitze. „Dänemark ist vor vielen Jahren im Jugendbereich von Frankreich überholt worden“, räumt er ein. Im Erwachsenenbereich habe man den Abstand bislang jedoch halten können. Maßstab seien aus seiner Sicht ohnehin nicht europäische Vergleiche. „Aber wir sollten uns am liebsten nicht mit Europa vergleichen. Das Ziel sind Medaillen bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen. Das ist es, was für uns interessant ist.“

Für die kommenden Jahre formuliert der Nationaltrainer konkrete sportliche Erwartungen. „Wir hoffen, 2026 um Medaillen kämpfen zu können, und wir hoffen, bei Thomas Cup und Uber Cup vor heimischem Publikum mindestens das Viertelfinale zu erreichen.“ Ein möglicher Erfolg im Thomas Cup sei jedoch an Bedingungen geknüpft. „Aber wenn wir beim Thomas Cup eine Medaille holen wollen, hängt das sehr stark von Viktor ab und davon, ob wir mit einer vollständigen Mannschaft antreten können.“



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