Stars 2026.05.09

Warum Badminton trotz An Se Young nicht mit Tennis mithalten kann

Warum Badminton trotz An Se Young nicht mit Tennis mithalten kann
[Foto/Archiv: BadmintonPhoto]
Von Redaktion
Während Carlos Alcaraz weltweit als neue Ikone des Tennissports gefeiert wird, dominiert im Badminton eine Athletin, die außerhalb ihrer Szene kaum bekannt ist: An Se Young.
Die Südkoreanerin hat mit nur 24 Jahren bereits Rekorde aufgestellt, die selbst im Vergleich mit Tennisgrößen außergewöhnlich wirken. Trotzdem bleibt der globale Superstarstatus bislang aus.
Der Kontrast zeigt vor allem eines: Nicht nur sportliche Leistungen entscheiden über Ruhm und Reichweite, sondern auch die Strukturen hinter einer Sportart.

An Se Young ist seit Oktober 2024 die Nummer eins der Badmintonwelt, Olympiasiegerin und Rekordhalterin mit 36 World Tour-Titeln. Besonders beeindruckend ist ihre Konstanz bei den wichtigsten Turnieren des Sports. Seit 2021 erreichte sie in 15 Super 1000 Turnieren zwölf Finals und gewann acht davon. Dazu kommen 14 Titel bei Super 750 Events sowie Weltmeisterschafts und Olympiagold.

Der Vergleich mit Carlos Alcaraz drängt sich auf. Der Spanier gilt als das neue Gesicht des Tennissports und gewann bislang sieben Grand Slam Titel. In der Badmintonwelt entsprechen die Super 1000 Turniere ungefähr den Grand Slams im Tennis. Genau dort hat An Se Young eine ähnlich dominante Stellung aufgebaut.

Die frühere Badmintonspielerin und Kommentatorin Gillian Clark sieht deshalb ein Ungleichgewicht in der öffentlichen Wahrnehmung. Ihrer Ansicht nach würden An Se Youngs Leistungen global deutlich zu wenig gewürdigt. Das sei nicht nur ihr gegenüber unfair, sondern auch eine verpasste Chance für den gesamten Badmintonsport.

Warum Tennis weltweit funktioniert und Badminton nicht

Die Gründe dafür liegen weniger in den Athleten selbst als in der Geschichte und Vermarktung der Sportarten.

Tennis gehört seit Jahrzehnten zu den global am stärksten kommerzialisierten Sportarten. Die vier Grand Slams in Australien, Frankreich, Großbritannien und den USA sorgen für weltweite Aufmerksamkeit. Ikonische Arenen wie Wimbledon oder Roland Garros haben einen kulturellen Status erreicht, der weit über den Sport hinausgeht.

Hinzu kommt die enorme Medienpräsenz. Tennis verbindet Sport mit Glamour, Luxus und Entertainment. Sponsoren investieren Milliardenbeträge, Spieler werden zu internationalen Marken und Turniere erzeugen wochenlange mediale Dauerpräsenz.

Badminton dagegen bleibt regional geprägt. Vor allem in Asien besitzt die Sportart enorme Popularität, doch in Nordamerika oder großen Teilen Europas fehlt die breite Öffentlichkeit. Selbst Weltstars wie An Se Young erreichen kaum die globale Sichtbarkeit eines Top 20 Tennisspielers.

Sportökonom Kenneth Cortsen beschreibt Tennis gegenüber dem dänischen TV-Sender TV2 deshalb als „perfekt verankertes globales Produkt“. Badminton habe zwar versucht, moderner und eventorientierter zu werden, doch beim internationalen Markenaufbau liege der Sport noch weit zurück.

Der Hollywood-Faktor fehlt

Ein weiterer Unterschied liegt in der Inszenierung. Tennis lebt von großen Geschichten, Rivalitäten, Traditionen, Luxusmarken und prominenten Zuschauern. Der Sport besitzt eine „Hollywood-Komponente“, die ihn auch für Menschen interessant macht, die gar keine regelmäßigen Tennisfans sind.
Badminton hingegen präsentiert sich deutlich nüchterner. Zwar ist das sportliche Niveau extrem hoch, doch die emotionale und mediale Aufladung bleibt begrenzt. Viele Spielerinnen und Spieler sind außerhalb der Szene kaum bekannt.

Selbst An Se Young sieht sich nicht als Mittelpunkt. Auf die fehlende Anerkennung angesprochen, betont sie lieber die Bedeutung des Sports insgesamt. Sie wünsche sich mehr Aufmerksamkeit für Badminton, nicht unbedingt für sich selbst.

Ganz ausschließen wollen Experten einen Aufstieg des Badmintonsports nicht. Gerade Persönlichkeiten wie An Se Young könnten helfen, neue Zielgruppen zu erreichen und internationale Geschichten zu erzählen. Voraussetzung wäre allerdings eine deutlich aggressivere Vermarktung sowohl durch Verbände als auch durch Sponsoren und Medienpartner.

Doch ein echtes Überholen des Tennissports erscheint unrealistisch. Tennis profitiert von jahrzehntelang aufgebauten Strukturen, globalen Traditionen und enormer wirtschaftlicher Macht. Badminton wächst zwar, doch der Abstand bleibt groß.

„Aber angesichts der Reichweite des Tennissports, die nicht über Nacht entstanden ist, glaube ich nicht, dass wir eine Situation erleben werden, in der Badminton Tennis weltweit überholt. Tennis ist dafür zu fest verankert“, sagt Kenneth Cortsen zu TV2.

Die Karriere von An Se Young macht deshalb vor allem deutlich, wie unterschiedlich sportliche Größe wahrgenommen wird. Rein sportlich gehört sie schon jetzt zu den dominantesten Athletinnen ihrer Generation. Globaler Ruhm aber entsteht nicht allein durch Siege, sondern durch die Bühne, auf der sie stattfinden.


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