International 25.08.2019

WM-Kolumne: Das große Finale

WM-Kolumne: Das große Finale
Silber oder Gold? P.V. Sindhu steht erneut im WM-Endspiel [Foto/LIVE: BadmintonPhoto]
Von Sven Heise
Nach jahrelanger Vorbereitung, zwölf Tagen in der St. Jakobshalle und sieben Tagen Wettkampf ist es heute soweit - die 25. Badminton-Weltmeisterschaft in Basel endet mit dem großen Finale.
Für die Athleten in drei Hallen geht es um die Titel, für die ungezählten Helfer um den erfolgreichen Abschluss ihrer harten Arbeit und die Fans feiern noch einmal einen Tag mit Weltklasse-Badminton vom Allerfeinsten.

Bei der TOTAL BWF Badminton-WM werden ab 12 Uhr die Endspiele ausgetragen. Die vielen Endspiele der Para-WM beginnen ab 8.30 Uhr, wobei man hier allein für die 17 ausstehenden Siegerehrungen nochmal 90 Minuten Zeit einplanen muss.

Chance auf Gold für Deutschland

Es wird also wieder ein langer Tag und er beginnt mit der Chance auf Gold für Deutschland. Jan-Niklas Pott und Katrin Seibert haben mit einem Dreisatzerfolg gegen Toshiaki Suenaga & Akiko Sugino das Finale im Para-Mixed der Klasse SL3-SU5 erreicht. Nach dem 19:21, 21:14 und 21:19 am Samstagnachmittag stehen sie heute früh auf der großen Bühne - ihr Finale wird gegen 9 Uhr in der Haupthalle auf dem Center Court ausgetragen, auf dem wenige Stunden später auch Momota und Kollegen um die Medaillen kämpfen. Das japanische Fernsehen überträgt zwei Finale der Fußgänger und ein Finale der Rollies.

Ihre Medaillen bekommen heute Valeska Knoblauch und Young-Chin Mi, für die es im Wheelchair-Wettbewerb leider nicht mit dem Einzug ins Finale klappte.

Zeitenwende

Ohne Zweifel gab es in den letzten Jahren eine Zeitenwende im Badminton. Bei meinem ersten WM-Besuch in Madrid im Jahr 2006 gewann China vier Titel und beherrschte die Damen-Wettbewerbe fast uneingeschränkt. In Paris 2010 und London 2011 hörte ich bei der Siegerehrung nur die chinesische Hymne - beide Male holten die Schützlinge des legendären Cheftrainers Li Yongbo alle fünf Titel.

2019 haben Chinas Stars nur noch eine einzige Titelchance im Mixed. Stattdessen greifen die Olympiagastgeber ein Jahr vor Tokio nach den Sternen. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass vier Titel an das Team von Headcoach Park Joo Bong gehen. Der unglaublich erfolgreiche und gerüchtehalber auch unglaublich gut bezahlte ehemalige Weltklassespieler aus Korea hat es geschafft, in jeder Disziplin mehrere japanische Athleten in die Spitze zu bringen.

Die Kernfrage am heutigen Finaltag ist, welcher der beiden überragenden Einzelspieler des Turniers sich die Krone aufsetzt. Der souveräne Titelverteidiger Kento Momota oder der sensationelle Jungstar Anders Antonsen. Beide sind in Basel noch ohne Satzverlust, beide ließen ihren bisherigen Gegnern keinerlei Chance.

Aber natürlich gibt es noch vier weitere Endspiele. Der Tag wird vermutlich mit einem mindestens zweistündigen Duell der beiden weltbesten Damendoppel aus Japan beginnen. Mayu Matsumoto & Wakana Nagahara und Yuki Fukushima & Sayaka Hirota werden sich mehrminütige Ballwechsel liefern, nach denen jeder von uns drei Tage Erholungszeit bräuchte, sich kurz den Schweiß abwischen und wieder dutzende Male den Federball über Netz jagen.

Vierter WM-Titel für Hendra Setiawan?

Schneller zum Punkt kommen im Doppel dagegen meistens die Herren. Kann sich Hendra Setiawan zu seinem heutigen (!) 35. Geburtstag das schönste Geschenk machen und mit seinem auch schon 32-jährigen Partner Mohammad Ahsan den Titel holen? Oder geht auch dieser Titel nach Japan? Die beiden 24-jährigen "Jungspunde" Takuro Hoki & Yugo Kobayashi werden den beiden indonesichen Veteranen den Sieg jedenfalls nicht schenken.

Im Mixed gaben die topgesetzten Finalisten Zheng Si Wei & Huang Ya Qiong bisher nur einen Satz ab. Und diesen Satz gewann das deutsche Duo Mark Lamsfuß und Isabel Herttrich. Wenn Thailands Dechapol Puavaranukroh & Sapsiree Taerattanachai dem chinesischen Team auch die letzte Titelchance vermasseln, wäre es eine kleine Überraschung.

Die indischen Fans hoffen in Abwesenheit der verletzten Titelverteidigerin Carolina Marin auf einen Erfolg von Pusarla V. Sindhu. Die 1,79 Meter große Rechtshänderin war 2016 die erste Frau, die für Indien eine Silbermedaille bei Olympischen Spielen gewinnen konnte und steht in den Top Ten der bestbezahlten Sportlerinnen der Welt. Einen Titel kann sie sich mit ihren 7,4 Millionen Euro von 2018 allerdings nicht kaufen. Den wird ihr die Weltmeisterin von 2017, Nozomi Okuhara, nicht kampflos überlassen.

Das Abschiedsbier ist bereits kaltgestellt im Presseteam und zusammen mit meiner Kollegin Jan werde ich auch heute noch mal die Fotografenkollegen unterstützen, die besten Fotos zu machen und dabei Spieler, Zuschauer und die TV-Teams so wenig wie möglich zu stören. Das Team und auch alle anderen Helfer haben für euch Fans die ganze Woche hart gearbeitet und auch wenn ihr leider durch die Sicherheitsmaßnahmen an den Eingängen und den großen Andrang oft lange warten musstet - live dabei gewesen zu sein, als Badminton eine Woche lang die St. Jakobshalle gerockt hat, bleibt unvergesslich.

Abschied von Charles Keller

Abschied nehmen heißt es in Basel heute nicht nur von der Badminton-Weltklasse, die zum nächsten Turnier weiterzieht, um sich für die Olympischen Spiele und die Paralympics 2020 in Tokio zu qualifizieren. Abschied nehmen heißt es auch von Charles A. Keller. Der OK-Präsident, für den die WM der arbeitsreiche Höhepunkt vieler Jahre Turnierorganisation war, wird zukünftig nicht mehr für die Swiss Open mitverantwortlich sein.

Ich weiß im Rückblick nicht, wie ich es jeden Tag geschafft habe, die knappe Stunde Zeit für meine tägliche Kolumne herauszuschlagen. Es wäre schön, wenn ihr mir mal nicht nur mit einer Handvoll Likes, sondern ein paar Worten zurückmeldet, ob euch mein Tagebuch gefallen hat. Aber es hat mir in jedem Fall viel Freude gemacht, mit Texten und Fotos aus Basel zu berichten, von einem Turnier, dass so geworden ist, wie ich es letzten Samstag angekündigt hatte - GROSSartig.