Stars 2025.07.27

Neuanfang in Dänemark: Badminton-Talent Luis Pongratz verlässt Deutschland

Neuanfang in Dänemark: Badminton-Talent Luis Pongratz verlässt Deutschland
Luis Pongratz [Foto/Archiv: YONEX Deutschland]
Von Redaktion
Nach dem Fachabitur hat sich Luis Pongratz (18) für einen mutigen und ungewöhnlichen Weg entschieden: Statt sich dem offiziellen deutschen System anzuschließen, zieht es ihn nach Dänemark. Dort will er den Grundstein für seine sportliche Zukunft legen – mit neuen Reizen, neuer Intensität und dem klaren Ziel, den nächsten Schritt zu gehen.
Zwischen Schule und Spitzensport: Die Entscheidung für Dänemark

Für Luis Pongratz war klar: Nach dem Abschluss seines Fachabiturs braucht es eine neue Herausforderung. Der Fokus liegt klar auf dem Sport. Doch anstatt den für viele deutsche Talente logischen Schritt in Richtung Saarbrücken und damit an den Olympiastützpunkt zu machen, entschied sich Luis für einen alternativen, mutigeren Weg: Er geht nach Dänemark.

„Mülheim (U23-Stützpunkt des DBV; Anm.d.Red.) war für mich nie eine Option“, sagt Luis offen. „Die Entscheidung fiel zwischen Saarbrücken und Dänemark.“ Letztlich gaben persönliche wie sportliche Gründe den Ausschlag: Luis ist halb Däne, spricht fließend die Sprache, hat Familie vor Ort – und kennt das Land. Aber auch auf sportlicher Ebene war die Entscheidung durchdacht. Nach einer intensiven Woche in Saarbrücken, Gesprächen und Trainingssessions war ihm klar: Das tägliche Trainingsumfeld in Dänemark bietet mir genau die Qualität und Intensität, die ich jetzt brauche.

Ein zentraler Punkt dabei: die Zusammenarbeit mit Peter Gade, einer Ikone des Weltbadmintonsports. „Seine Erfahrung und Präsenz in der Academy sind ein riesiger Gewinn“, sagt Luis. Besonders attraktiv ist für ihn das wechselnde Sparring in der YONEX Peter Gade Academy – ein Umfeld mit hoher Dynamik, internationalem Anspruch und täglicher Herausforderung.

Ein Umfeld auf Weltklasseniveau

Die Akademie, in der Luis künftig trainieren wird, legt ihren Fokus klar auf den Einzelbereich. Das bedeutet: Konkurrenz und Inspiration durch andere europäische Topspieler sind an der Tagesordnung. Hinzu kommt die enge Zusammenarbeit zwischen Peter Gade und Viktor Axelsen – mit der Möglichkeit, dass auch der amtierende Olympiasieger immer mal wieder zum Training in der Academy vorbeischaut.

Ein weiterer wichtiger Faktor: die familiäre Bindung. „Die gute Beziehung zwischen Peter und meinem Vater hat mir ein sehr gutes Gefühl gegeben“, erklärt Luis. Auch abseits des Spielfelds hat er sich sein Umfeld bewusst aufgebaut – mental, physisch, strukturell. „Ich bin damit sehr zufrieden.“

Ohne Kaderstatus, aber mit klarer Haltung

Trotz all dieser positiven Aussichten bleibt ein Wermutstropfen: Der Deutsche Badminton-Verband (DBV) hat seinen Kaderstatus (NK1) nicht verlängert. Die Begründung: Luis hat sich gegen den vorgeschriebenen Weg im deutschen System entschieden. Eine bittere Pille – doch Luis bleibt ruhig und reflektiert:

„In anderen Sportarten wird die individuelle Entwicklung auch außerhalb des eigenen Landes unterstützt. Ich entwickle mich ja nicht nur für mich selbst, sondern auch für den deutschen Badmintonsport.“ Für ihn ist das fehlende Vertrauen des Verbandes ein Anzeichen dafür, wer ihn wirklich auf seinem Weg unterstützt – und wer nicht. Trotz allem: „Ich habe immer alles für den Verband gegeben und respektiere deren Entscheidung.“

Unbequeme Entscheidungen mit Weitblick

Auch die Kommunikation mit dem DBV lief nicht reibungslos. In einem langen Gespräch mit dem Chef-Bundestrainer legte Luis seine Beweggründe offen. „Natürlich war das kein angenehmes Gespräch, aber meine Entscheidung wurde letztlich respektiert.“

Rückblickend zeigt sich: Die DBV-Strukturen hätten attraktiver gestaltet werden müssen, damit der Standort für ihn eine realistische Option gewesen wäre. Dass das erste Interesse aus seiner Richtung kam, sieht Luis als Zeichen für die fehlende Kommunikation – und gleichzeitig als Chance für mehr Offenheit im System.

In Dänemark will Luis jetzt vor allem eines: gesund bleiben. „Ich hatte zuletzt immer wieder mit kleinen Verletzungen zu kämpfen, die mich aus dem Rhythmus geworfen haben.“ Diese Konstanz – körperlich wie mental – fehlt ihm momentan noch, um sein volles Potenzial auszuschöpfen. Neben dem Körper steht auch das Selbstvertrauen im Fokus. „Ich traue mir mittlerweile immer mehr zu, aber der Schritt vom Jugend- in den Erwachsenenbereich ist hart.“

Der Schlüssel liegt für ihn in der Stabilität: weniger Verletzungen, mehr Selbstvertrauen, konstantes Training. „Ich muss lernen, mich schnell reinzuspielen. Und dazu gehört auch, dass ich mir selbst mehr zutraue.“

Luis Pongratz geht einen unbequemen, aber konsequenten Weg. Ohne den Rückhalt des deutschen Systems, aber mit umso mehr Unterstützung aus dem familiären und privaten Umfeld. Mit der Perspektive, sich in einem Umfeld auf Weltklasseniveau weiterzuentwickeln – und eines Tages zurückzukommen, stärker, erfahrener und vielleicht auch als Vorbild für einen neuen Weg im deutschen Badminton.

„Es ist ein Investment in meine sportliche Zukunft – und ich bin dankbar, dass ich diesen Schritt gehen darf.“



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