Kolumne 10.09.2019

Von Badminton fürs Leben lernen

Von Badminton fürs Leben lernen
Symbolfoto [Foto: BadmintonPhoto]
Von Redaktion
Noch mag Badminton als Nischensport gelten, aber das Interesse wächst. Bei den seit 1977 ausgetragenen Weltmeisterschaften gingen in diesem Jahr in Basel insgesamt 359 Spieler aus 45 Nationen an den Start. Das deutsche Kontingent bestand aus elf Spielern.
Allerdings war ihnen in diesem Jahr das Turnierglück nicht hold. Obwohl deutsche Athleten in allen Disziplinen vom Herren- und Damen-Einzel bis zum Herrendoppel, Damendoppel und gemischten Doppel vertreten waren, schafften es nur die auf Platz 22 der Weltrangliste gesetzten Doppel-Spieler Mark Lamsfuß und Marvin Seidel bis in die dritte Runde. Sie schieden schließlich gegen Liu Cheng und Zhang Nan aus China aus. Überhaupt wurde die Weltmeisterschaft wie schon in den Vorjahren von Sportlern aus Asien dominiert. Japan reiste mit sechs Medaillen im Gepäck aus der Schweiz ab, darunter zwei Mal Gold, drei Silbermedaillen und ein Mal Bronze. China brauchte es auf eine Goldmedaille und vier Bronzemedaillen. Indonesien lag im Medaillenspiegel mit ein Mal Gold und zwei Mal Bronze auf dem dritten Platz, gefolgt von Indien mit einer Gold- und einer Bronzemedaille. Thailands Athleten wurden mit einer Silbermedaille und zwei Bronzemedaillen ausgezeichnet.

Als einziger Europäer holte Anders Antonsen für Dänemark eine Silbermedaille.

Überhaupt ist das kleine Dänemark im Badminton seit langem eine echte Größe und einer der wenigen europäischen Stars. Aber auch die deutschen Spieler haben in den den vergangenen Jahren aufgeholt, selbst wenn in der Bundesrepublik die erfolgreichen Tennisspieler seit jeher überwiegen.

Dabei haben Tennis, Badminton und das vor allem bei Freizeitsportlern populäre Squash vieles gemeinsam, und sie bieten den Athleten auch ähnliche Gewinne, die sich nicht nur aufs Endergebnis beschränken.
Wer mit dem Schläger in der Hand dem Ball hinter her jagt, fordert nicht nur seinem Körper, sondern auch seinem Köpfchen einiges ab. Badminton erfordert Beweglichkeit, Koordination, Tempo, Konzentration und Reaktionsvermögen. Das muss allerdings nicht alles gleich von vorn herein mitgebracht werden, sondern kann auch zu den Trainingseffekten gehören.
Herz und Kreislauf werden gestärkt, das Hirn wird dank der schweißtreibenden Bewegung besser mit Sauerstoff versorgt, und der Spaßeffekt beim Spiel ist gut für die Psyche.

Obwohl die Ballwechsel so einfach aussehen können, ist Badminton eine physisch anspruchsvolle Sportart, die den gesamten Körper trainiert. Um mit dem Rennen, Springen und Abstoppen sowie den häufigen Drehbewegungen unbeschadet mithalten zu können, werden für das Aufwärmen von Muskeln und Gelenken vor dem Spiel eine Mischung aus Laufen, Springen und Armkreisen empfohlen. Zum Entspannen hinterher sind Dehnungsübungen, ein Dampfbad oder ein Aufenthalt in der Sauna geeignet.

Ohne die richtigen Schuhe sollte jedoch gar nicht erst aufgeschlagen werden. Wie beim Tennis auch fordern die Bewegungen vor allem den Gelenken einiges ab, und stützendes Schuhwerk ist ein Muss. Doch Badminton hat noch mehr zu offerieren als nur gesundheitliche Vorteile.

Die verbesserte Hand-Augen-Koordination ist auch im Alltag einiges wert, vor allem für Grobmotoriker. Weil es beim Badminton darum geht, den Ball für den Gegner unerreichbar zu machen, sind blizschnelle Strategien und Denkmanöver gefragt, selbst wenn sie nach einiger Zeit unterbewusst ablaufen. Das kann den Sportlern außerhalb des Platzes ebenfalls nützen, weil dadurch die Entscheidungsfreudigkeit gestärkt werden kann. Die Spieler lernen zudem, auf geänderte Taktiken zu reagieren. Wer den Ball immer nur an derselben Stelle erwartet, hat beim Badminton schlechte Karten.
Die Geselligkeit wird ebenfalls gefördert, und vor allem Doppel-Spieler profitieren von dem dafür erforderlichen Teamgeist. Wer sich im Doppel als Einzelkämpfer sieht, findet sich rasch auf der Verliererseite. Nur gemeinsam ist das Spiel auf Dauer zu gewinnen, und das erfordert es, sich auf seinen Partner einstellen zu können und eine Harmonie zu erzielen. Die so erworbene Fähigkeit zum Miteinander gehört im Normalfall auch im Berufs- und Privatleben zu den nützlichsten Eigenschaften.
Doch auch wer statt knallharter Duelle auf dem Badminton-Platz eine sanftere Spielweise mit harmlosen Ballwechseln beim Federball auf dem Platz oder im eigenen Garten bevorzugt, trainiert diese Fähigkeiten und hilft zugleich seiner Fitness auf die Sprünge.

Mehr als 191.000 Mitglieder in seinen rund 2700 Vereinen zählte der Deutsche Badminton-Verband im Jahr 2018. Die Zahl der nicht vereinsgebundenen Hobbysportler wird auf 4,5 Millionen geschätzt.

Der erste Verein außerhalb von England, das als Wiege des Sports gilt, war der 1903 gegründete Bad Homburger Badminton-Club. Allerdings war ihm kein langes Leben beschieden - den Spielern fehlten die Schläger, die deutlich kleiner und leichter sind als beim Tennis, sowie die Federbälle.
Den zweiten Anlauf gab es in den Anfangsjahren der Bundesrepublik. 1953 gab es in Wiesbaden die ersten Deutschen Meisterschaften, und zur gleichen Zeit wurde der Deutsche Badminton-Verband gegründet. Schon ein Jahr später wurde der Verband in den Deutschen Sportbund aufgenommen. 1967 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern des europäischen Dachverbandes European Badminton Union. Die Badminton World Federation zählt mittlerweile 186 Mitgliedsnationen, darunter Deutschland.

Die mit 120.000 US-Dollar dotierten Internationalen Deutschen Meisterschaften German Open werden seit 1955 ausgetragen und sind das bedeutendste Badminton-Turnier auf deutschem Boden. Die international wichtigsten Begegnungen sind die zwölf Turniere der Super Series, von denen acht in Asien und vier in Europa ausgetragen werden.
Ein olympischer Sport ist Badminton seit 1992, obwohl die ersten Begegnungen bei Olympia schon bei den Sommerspielen 1972 in München als Demonstrationssportart stattgefunden hatten.

Die erste deutsche Medaille bei den Badminton-Weltmeisterschaften ging 2006 in den USA an die Einzelspielerin Xu Huaiwen. Sie wurde mit Bronze ausgezeichnet, ein Erfolg, den sie im Jahr darauf bei der Weltmeisterschaft in Madrid wiederholte. Juliane Schenk holte 2011 in London eine Bronzemedaille im WM-Dameneinzel, und Petra Overzier wurde 2006 in Spanien WM-Drite.
Bei den Europameisterschaften sind die Deutschen deutlich erfolgreicher. Allein die Senioren kehrten im vergangenen Jahr mit 17 Medaillen zurück, und auch die Para-Nationalmannschaft ist seit Jahren erfolgsgewöhnt.

Obwohl die Zahl der aktiven Spieler in der Bundesrepublik keinen Vergleich mit dem Tennis-Bund oder gar mit König Fußball aushält, schlagen sich die Badminton-Spieler tapfer. Nicht umsonst wurde die WM im schweizerischen Basel live und kostenlos auf Sportdeutschland.tv übertragen, sowie die Begegnungen auch weltweit zu sehen waren. Selbst als Zuschauer kann man von dem Sport profitieren, und wenn es nur durch den geselligen Aspekt vom Gucken im Kreis von Gleichgesinnten ist.