International 06.02.2020

Corona-Virus bringt Badmintonverband in die Bredouille

Corona-Virus bringt Badmintonverband in die Bredouille
Symbolfoto [Foto/Archiv: BadmintonPhoto/shutterstock.com]
Von Bernd-Volker Brahms
Die Funktionäre der Badminton World Federation (BWF) stecken aufgrund des in China grassierenden Corona-Virus mächtig in der Klemme. Die Krankheit, die mittlerweile einige Hundert Todesfälle verursacht hat, kommt für die Badmintonsportler zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt.
Noch läuft die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio bis Ende April. Jede Woche finden irgendwo auf dem Erdball internationale Turniere statt, bei denen wichtige Weltranglistenpunkte gesammelt werden können. Und da die Asiaten, den Sport dominieren, ist es egal, ob in Australien, in Estland oder Uganda aufgeschlagen wird, zumeist sind Asiaten und oft auch Chinesen dabei.

"Die Situation ist sehr schwierig", sagt Sportdirektor Martin Kranitz vom Deutschen Badminton Verband (DBV). Aus seiner Sicht können jetzt weder die chinesischen Spieler bei Turnieren ausgeschlossen werden, noch könnte es ohne Wettbewerbsverzerrung eine verkürzte Olympiaqualifikation geben. "Es wäre ja denkbar, jetzt einen Cut zu machen und den Qualifikationszeitraum für beendet zu erklären", sagt Kranitz, der am Olympiastützpunkt in Saarbrücken tätig ist.

Gehandelt wurde aber bereits beim Weltverband. Ende vergangener Woche wurde das mit 90.000 US-Dollar dotierte China Masters abgesagt, das Ende Februar in Lingshui auf der Insel Hainan hätte stattfinden sollen. Noch zögert man in der BWF-Geschäftsstelle im malaysischen Kuala Lumpur, auch die Asienmeisterschaften abzusagen, die Ende April ausgerechnet in Wuhan stattfinden sollen, dort, wo die Virus-Erkrankung offensichtlich ihre Verbreitung gefunden hatte. "Es ist zu früh, um eine definitive Entscheidung zu fällen", heißt es vom Verband, der von den Dänen Thomas Lund als Generalsekretär und Poul-Erik Hoyer als Präsident geführt wird.

Auch in Deutschland gibt es einige Sorgen, denn vom 3. bis 8. März sollen in Mülheim die mit 170.000 US-Dollar dotierten YONEX German Open ausgetragen werden. Das Turnier gehört zur BWF World Tour und ist das Aushängeschild des Deutschen Badminton-Verbandes. Fast die gesamte Weltspitze hat sich angemeldet, auch knapp 40 chinesische Athleten plus Betreuerstab haben sich angekündigt. Man stehe im Kontakt mit dem Gesundheitsamt der Stadt, dem Robert-Koch-Institut und dem Weltverband, sagt Pressesprecherin Claudia Pauli. Bisher habe es noch keine Konsequenzen gegeben, sagt sie. "Wir müssen abwarten, wie sich die Situation entwickelt." Gerade auch die Chinesen, die mit den beiden Olympiasiegern Chen Long und Lin Dan anreisen, sind Publikumsmagneten. Der 36-jährige Lin Dan ist eine Legende seiner Sportart, der vermutlich seinen letzten Auftritt in Deutschland plant.

Vereinzelt habe es sogar schon Nachfragen von Spielern und Schiedsrichtern geben, sagt Martin Kranitz, ob man den chinesischen Spielern wie üblich die Hand geben solle. Auch bei der BWF hat man offensichtlich darüber bereits diskutiert. In der aktuellen Pressemitteilung vom Dienstag heißt es, dass bis auf weiteres alle üblichen Konventionen und Etiketten wie Seitenwahl mit Münzwurf, Händeschütteln und Siegerehrungen beibehalten werden sollen.

Eine große Herausforderung sei es, heißt es von der BWF, dass einige Länder die Grenzen für Chinesen und andere Ausländer geschlossen hätten, die innerhalb der vergangen 14 Tage in China gewesen seien. Der Weltverband stellte am Dienstag klar, dass es vonseiten des Verbandes bisher keine Restriktionen für Spieler und Offizielle bei internationalen Turnieren und Para Veranstaltungen gibt. Man habe alle Ausrichterländer kontaktiert, dass sie die nationalen Gesundheitsbehörden über die Ankunft chinesischer Teilnehmer informieren sollen.

Bis auf das China Masters gebe es bisher keine Entscheidung bezüglich irgendeines anderen von der BWF sanktionierten Turniers, heißt es vom Weltverband. Es seien nicht nur Gesundheitsaspekte, sondern auch die Sicherheit und die Logistik im Auge zu behalten. Die meisten größeren Turniere finden in den kommenden Wochen in Europa statt, so auch die prestigeträchtigen YONEX All England Mitte März in Birmingham. "Für die Chinesen wäre es jetzt vielleicht sinnvoll, die Spieler zwei Wochen in ein anderes Land in Quarantäne zu schicken, ehe sie zu den Turnieren fahren", sagt Martin Kranitz.

Der 26-jährige deutsche Spieler Kai Schäfer (Union Lüdinghausen), der in der Weltrangliste auf Rang 79 geführt wird und um seine Teilnahme in Tokio zittert, hat noch ein anderes Problem. Er wollte eigentlich in dieser Woche im iranischen Shiraz ein kleines Turnier spielen und wichtige Punkte sammeln. "Nach dem Abschuss des Passagierflugzeugs wurde das Turnier vom Weltverband abgesagt", sagt Martin Kranitz. Bei den hochdotierten YONEX German Open steht Schäfer dagegen derzeit nur auf der Warteliste. Er könnte davon profitieren und noch ins Turnier hineinrücken, wenn die Chinesen zurückziehen oder ausgeschlossen werden. "Allein das zeigt, wie kompliziert die Situation gerade ist", sagt Kranitz.