International 2021.02.17

Wie geht es weiter mit der Olympiaquali?

Wie geht es weiter mit der Olympiaquali?
Isabel Herttrich und Mark Lamsfuß [Foto: BadmintonPhoto]
Von Bernd-Volker Brahms
Die Weltrangliste der Badmintonspieler ist für die Olympia-Qualifikation seit Mitte März des vergangenen Jahres "eingefroren". Mit dem Abschluss der YONEX All England gab es seit 17. März 2020 keine Punkte mehr für die Olympiaqualifikation. Alle relevanten Turniere wurden aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Viele Badmintonfans fragen sich, wie es jetzt hinsichtlich Tokio weitergeht. badzine.de beleuchtet die schwierige Situation.
Die Badminton World Federation (BWF) hat den Re-Start der Olympiaqualifikation auf Anfang März festgelegt. Noch bis Mitte Mai sollen dann zehn Wochen lang Punkte für die Rangliste vergeben werden. Ob das allerdings tatsächlich so passieren wird, ist zunehmend fraglich. Allein die Absage der YONEX German Open, die für den 9. bis 14. März vorgesehen waren, haben die Pläne des Weltverbandes mächtig ins Wanken gebracht. Auch andere - vor allem kleine Turniere - wurden gestrichen. Nun sind es die YONEX Swiss Open in Basel, bei denen vom 2. bis 7. März erstmals wieder wertvolle Weltranglistenpunkte für die Olympiaqualifikation vergeben werden sollen.

Entsprechend hochklassig ist das Teilnehmerfeld des mit 140.000 US-Dollar dotierten Turniers. In den Einzeln werden die Tableaus angeführt vom Dänen Viktor Axelsen und der Spanierin Carolina Marin.

"Niemand wollte positiv getestet sein"

Die Behörden in der Schweiz haben grünes Licht für die Veranstaltung in der Jacobs-Halle gegeben – natürlich ohne Zuschauer und unter großen Hygienemaßnahmen. Die „Bubble“ ist den besten Badmintonprofis spätestens seit Januar bekannt. Beim sogenannten Asian Leg (drei Turniere mit zusammen 3,5 Millionen US-Dollar Preisgeld) im thailändischen Bangkok mussten die Spieler sich "in der Blase" aufhalten. Die Spieler waren auf ihre Hotelzimmer beschränkt. Erst später durfte unter den Mannschaftskameraden verkehrt werden. Erst nach zwei Wochen war ein kurzer Ausgang im Freien zugelassen.

"Das war schon alles sehr ungewöhnlich", sagt Nationalspieler Mark Lamsfuß (1. BC Wipperfeld). Er habe sich aber absolut sicher gefühlt, sagt der 26-jährige Doppel- und Mixedspezialist. Stress hätten allerdings die ständigen Tests verursacht. "Niemand wollte positiv getestet sein." Verunsicherung habe es zusätzlich über falsch-positive Tests gegeben.

Betroffen war auch das deutsche Team. So wurde Bundestrainerin Cheng Wen-Hsing positiv auf Corona getestet. Vorher und nachher gab es mehrere ausschließlich negative Tests bei ihr. Trotzdem musste die Taiwanesin ins Krankenhaus. Für die deutschen Spieler bedeutete dies nicht nur, dass sie ohne Coach am Spielfeldrand auskommen mussten. Auch der Kraftraum war für die acht deutschen Akteure tabu.

"Die Umstände waren uns im Vorfeld klar", sagt Isabel Herttrich (1. BC Bischmisheim), "das war der einzige Weg, dass überhaupt wieder gespielt werden konnte." Die Vorfreude sei dennoch sehr groß gewesen, überhaupt wieder in den Wettkampf einsteigen zu können. Nationalspielerin Herttrich hatte ähnliche Bedingungen auch schon im Oktober bei den Denmark Open und den SaarLorLux Open in Saarbrücken erlebt. In Dänemark gelang ihr unter den ungewöhnlichen Umständen sogar ein historischer Sieg. Mit Mark Lamsfuß holte sie sich den Titel im Mixed.

Spätestens mit der Absage der YONEX German Open ist klar, dass der Plan der BWF für das Nachholen der restlichen Olympiaqualifikation auch nicht unter erschwerten Bedingungen reibungslos durchgezogen werden kann. "Es ist extrem schwierig und kompliziert", sagt DBV-Sportdirektor Martin Kranitz. Es würden sich immer mehr Fragen auftun. Eines sei aber jetzt schon klar: Es werde Ungerechtigkeiten geben, allein dadurch, dass Spielern aus verschiedenen Gründen die Teilnahmemöglichkeit an Turnieren genommen werde. So sind die chinesischen Spieler seit März vergangenen Jahres nirgends mehr aufgetreten, auch im Januar in Bangkok waren sie ebenso wie die Japaner nicht dabei. Auch jetzt beim Re-Start sind keine Chinesen im Teilnehmerfeld der YONEX Swiss Open. "Es geht vor allem um Spieler aus der zweiten Reihe, die um die Qualifikation kämpfen und wo jede gute Wertung hilft", sagt Kranitz. Die Problematik sei weniger bei den Topathleten. Gerade weil auch die kleineren Turniere ausfallen, beschränkt sich die Möglichkeit zum Punktesammeln auf nur wenige Veranstaltungen. Eine vernünftige Wettkampfplanung ist unter den Umständen gar nicht möglich. Da immer damit gerechnet werden muss, dass Turniere auch noch kurzfristig ausfallen, melden die Spieler für fast alle Turniere.

"Aus meiner Sicht spricht einiges dafür, einfach die eingefrorene Weltrangliste auch zur Quali-Rangliste für die Olympischen Spiele zu machen", sagt Kranitz. Alles andere habe zu viele Unwägbarkeiten und eröffne möglicherweise sogar noch Gelegenheit für juristische Auseinandersetzungen. Für den DBV würde der Abbruch der Olympia-Quali bedeuten, dass der Verband in vier der fünf Disziplinen in Tokio vertreten wäre. Nur im Damendoppel würde es für Isabel Herttrich und Linda Efler (Union Lüdinghausen) mit Platz 31 nicht reichen. Im Herreneinzel reicht es knapp Kai Schäfer (Fun-Ball Dortelweil, WRL Platz 65). Der 24-Jährige nimmt in der bereinigten Weltrangliste, aus der alle nicht teilnahmeberechtigten Spieler schon gestrichen sind, Platz 29 ein. Im Dameneinzel liegt die zweifache deutsche Meisterin Yvonne Li (Union Lüdinghausen, WRL 43, bereinigt 23) auf Kurs. Mark Lamsfuß steht sowohl im Herrendoppel mit Marvin Seidel (1. BC Bischmisheim, WRL 22, bereinigt 12) als auch im Mixed mit Isabel Herttrich (WRL 16, bereinigt 13) auf einem Quali-Platz.

"Natürlich hätte ich nichts dagegen, wenn jetzt ein Cut gemacht wird", sagt Mark Lamsfuß. Allerdings möchte er auch, dass es fair abläuft. Von daher wäre es wohl auch gerecht, wenn jetzt noch einmal Quali-Punkte gesammelt werden können, so Lamsfuß.

Bemerkenswert ist, dass auch für die YONEX All England in Birmingham (17.-21. März ´21, 850.000 US-Dollar) ein Weltklasseteilnehmerfeld gemeldet hat. Bemerkenswert auch deshalb, weil es dort gar keine Punkte für die Olympiaqualifikation gibt. Dies ist der Fall, da das Turnier von 2020 in die Wertung eingegangen ist. Bis auf die Chinesen und Koreaner haben alle Topakteure ihr Kommen angekündigt. Auch der DBV hat seine besten Spieler angemeldet. "Ob wir spielen werden, hängt sicherlich auch von der Entwicklung der Situation ab", sagt Mark Lamsfuß. Gerade auch wegen der aufgetretenen britischen Virus-Mutante haben sich die Ein- und Ausreisemodalitäten mehrfach geändert. Möglicherweise müssen die Spieler bei einer Rückkehr aus England erst einmal 14 Tage in Quarantäne. Fakt ist, die englischen Fußballer des FC Liverpool wurden für ihr Champions-League-Spiel gegen RB Leipzig nicht hereingelassen.

Neben einigen sehr kleinen Turnieren Polish Open, Uganda International, Santo Domingo Open, Orleans Masters, Peru International und Croatian International stehen im April vor allem auch noch die kontinentalen Meisterschaften an. Die Europäer ermitteln in Kiew (Ukraine) vom 27. April bis 2. Mai ihre Besten. Wenn sich an den festgelegten Qualifikationsregularien für Tokio nichts mehr ändert, dann dürfte das Turnier für viele Spieler noch enorm wichtig werden.

"Für Tokio muss man aber sicher Abstriche machen"

Weitere größere Turniere, die noch im Terminplan stehen, sind die Malaysia Open (31.3. - 4.4.; 750.000 US-Dollar), Malaysia Masters (6.-11. April, 400.000 US-Dollar), Singapore Open (13.-18. April, 320.000 US-Dollar) und die India Open (11.-16. Mai, 400.000 US-Dollar). In Indien wird das allerletzte Quali-Turnier ausgetragen. Interessant dürfte sein, ob der Profi-Tross, der nun für Swiss und All England in Europa weilt, dann Ende März quasi fließend übergehend in Asien in Malaysia und Singapur weiter machen kann. Einige malaysische Zeitungen, die in Sachen Badminton für gewöhnlich gut informiert sind, haben schon von Absage-Überlegungen für die Turniere gehört. Für die deutschen Spieler stellt sich die Frage, ob sie nach einer Teilnahme in Birmingham noch kurzfristig nach Kuala Lumpur kommen können.

Dass die Olympischen Spiele im Sommer auch tatsächlich stattfinden, davon ist DBV-Sportdirektor Martin Kranitz überzeugt. "Da muss man aber sicher Abstriche machen", sagt er. Insgesamt sei die Veranstaltung für das IOC aber zu wichtig. Nicht zuletzt auch finanziell. Im Übrigen haben die Veranstalter in Japan bereits ein Booklet mit Verhaltens- und Hygieneregeln herausgebracht. Danach werden sich Akteure (Sportler, Funktionäre, Journalisten) nur eingeschränkt in Tokio bewegen dürfen. Von Zuschauern ist gar keine Rede.





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