International 2021.07.29

Iranerin gibt Mädchen ihres Landes Motivation zum Badmintonspielen

Iranerin gibt Mädchen ihres Landes Motivation zum Badmintonspielen
Soraya Aghaeihajiagah [Foto/LIVE: BadmintonPhoto]
Von Bernd-Volker Brahms
Der Weg zu den Olympischen Spielen war weit für die Iranerin Soraya Aghaeihajiagah. Und das meint nicht die Distanz von ihrer Heimatstadt Teheran nach Tokio.
Manch ein Athlet hat mehr als die 7650 Kilometer zurückgelegt, als die 25-jährige Badmintonspielerin unterwegs war. In ihrem Land trainieren Männer und Frauen getrennt voneinander, an Mixed-Spiele ist gar nicht zu denken. Die junge Frau trägt Kopftuch und hat auch Arme und Beine mit Pullover und Leggings bedeckt. Es ist alles andere als selbstverständlich, dass sie für ihr Land antreten kann. Sport für Frauen hat im Iran keinen hohen Stellenwert. „Ich glaube, dass ich viele Mädchen motivieren kann, Badminton zu spielen“, sagte die Studentin. Sie liefere ein Vorbild, wie weit man es bringen könne.

Bis zuletzt mochte die Iranerin nicht daran glauben, dass sie sich qualifizieren kann – als erste Frau ihres Heimatlandes im Badminton. Sie hatte viele Turniere gespielt, musste sich aber im Januar 2020 einer Knieoperation unterziehen. „Das Turnier hier ist das erste nach meiner Operation“, sagte sie in Tokio. Durch die Corona-Pandemie seien alle Turniere abgesagt worden, die sie noch spielen wollte.

Am Ende reichten die Weltranglistenpunkte aber doch aus. „Als der Anruf vom Verband kam, da habe ich erst einmal geweint“, erzählt die Iranerin, die ein sehr passables Englisch spricht. Es sei ein Traum für sie in Erfüllung gegangen. Dadurch, dass sie dann auch noch ihre erste Partie gewinnen konnte, sei ein weiterer Traum in Erfüllung gegangen. Die Iranerin besiegte Abdul Razzaq Fathimath Nabaaha von den Malediven nach 33 Minuten mit 21:14, 21:7.

Allein diese exotische Partie, die es wohl bei keinem anderen internationalen Badminton-Turnier mehr geben würde, macht das Flair der Olympischen Spiele aus. Beim Badminton sind insgesamt 50 Nationen vertreten, mehr als sonst bei Weltmeisterschaften. Während es bis in die 1990er-Jahre gerade bei Weltmeisterschaften oftmals ähnlich exotische Aufeinandertreffen gab, so ist dies heute dort nicht mehr möglich. Wer zur WM will, muss sich qualifizieren für das knappe Teilnehmerfeld – Quoten für Kontinente und Länder gibt es nicht. Die 22-jährige Abdul Razzaq Fathimath Nabaaha von den Malediven war bisher als Nummer 221 der Weltrangliste genauso wenig bei einer WM dabei wie Soraya Aghaeihajiagah aus dem Iran, die immerhin schon auf Rang 99 geführt wird.

„Ich habe acht Jahre dafür gearbeitet, mich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren“, sagte die Iranerin, die in ihrem zweiten Gruppenspiel in Tokio gegen die Mitfavoritin He Bing Jiao aus China bei ihrer 11:21, 3:21-Niederlage eine sehr ansprechende Leistung ablieferte. Schon vor Rio de Janeiro war sie knapp davor gewesen, sich zu qualifizieren. Seit 2013 gehörte die Iranerin zu einem Asia Olympic Project. Ein Dutzend Spieler aus fünf verschiedenen Ländern wurde von einem malaysischen Trainer in Malaysia trainiert. „Das hat mir sehr geholfen, mich zu verbessern“, sagt Soraya Aghaeihajiagah.

„Ich wusste immer, dass ich mit Badminton weder berühmt noch reich werde“, sagte die Iranerin. Sie habe aber stets ein gutes Gefühl dabei, einfach zu spielen. Zu ihrem siebten Geburtstag hatte sie einen Schläger erhalten. Ihr Bruder habe sie stets unterstützt. Für sie sei es etwas ganz Besonderes, in einer Halle wie in Tokio zu spielen. Sie kennt völlig andere Umstände. Sie sagt zu ihren Trainingsumständen: „Morgens trainieren die Mädchen und nachmittags die Jungs. Das ist bei uns so. Das sind die Regeln und es gehört auch zur Kultur, dass das getrennt passiert“, sagt sie. Selbst bei den Internationalen Iranischen Meisterschaften wird getrennt – auch bei den Zuschauern. Die dreifache deutsche Meisterin Yvonne Li konnte diese Erfahrung vor drei Jahren machen, als sie auf der Jagd nach wichtigen Weltranglistenpunkten einen Abstecher in dieses abgelegene Badminton-Land unternahm.

Auch wenn es in Tokio gar keine Zuschauer gab, so kann der Auftritt von Soraya Aghaeihajiagah dafür sorgen, dass auch im Iran andere Verhältnisse zur Kenntnis genommen werden müssen. Zumindest hat die junge Frau ein kleines bisschen olympische Badmintongeschichte geschrieben, in dem sie erste weibliche Teilnehmerin ihres Landes dabei war.

Die Lage der Frauen im Iran ist durch gesetzliche und gesellschaftliche Diskriminierung geprägt, eine Gleichberechtigung der Frauen ist im Iran nicht gegeben und wird von der Führung abgelehnt. Die Diskriminierung von Frauen im Iran ist vielfältig. Frauen sind durch die im Iran angewandte Scharia in fast allen Rechtsbereichen unter Verstoß gegen völkerrechtlich bindende Menschenrechtsverträge stark benachteiligt.





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