International 2021.08.03

Axelsen über Finalgegner: 'Er war über Jahre eine Inspiration für mich'

Axelsen über Finalgegner: 'Er war über Jahre eine Inspiration für mich'
Viktor Axelsen und Finalgegner Chen Long [Foto/LIVE: BadmintonPhoto]
Von Bernd-Volker Brahms
Es war ein Sieg für die Geschichtsbücher. Und ein sehr emotionaler noch dazu. Viktor Axelsen ist mit seinem Olympiasieg nun der beste europäische Badmintonspieler aller Zeiten.
In Brasilien hatte Viktor Axelsen bereits die Bronzemedaille gewonnen – und das mit einem Sieg über Badminton-Legende Lin Dan.

Im Endspiel in Tokio konnte der 27-jährige Viktor Axelsen ebenfalls einen ganz Großen der Badmintonhistorie besiegen, den 32-jährigen Chen Long. Und der Chinese zeigt sich als großartiger Verlierer. Er kam auf die anderen Netzseite und gratulierte dem Dänen zum Sieg, es gab ein längeres Zwiegespräch. „Er kam zu mir rüber und sagte mir, dass ich den Sieg verdient hätte und dass meine Leistung herausragend gewesen sei“, sagte Viktor Axelsen später in der Pressekonferenz. Er habe den Chinesen gebeten, die Trikots zu tauschen. Das haben sie dann gemacht. “Ich habe oft gegen ihn gespielt, er war mir über Jahre eine große Inspiration“, sagte Axelsen.

Noch einmal mit Viktor Axelsen in unserer Fotoshow jubeln.

Er habe seit seiner Goldmedaille vor fünf Jahren viele Niederlagen einstecken müssen und habe sich selbst in Frage gestellt, sagte Chen Long nach dem Spiel. Er habe die Zeit der Pandemie genutzt, um auf sein altes Niveau zurückzukommen. Das hatte der Chinese, der in Tokio nur an Position sechs gesetzt war, geschafft. Der 32-Jährige spielte so frisch auf, wie schon lange nicht mehr.

Viktor Axelsen gab noch weitere Einblicke in seine Gedankenwelt: „Als ich den letzten Punkt gewonnen hatte, konnte ich nichts denken, nichts fühlen. Ich hatte einen Schub an Adrenalin und Freude.“ Er weinte einfach drauflos und fiel seinem Trainer Kenneth Jonassen in die Arme. Später gab es auch noch Videocalls mit der Familie und ein Anruf vom dänischen Kronprinzen Frederik.

Im Übrigen hatte Viktor Axelsen nach seinem 21:15, 21:12-Sieg die Goldmedaille von seinem Landsmann Poul-Erik Hoyer ausgehändigt. Hoyer hatte 1996 in Atlanta selbst die Goldmedaille gewonnen, heute ist er Präsident der Badminton World Federation (BWF). Anders als Viktor Axeslen konnte Hoyer nie die WM gewinnen. Und die Weltmeister, die Dänemark hervorgebracht hat, schafften es nicht zum Olympiasieg – weder bei den Frauen noch den Männern. Als Flemming Delfs 1977 die WM gewann, da war Badminton noch gar nicht olympisch. Und Peter Rasmussen, der 1997 Weltmeister wurde, verpasste zweimal sogar die Olympiaqualifikation.

Viktor Axelsen vereint nun die höchsten Titel, dazu kommt noch der historische Sieg 2016 im Thomas Cup. Generationen dänischer Männermannschaften hatte bei dem prestigeträchtigsten Wettbewerb immer wieder einen Anlauf genommen und hatten es dabei höchstens bis ins Finale geschafft. Axelsen hatte seinen Siegeszug bereits 2010 gestartet, als er die Jugend-WM gewann – als immer noch einziger Europäer im Einzel. Auch die begehrten YONEX All England konnte er 2020 erstmals gewinnen.

Was die Erfolge betrifft, kann in Europa nur die Spanierin Carolina Marin mit einer Goldmedaille, drei WM-Titeln und fünf EM-Titeln mithalten. Die 27-Jährige konnte in Tokio verletzungsbedingt nicht antreten und konnte irhe Goldmedaille von Rio de Janeiro nicht verteidigen.





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