Kolumne 2022.04.12

Hat Deutschland Chancen bei der WM?

Hat Deutschland Chancen bei der WM?
Die Weltmeisterschaft im Badminton wird dieses Jahr wieder im August ausgetragen
Von Redaktion
Vom 21. bis zum 28. August findet in diesem Jahr wieder die Weltmeisterschaft im Badminton statt. Ausgetragen wird das Turnier vom Verband WBF (World Badminton Federation), der das sportliche Event zuerst alle drei Jahre, später alle zwei oder sogar jedes Jahr veranstaltete.
Mittlerweile wird die Weltmeisterschaft allerdings in unregelmäßigen Zeitabschnitten ausgetragen, fand im letzten Jahrzehnt aber dennoch nur in drei Jahren nicht statt (2012, 2016 und 2020). Und auch 2022 dürfen sich Badminton-Fans wieder auf spannende Matches freuen und ihr Nationalteam in den Zuschauerrängen tatkräftig unterstützen. Doch wie stehen die Chancen der deutschen Nationalmannschaft?

Weltmeisterschaften im Badminton: Klare Favoriten
Seit 1977 wird die Weltmeisterschaft im Badminton von der BWF organisiert. Dabei vertreten Spieler im Einzel und Doppel ihre Nationen. Hier haben sich über die letzten 45 Jahre klare Favoriten abgezeichnet, die sich zum Großteil auf dem asiatischen Kontinent befinden. Für die Länder werden dabei ähnlich wie bei den Olympischen Spielen drei Medaillen vergeben: Gold, Silber und Bronze. Der Medaillenspiegel spricht dabei Bände: Die chinesischen Teilnehmer erlangten insgesamt 191 Medaillen, davon 67-mal Gold. Mit großem Abstand folgt Indonesien an zweiter Stelle mit insgesamt 77 Medaillen. Dänemark befindet sich derzeit auf dem dritten Platz und ist damit das einzige europäische Team in der Top 5, gefolgt von Südkorea und Japan. Die Deutschen belegen in der Rangliste nur den 17. Rang unter den 20 teilnehmenden Nationen. Bisher gab es für deutsche Spieler insgesamt vier Bronzemedaillen, bei Silber und Gold ging man bislang leer aus.

Badminton-WM: Asiatische Nationen haben die Nase vorn
Neben der Weltmeisterschaft wurde bis 2006 von der International Management Group auch der World Cup jährlich organisiert. In diesem Turnier schlugen sich die asiatischen Nationalmannschaften ebenso gut. Ein Blick in die Statistik des Badminton World Cups zeigt die Top-Teams auf. Die chinesische Mannschaft konnte dabei die meisten Gewinne verbuchen – insgesamt 41 an der Zahl. Im Einzelturnier erzielten die Männer zehn Siege, die Frauen zwölf. Im Doppel gab es zwei Gewinne für die Männerteams und unglaubliche 13 für die Frauenteams. Das gemischte Doppel wurde erst später eingeführt und auch hier hat die Volksrepublik China bereits viermal gewonnen. Indonesien gehört ebenfalls zu den Top-Teams im Badminton mit insgesamt 36 Siegen. Südkorea folgt mit großem Abstand mit fünf und Malaysien mit vier Titeln. Erst danach folgen Teams auf dem europäischen Kontinent. Auf Platz fünf der Tabelle steht wieder Dänemark, dicht gefolgt von Schweden und England. Allerdings konnten an den Turnieren nur Länder mit Einladung teilnehmen, weshalb ein Vorteil für verschiedene Nationen entstanden ist. Die Ergebnisse sind also mit Vorsicht zu betrachten.

Geringe Chancen für die Deutschen bei der Weltmeisterschaft
Für die Weltmeisterschaft im Badminton haben die Deutschen relativ geringe Chancen auf eine Top-Platzierung. Das liegt jedoch nicht an einem Mangel an Top-Spielern. Im Kader befinden sich derzeit Talente wie Mark Lamsfuß und Yvonne Li, die bereits bei den Olympischen Spielen in Tokio für Deutschland angetreten sind. Bei den Sommerspielen gingen die Deutschen allerdings leer aus. Lamsfuß durfte sich jedoch auf europäischer Ebene über einen großen Erfolg freuen, denn er wurde gerade erst zweifacher Europameister und schrieb damit Geschichte. Hier ist jedoch die große Konkurrenz aus der Volksrepublik China, Indonesien und anderen asiatischen Nationen kein Hindernis. Für die WM bleibt es also weiterhin schwierig.

Fußball vs. Badminton: Warum sind die Deutschen im Fußball stärker?
Während das deutsche Nationalteam im Badminton noch reichlich Aufholbedarf hat, ist die Fußballmannschaft hingegen weltbekannt. Fußball ist in Deutschland die wichtigste Profisportart und wird von einem riesigen Publikum mitverfolgt. Dabei sind sowohl die nationalen Ligen als auch internationale Turniere bei den Fans beliebt. Das deutsche Nationalteam der Fußballer befindet sich sogar unter den Top-Mannschaften der Welt. Schon viermal wurde man Weltmeister, zuletzt bei der WM 2014 in Brasilien. Nun steht eine weitere Weltmeisterschaft kurz bevor. In Katar möchte man alles geben. Und die Chancen stehen nicht schlecht, denn das deutsche Team wird derzeit bei den Fussball Wetten klar unter den Top 10 gesehen: Bei 888 erhält die Nationalmannschaft eine Quote von 11.00 auf den Gesamtsieg (Stand: 16.5.2022) und steht damit auf einem noch verbesserungswürdigen sechsten Platz der Liste. Angeführt wird diese im Augenblick vom starken Team aus Brasilien mit einer Quote von 5.50, Titelverteidiger Frankreich mit 6.50 und Vizeeuropameister England mit 7.00 – es ist also noch alles möglich bis zum Endspiel am 18. Dezember.

Woran aber liegt es, dass die Deutschen im Fußball brillieren, während ihre Leistungen im Badminton stagnieren? Hier kommt unter anderem die finanzielle Komponente ins Spiel. Der Fußball ist in Deutschland so groß und wichtig, dass Vereine von riesigen Konzernen gesponsert werden und sich die besten Trainer aus aller Welt leisten können. Zusätzlich ist das mediale Interesse an dem Mannschaftssport enorm groß und es steckt eine gigantische Industrie dahinter, die viele Sektoren der Wirtschaft bereichert: Von der Gastronomie, die Public Viewing anbietet, bis zu Händlern für Merchandise, bei denen Fans die Trikots und andere Artikel ihrer Lieblingsmannschaften kaufen können. Nun stellt sich die Frage: Was war zuerst? Die Henne oder das Ei? Die guten Spieler oder die Fußballindustrie? Ein bisschen von beidem stimmt wohl am ehesten, denn beide Faktoren begünstigen den Erfolg des anderen. Klar ist: Der Fokus im deutschen Sport liegt auf dem Fußball, aber auch Sportarten mit Schläger sind wichtig, denn Tennis zählt ebenfalls zu den Nationalsportarten der Deutschen. Die Chancen stehen also nicht schlecht, dass Badminton in Zukunft folgen könnte.

Im August 2022 werden wieder die Schläger in die Hand genommen, denn dann lädt die BWF zur nächsten Badminton-Weltmeisterschaft ein. Austragungsort wird die japanische Hauptstadt Tokio, die zuletzt auch die Olympischen Sommerspiele veranstaltete. Bis 2025 hat der WBF die Austragungsorte bereits bekannt gegeben und die Termine festgelegt. Für das Nationalteam heißt es deshalb, noch ordentlich zu trainieren. Ob sich die Deutschen bei der großen Konkurrenz behaupten werden, wie sie es für gewöhnlich beim Fußball schaffen, bleibt abzuwarten.

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