Badminton Open Saarbrücken

International 2024.04.28

Wo ist der Ukrainer Danylo Bosniuk?

Wo ist der Ukrainer Danylo Bosniuk?
[Foto/Archiv: BadmintonPhoto]
Von Bernd-Volker Brahms
Sein Verschwinden aus der Weltrangliste dürfte Fabian Roth das Olympiaticket sichern.
Es ist ein kurioser Vorgang. Seit dieser Woche ist der Ukrainer Danylo Bosniuk aus der Weltrangliste verschwunden. Sowohl in der regulären Rangliste als auch in der Liste für die Olympiaqualifizierten ist der 23-Jährige nicht mehr zu finden. In der Vorwoche wurde der Ukrainer noch auf Platz 73 geführt, war nach der EM in Saarbücken (wo er die 2. Runde erreichte) um zwei Plätze gestiegen.

Eine Nachfrage bei der Badminton World Federation (BWF) bringt die Bestätigung. „Der ukrainische Spieler ist gegenwärtig suspendiert“, teilt Pressesprecher Lloyd Green auf Anfrage von badzine.de mit. „Wir können dazu keine weiteren Details mitteilen", fügt Green hinzu und eröffnet dadurch den Spekulationen Tür und Tor.

Der Streichung aus der Rangliste muss aller Wahrscheinlichkeit ein schwerwiegendes Vergehen vorangegangen sein. Denkbar wären dabei ein Dopingfall oder der Verstoß gegen das Wettverbot oder Spielmanipulationen. Bei Dopingfällen hatte der Weltverband in der Vergangenheit dies stets zu einem frühen Zeitpunkt veröffentlicht, wenn eine entsprechende Proben-Diagnose vorlag. Bei Spielmanipulationen zogen sich die Verfahren oft in die Länge, teils wurden Vorgänge durch eine Kommission verhandelt, die Jahre zurücklagen. Vieles spricht bei Danylo Bosniuk für letztere Kategorie.

Schon bei der EM in Saarbrücken kursierte das Gerücht, dass bei der BWF im Herreneinzel über einen Fall von „Match Fixing“ verhandelt würde. Die BWF geht entschieden dagegen vor, hat sogar ein Whistle Blower-System installiert, wo Auffälligkeiten gemeldet werden können.

Der jetzt vorgenommene Ausschluss von Danylo Bosniuk, der im Übrigen gerade erst mit dem 1. BV Mülheim als Spitzenspieler in die 1. Bundesliga aufgestiegen ist, hat eine große Relevanz für den deutschen Spieler Fabian Roth (TV Refrath). Denn, wenn es dabei bleibt, sichert ihm das die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Paris.

Der 27-Jährige Roth hatte sich auf den letzten Drücker mit seiner Achtelfinale-Teilnahme bei der EM im internen Kampf mit Kai Schäfer (Fun-Ball Dortelweil) in der Weltrangliste als deutsche Nummer eins platziert. Allerdings schien es so zu sein, dass der Platz 78 ganz knapp nicht ausreichen würde. Der fünf Plätze vor ihm platzierte Danylo Bosniuk schien den allerletzten freien Qualiplatz (es gibt im Einzel 35 reguläre Plätze) zu ergattern. Nur vier schlechter platzierte Spieler aus Afrika sowie Australien und Neuseeland qualifizieren sich, da sie über eine Kontinentalquote kommen.

Fabian Roth, der derzeit mit der deutschen Nationalmannschaft beim Thomas Cup im chinesischen Chengdu weilt, konnte kurzfristig für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Schon bei der EM hatte er davon gesprochen, dass eine Olympiaqualifikation für ihn einen Lebenstraum wahr werden lassen würde. Der gebürtige Karlsruher hatte oft mit Verletzungen zu kämpfen und stand vor dem Ende seiner Karriere.

Am kommenden Dienstag wird der Weltverband die Qualifikationsrangliste veröffentlichen, allerdings wird es erst Ende Mai eine finale Liste geben, da erst zu dem Zeitpunkt die Bestätigungen der Nationalen Verbände über die Annahme der Qualiplätze vorliegen. Teilweise kann es Verschiebungen aufgrund bestimmter Quotierungen geben.

Und es gibt für Fabian Roth noch einen weiteren Fakt, der ihm auch ohne den Rückzug von Danylo Bosniuk das Olympiaticket sichern dürfte. Dies ist die Tatsache, dass der Franzose Toma Junior Popov (25) sich nicht nur im Einzel für Paris qualifizieren wird, sondern auch zusammen im Doppel mit seinem jüngeren Bruder und German Open-Gewinner Christo Popov (22). Weil genau festgelegt wurde, dass es im Badminton jeweils 86 Männer und 86 Frauen im Olympiawettbewerb geben soll, wird Toma Junior Popov bei seiner Zweifachqualifikation (Einzel + Doppel) nur im Doppel gewertet, so dass im Einzel ein weiterer Spieler nachrücken kann. Dies wäre Fabian Roth gewesen, wenn Bosniuk in der Liste verblieben wäre. Nun wird vermutlich auch noch der US-Amerikaner Howard Shu profitieren.

Allerdings gibt es um die Qualifikation des französischen Brüderpaars größere Diskussionen. Bis vor zwei Wochen waren die beiden Franzosen Ronan Labar (34) und Lucas Corvee (30) in der Weltrangliste besser platziert. Doch auf einmal – ohne dass weitere Turniere gespielt worden – stand auf einmal das Brüderpaar vorne und holte sich den einzigen Doppel-Qualifkationsplatz der Franzosen.

Erklärung dafür: Der Weltverband hatte die Punktezahlen korrigiert. In einer Presseerklärung musste die BWF kleinlaut zugegeben, einen Fehler gemacht zu haben. Pressesprecher Lloyd Green sagt auf Anfrage von badzine.de: „Es gab 2023 eine Regeländerung bezüglich der Wertung bei Team-Events, im Detail bei der Berechnung der angesetzten Durchschnittswerte sowie der Bonuspunkte für gespielte Matches.“ Hierbei war für Labar/Corvee für den Sudirman Cup 2023 eine zu hohe Punktzahl angesetzt worden.

Beim Französischen Verband FFBaD ist man stinksauer. In einer Presseerklärung wird von „Dilettantismus“ des Weltverbandes bei der Erstellung der Rangliste gesprochen. Es sei ein Skandal, die Punkte nach einem Jahr zu verändern, zumal diese Änderung auch noch völlig kommentarlos geschehen sei. Man werde sich dafür einsetzen, dass neben Christo Popov und Toma Junior Popov auch Ronan Labar und Lucas Corvee in Paris teilnehmen dürfen, teilte der Verband mit. Man habe einen Beschwerdebrief an die BWF gesandt. Außerdem gibt es eine Petition in der Sache.


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