Stars 2024.05.28

Der lange Weg von Fabian Roth nach Paris

Der lange Weg von Fabian Roth nach Paris
[Foto/Archiv: BadmintonPhoto]
Von Bernd-Volker Brahms
Lange Zeit waren die Olympiachancen von Fabian Roth nur vage. Zuletzt musste er noch zittern. Jetzt hat er die Qualifikation nach den Normen der Badminton World Federation (BWF) seit Montag (28.5.) erfüllt – und springt quasi auf den letzten Drücker noch auf den Olympiazug auf.
„Ich freue mich sehr, dass es geklappt hat“, sagt der 28-jährige Fabian Roth. Eine letzte formale Hürde muss allerdings noch genommen werden. Erst mit der Nominierung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) ist der Deckel auch wirklich drauf.

„Aus unserer Sicht hat Fabian die Voraussetzungen erfüllt, darum gehen wir von einer Nominierung aus“, sagt Martin Kraniz als Sportdirektor des Deutschen Badminton Verbandes (DBV). Am 25. Juni wird der DOSB die Nominierung für die Badmintonakteure vornehmen – aller Voraussicht nach als Quartett. Schon seit Anfang Mai ist die Qualifikation im Dameneinzel für Yvonne Li (SV Fun-Ball Dortelweil) sowie das Herrendoppel Mark Lamsfuß (1. BC Wipperfeld) und Marvin Seidel (1. BC Bischmisheim) ganz sicher. Sie hatten bereits mit Ablauf der ein Jahr andauernden Qualifikationsphase den Sprung zum Olympia-Turnier gesichert. Yvonne Li als Nummer 29 der Weltrangliste, das deutsche Herrendoppel als Nummer 27. Alle drei Akteure waren bereits in Tokio dabei.

In Paris wird es allerdings kein deutsches Damendoppel und auch kein Mixed geben. Insbesondere Mark Lamsfuß und Isabel Lohau (1. BC Bischmisheim) mussten ihre sehr realistischen Ambitionen in der Endphase des Qualifikationszeitraumes begraben. Aufgrund einer Knieverletzung von Mark Lamfuß und einiger ungünstiger Quali-Konstellationen in der Disziplin schafften es beide als Nr. 32 der Welt nicht in den illustren Kreis des 16er-Teilnehmerfeldes für Paris.

Dass Fabian Roth etwas länger zittern musste, hängt mit den komplizierten Qualifikationsmodalitäten der BWF zusammen. Zwar stand auch Fabian Roth mit Abschluss der Olympiaqualifikation am 30. April mit Platz 77 der Weltrangliste auf einem Quali-Platz, dieser stand jedoch nur unter Vorbehalt. Der Bundesligaspieler des TV Refrath und deutsche Meister von 2017 profitiert zum einen von der Suspendierung des ukrainischen Spielers Danylo Bosniak wegen vermuteter Spielmanipulation (badzine.de berichtete exklusiv) sowie dem Bemühen der BWF um eine gleiche Teilnehmerzahl bei Männern und Frauen (jeweils 86). Um Letzteres bei den Olympischen Spiele zu erreichen, werden zusätzliche Plätze im Einzel frei, wenn sich Spielerinnen oder Spieler in gleich zwei Disziplinen qualifizieren. Dies ist im Herrenbereich gleich bei drei Spielern der Fall. Ein weiterer Faktor, der Fabian Roth nunmehr den allerletzten ganz sicheren Quali-Platz bescherte, war die Tatsache, dass die Niederländer ihren besten Spieler Mark Caljouw (Weltrangliste 45) nicht nominierten.

„Das Abwarten ist natürlich nicht optimal“, sagt Fabian Roth. Nichtsdestotrotz blickte er auch schon in den vergangenen Wochen optimistisch nach vorne und befindet sich nach eigenen Angaben seit rund drei Wochen in der konkreten Olympiavorbereitung. „Ich fühle mich gut und bin fit“, sagt der 28-Jährige, der in der kommenden Woche für eine Woche in ein Trainingslager nach Dänemark fährt. Es folgen ein Challenger-Turnier im französische Nantes (13-16. Juni) sowie die US Open (25.-30. Juni) in Forth Worth, Texas.

Dass es mit der Olympiaqualifikation für den 28-Jährigen dieses Mal klappen könnte, habe er etwa ab November, Dezember des vergangenen Jahres geahnt. „Ich hatte eine gute Phase und bin dichter in der Weltrangliste an Kai herangekommen“, sagt Fabian Roth. Mit Beginn der Qualifikation im Mai 2023 war der zweifache deutsche Meister Kai Schäfer (30, SV Fun-Ball Dortelweil) als Favorit ins Rennen gegangen, zumal er auch einen Starterplatz für die WM und die European Games inne hatte. „Da kann man Punkte gutmachen“, so Roth. Ihm selbst sei das aufgrund der schlechteren Weltranglistenposition nicht vergönnt gewesen. Trotzdem zog er dann Mitte Januar an seinem internen Konkurrenten, mit dem er fast täglich auf dem Trainingsplatz in Mülheim steht, in der Weltrangliste vorbei. „Nachdem ich vorher die Quali entspannt angegangen bin, wurde es dann noch etwas stressig“, sagt Roth. Mit der Aussicht, es tatsächlich schaffen zu können, war auch die große Lockerheit vorbei, zumal er in seiner Karriere auch immer wieder durch Verletzungen zurückgeworfen wurde. Dies war im Februar auch wieder der Fall, er musste das Endspiel der deutschen Meisterschaft aufgeben und danach mehrere geplante Turniere streichen.

Im April lief es im internen Duell auf eine finale Entscheidung bei der Europameisterschaft in Saarbrücken hinaus, wo beide Spieler noch das Ticket für Paris lösen konnten. Kai Schäfer hatte mit Viktor Axelsen im ersten Spiel einen denkbar ungünstigen Gegner und verlor frühzeitig gegen den Weltranglistenersten. Fabian Roth hatte mehr Losglück und erreichte mit zwei Siegen das EM-Achtelfinale. Mit einem Sieg gegen den starken Franzosen Alex Lanier (19), der bereits in der ersten Runde den German Open-Sieger Christo Popov besiegt hatte, hätte sich der Deutsche die späteren komplizierten Rechenkünste um die Olympiaqualifikation sparen können. „Ich hatte Satzball und war dicht dran“, sagt Fabian Roth. Das Spiel verlor er 21:23, 11:21. „Ich habe danach nicht mehr viel darüber nachgedacht“, gibt er zu. Er habe in der Qualizeit alles gegeben und könne sich keine Vorwürfe machen. Dass es nun klappe, sei umso schöner.

Durch viele Verletzungen ist der gebürtige Karlsruher ohnehin gelassen geworden. Bereits 2017 hatte er mit seinem Sieg bei der Deutschen Meisterschaft im Endspiel über Marc Zwiebler als dessen legitimer Nachfolger gegolten. Schwere Hüftprobleme brachten ihn aber Nahe an ein Karriereende. Im Jahr zuvor hatte er noch als Sparingspartner bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro erste Olympialuft schnuppern dürfen, nun – acht Jahre später – soll es doch noch beim „richtigen“ olympischen Wettbewerb klappen. „Ich freue mich riesig darauf“, sagt er.


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