International 2025.08.06

Als Badminton-Ikone Erland Kops in die DDR kam

Als Badminton-Ikone Erland Kops in die DDR kam
[Foto/Archiv: badmintonmuseet/Collage Julian Pletz]
Von Redaktion
Badminton-Ikone Erland Kops († 2017) besuchte Anfang der 1960-er Jahre die DDR. Ein dänischer Zeitzeuge erinnert sich.
Der Beginn war improvisiert. Heinz Fritzsche, Leiter der örtlichen Braunkohlengrube, sah Ende der 1950er-Jahre erstmals ein Badmintonspiel in Doberlug. Fasziniert ließ er in einer ungenutzten Maschinenhalle ein Spielfeld aufzeichnen – aus nackter Begeisterung. Aus der Grube „Aktivist Tröbitz“ wurde ein Verein geboren, der bald die DDR dominierte: 1960 der erste Mannschaftstitel, dazu Einzelerfolge von Gottfried „Friedel“ Seemann und Christa Pietruschka. Zwischen 1962 und 1970 war Tröbitz - im Süden Brandenburgs gelegen - in der DDR praktisch unschlagbar.

Dänischer Glanz in der Provinz

Der eigentliche Ritterschlag kam Anfang der 1960er-Jahre, als Emil Rasmussen, Trainer des Hvidovre Badminton Club (HBC), erstmals mit einem dänischen Team nach Tröbitz reiste. Mit dabei: Erland Kops, damals auf dem Zenit seiner Karriere, ein Spieler, dessen Name in Asien Ehrfurcht auslöste und der in Europa die Maßstäbe setzte.

Erland Kops (1937–2017) war der dominierende Badmintonspieler seiner Zeit und gilt als einer der größten in der Geschichte des Sports. Die All-England konnte er im Herreneinzel zwischen 1958 und 1967 sieben Mal gewinnen.

Für die Sportler und Zuschauer in Tröbitz muss es wie ein Blick in eine andere Welt gewesen sein: Der elegante Stil, die Präzision, die Leichtigkeit, mit der Kops selbst schwierige Bälle kontrollierte – all das traf auf eine Halle, in der Schläger Mangelware und Nylonsaiten ein Luxusgut waren.

Die Begegnung mit Kops war nicht nur sportliche Lehrstunde, sondern kulturelle Offenbarung. In einem Land, in dem Badminton offiziell kaum gefördert wurde – es war keine olympische Disziplin und daher sportpolitisch bedeutungslos –, brachte er Weltklasse-Glanz in eine Umgebung, die sonst nur vom Rhythmus der Förderräder und Fabriksirenen geprägt war.

Freundschaft mit Grenzen

Mitte der 1960er-Jahre wurde aus dem einmaligen Auftritt eine feste Verbindung: Tröbitz wurde HBCs „Freundschaftsklub“. Jahr für Jahr reiste ein dänisches Jugendteam an. Umgekehrt blieb der Weg versperrt – DDR-Sportler durften nicht in den Westen. Die Gäste aus Dänemark wurden empfangen wie Stars. Neben den Spielen gab es einen „inoffiziellen Austausch“: Nylonstrümpfe, Kugelschreiber und Badmintonschuhe wechselten den Besitzer, weil vieles in der DDR nicht zu bekommen war.

"Als Spieler waren die Ostdeutschen keineswegs schlecht, doch ihre Ausrüstung war dürftig. Viele HBC-Spieler kehrten ohne Schläger oder Badmintonschuhe zurück", erinnert sich Anders Kaas vom HBC gegenüber dem dänischen Badminton-Museum.

Doch die Freundschaft hatte immer auch einen Beobachter im Rücken. Parteifunktionäre überwachten von der Galerie die Begegnungen, und bei privaten Treffen wurden Fenster geschlossen, um offen sprechen zu können. Manches Gespräch war politisch heikler als ein harter Smash.

Anders Kaas: "Anfang der 1970er war der Ort politisch gespalten: Anhänger des Systems hatten gute Posten in der Fabrik, Kritiker hielten sich eher zurück – und gerade diese Gruppe freundete sich mit uns an. Spannungen zwischen den Gruppen waren spürbar. Man erzählte uns, dass auf der Galerie auch „wichtige Parteimitglieder“ patrouillierten, um uns und die Spieler zu beobachten. Bei Privatbesuchen wurden Fenster geschlossen, um Gespräche vor neugierigen Ohren zu schützen. Kritik an der Partei wurde offen geäußert. Aktivist Tröbitz hatte unter anderem Joachim Schimpke, einen der besten Spieler der DDR. Wir wurden schnell Freunde. Später besuchte ich ihn privat mit Jesper Helledie (der spätere Weltmeister im Herrendoppel; Anm.d.Red.) und zwei weiteren HBC-Spielern. Wir quetschten uns zu viert in meinen VW Käfer – Gepäck auf dem Schoß."

Aus Tröbitz gingen Talente hervor, allen voran Monika Cassens (geb. Thiere), die in den 1960ern und frühen 1970ern zu den besten europäischen Spielerinnen zählte. Bei internationalen Turnieren stand sie im direkten Vergleich mit Schwedens Eva Twedberg oder den Dänen – Spielerinnen, die oft mit Erland Kops trainierten.

Doch der Preis für internationale Starts war hoch. Cassens erhielt die Auflage, mindestens das Finale zu erreichen, um weiter in den Westen reisen zu dürfen. Als sie die politische Gängelung satt hatte, beendete sie abrupt ihre internationale Karriere.

Der Besuch der dänischen Stars in der DDR war mehr als eine sportliche Episode – er wurde zum Symbol dafür, dass selbst der Eiserne Vorhang nicht alle Begegnungen verhindern konnte.



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