Stars 2015.01.20

Warum Olga Konon aus dem Kader flog

Warum Olga Konon aus dem Kader flog
[Foto/LIVE: Mark Phelan]
Von Michael Stauner
Warum hat das Kadergremium des Deutschen Badminton Verbandes (DBV) Olga Konon aus dem Kader gestrichen und wie geht es für die Spitzenspielerin weiter?
Bleibt die gebürtige Weißrussin verletzungsfrei, ist davon auszugehen, dass sie relativ schnell wieder in der erweiterten europäischen Spitze ankommt. Doch gerade ihre Krankenakte macht der Topspielerin immer wieder einen Strich durch die Rechnung. Seitdem sich Konon bei der Mannschafts-Europameisterschaft in Basel verletzte, war sie nicht mehr am Damenstützpunkt in Mülheim an der Ruhr. "Mit ihrer Entscheidung nicht mehr am zentralen Damenstützpunkt trainieren zu wollen, erfüllt sie ein wichtiges Kernkriterium nicht mehr", erläutert DBV-Sportdirektor Martin Kranitz. Tatsächlich ist es für die Kaderzugehörigkeit seit 2009 Voraussetzung, an einem zuständigen Bundesstützpunkt (BSP) zu trainieren. Neu in der Kriterienliste verankert ist seit 2015 die Bedingung, dass die Kader-Athleten die Trainingsbausteine nach Vorgaben des Bundestrainers in Umfang und Qualität erfüllen müssen. Intern besteht diese Bedingung gemäß Kranitz schon seit 2005.

Konon ist in der Dameneinzel-Weltrangliste von Platz 26 (2011) auf Rang 360 (Dezember 2014) gefallen, hat sich inzwischen aber durch das Erreichen des Halbfinales bei den Irish Open kurz vor Weihnachten wieder auf Platz 238 (Januar 2015) vorgeschoben. "Wenn man fit und gesund ist, kann man sein Ranking schnell wieder aufbauen", weiß die verletzungsgeplagte Athletin aus Erfahrung. Obwohl noch im B-Kader gelistet, musste die 25-Jährige die Kosten für das Turnier selbst aufbringen. Hatte sie da bereits ihren Status verloren? Kranitz verneint: "Wir haben Athleten, die zum Teil nur einen Wettkampf pro Halbjahr von uns finanziert bekommen. Die Entscheidung der Finanzierung obliegt dem Sportdirektor und hat keinen Bezug zu ihrem Kaderstatus". Er gibt weiter an, der Spielerin die Streichung aus dem Kader persönlich im Anschluss an die Kadersitzung mitgeteilt zu haben. Die neue Zusammensetzung der Kader gilt seit 1. Januar 2015 für ein halbes Jahr. "Ändert sich der Status Quo besteht die Möglichkeit einer Wiederaufnahme", sagt Kranitz.

Kaputte Knie werfen Konon immer wieder zurück

Mit dem BV Gifhorn stieg Konon 2008 in die Bundesliga auf und trug dabei mit einer perfekten Ausbeute maßgeblich zur Meisterschaft in der 2. Bundesliga Nord bei. Seit der Saison 2009/2010 schlägt sie für den 1. BC Bischmisheim auf. Sowohl mit dem Verein als auch als Einzelkämpferin (Deutsche Meisterin 2012) holte sie Titel. Seit den Dutch Open 2010 trägt sie das deutsche Trikot, die Staatsangehörigkeit folgte im Juni 2011. "Die Initiative zu der Einbürgerung ging damals vom Verein aus", erteilt Kranitz Auskunft. "Eine Grundvoraussetzung für die Zustimmung zur Einbürgerung für uns war, dass sie am Trainingsstandort in der Dameneinzelgruppe in Mülheim trainiert. Dies war allen Beteiligten bekannt", so der Sportdirektor weiter.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Konon bereits eine schwerwiegende Knieverletzung aus dem Jahr 2006 hinter sich. Es folgte eine weitere Knieverletzungen bei den Dutch Open im Oktober 2011. Zu diesem Zeitpunkt trainierte Konon am Bundesstützpunkt in Saarbrücken, später in Mülheim. Im August 2013 erlitt die Spielerin erneut einen Knorpelschaden im Knie, trainiert seitdem nicht mehr in Mülheim. Zu allem Überfluss riss im Februar 2014 unmittelbar im Anschluss an ihre Reha in Saarbrücken auch noch das Kreuzband.

Seit ihren Knorpelbeschwerden im Sommer 2013 kommt ein dauerhaftes Training in Mülheim für Konon nicht in Frage. Allenfalls einen Kompromiss mit gelegentlichen Sparrings-Einheiten dort stellt die Spielerin in Aussicht. Seit sie sich im Halbfinale der Team-EM 2014 der Damen gegen Russland am rechten Knie verletzte, befindet sie sich durchgängig in Reha. Inzwischen trainiert sie wieder, dosiert und individuell, bis zu zehn Mal in der Woche; vormittags meist an der Ballmaschine, nachmittags geht es in den Kraftraum oder es stehen Laufübungen an – alles in Saarbrücken.

Konon trainiert mit Ex-Nationalspielern und Jugendlichen

Konon wird dort, wo sie ohnehin für den 1. BC Saarbrücken-Bischmisheim (BCB) aufschlägt, nun von Dede Dewanto trainiert. Dewanto ist ein OSP-mischfinanzierter Trainer, der zu einem Teil am Herren-Stützpunkt für den DBV, zu einem Teil für den Saarländischen Badminton Verband (SBV) und zu einem Teil für den BCB arbeitet. "Im Rahmen seiner Tätigkeit für den SBV und den Verein kann er mit Olga trainieren. Für das Training mit der Herreneinzelnationalmannschaft kommt Olga nicht in Frage", beantwortet Kranitz die Frage nach einem möglichen Konfliktpotenzial dieser Trainingskonstellation. BCB-Vorstand Frank Liedke ist sicher, dass ihre Trainingsqualität – auch im Hinblick auf die Bundesliga-Einsätze – nicht darunter leiden wird: "Olga trainiert in Saarbrücken weiterhin unter absolut professionellen Bedingungen. Das Training leitet unser Vereinstrainer Dede Dewanto und es wird flankiert von einer hervorragenden medizinischen und physiotherapeutischen Betreuung."

Für Konon ist die Trainingssituation momentan genau richtig. Dewanto habe Verständnis, wenn sie beispielsweise nach Spieltagen auch mal müde ist und einen Tag aussetzt oder bei einer Erkältung eine Pause einlegt und dafür am nächsten Tag wieder angreift. Ihre Sparringspartner sind in Saarbrücken zwar nicht die besten Damen der Nation, dafür talentierte Jugendspieler wie Simon Wang. Manchmal kommen auch Ex-Nationalspieler Marcel Reuter oder andere ehemalige DBV-Asse, von denen in Bischmisheim noch einige den Schläger schwingen. Das sei genau, was sie derzeit brauche, versichert Konon und verweist in diesem Zusammenhang zudem auf regelmäßige Kontrollen beim Arzt und Physio-Einheiten.

Verletzung trübt Wettkampflaune

Ergebnisse sind der bis auf zwei Einzel (gegen Chloe Magee und Karin Schnaase) in 16 Bundesliga-Partien in der laufenden Saison ungeschlagenen Bischmisheimerin gerade nicht wichtig. Sie konzentriert sich auf den Aufbau ihrer Ausdauer, "der Rest kommt automatisch". Konon spricht aus Erfahrung, sie hat ihr persönliches Topniveau nach zahlreichen Verletzungen immer wieder erreicht. Spielt ihre Verletzungsmisere womöglich eine Rolle beim Kader-Ausschluss? "Die Verletzungen spielen primär für Olga eine große Rolle, da sie die letzten Jahre mehrfach die Leidtragende war. Ihre Verletzung spielt im Hinblick auf die Entscheidung insofern eine Rolle, als dass wir damit bis dato gewartet haben, damit sie ihre Rehabilitation von der Verletzung noch vernünftig abschließen kann", informiert Kranitz und hofft, "dass sie nun verletzungsfrei bleibt".

Inzwischen klappen die Übungseinheiten zwar schmerzfrei ("Das Kreuzband ist fest"), doch die Schwarzhaarige bleibt vorsichtig. Wenn sie im Lauf der nächsten Monate wieder in Wettkampflaune kommt, greift ihr der Verein organisatorisch und finanziell bei Turnier-Teilnahmen unter die Arme. Gemeldet werden kann sie weiterhin über den DBV. Schließlich war die gemeinsame Zeit trotz der Verletzungsmisere zuletzt mit dem Gewinn der Europameisterschaft der gemischten Mannschaft 2013 eine erfolgreiche. "Wir haben mit Olga gute Erfolge gefeiert – allen voran den Gewinn der Goldmedaille bei den Team-Europameisterschaften in Amsterdam 2012", hebt Kranitz den Triumph der Damen hervor.





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