National 25.09.2019

Das Federball-Dilemma

Das Federball-Dilemma
Symbolfoto [Foto: BadmintonPhoto]
Von Helge Hommers | Weser Kurier
Imageprobleme, schlechte Zusammenarbeit mit Schulen und veränderte Freizeitgestaltung: Der 1. Bremer Badminton Club 1956 hat zu wenig Jugendliche, um ein Team zu melden. Damit steht der Verein nicht alleine da.
Vor einigen Jahren hat Wolfgang Lindhorst, Vorsitzender des 1. Bremer Badminton-Clubs 1956 (BBC), gemeinsam mit einem Lehrer ein Schulturnier organisiert. Etwa 30 Schüler hatten sich angemeldet, Lindhorst brachte Schläger und anderes Badminton-Zubehör als Sachpreise mit, dazu Flyer, die auf Trainingszeiten und Kontaktadressen seines Vereins verwiesen. Am Ende des Tages waren die Preise weg, die 30 Flyer aber, die waren noch alle da, und der Lehrer, der Lindhorst um Hilfe gebeten hatte, war nicht in der Halle erschienen. "Im Jahr darauf wollte er das Turnier wiederholen", erzählt Lindhorst. "Da habe ich ihm gesagt: ohne mich."

Die von Vereinsseite erwünschte, aber so gut wie nicht vorhandene Zusammenarbeit mit den Schulen ist nach Lindhorsts Ansicht eine Ursache dafür, dass der BBC in dieser Saison keine Jugendmannschaft anmelden konnte. "Ich kann mich nicht entsinnen, dass das schon mal vorkam", sagt Lindhorst, der den einzigen Bremer Verein, der ausschließlich Badminton anbietet, vor 63 Jahren mitgegründet hat.

Auf einem Mannschaftsfoto, das den Klubnachwuchs vor knapp einem Jahrzehnt zeigt, stehen die Spieler in mehreren Reihen hintereinander. "Damals waren wir beim Training meist um die 18 Leute", sagt der 83-Jährige. Seitdem ging es langsam aber stetig bergab. Auf der Liste, die das aktuelle Nachwuchsaufgebot des BBC umfasst, stehen nur zwei Namen. "Das hat mich ganz schön umgehauen", so Lindhorst. Denn vier Jugendspieler brauche ein Verein, um ein Team melden zu dürfen. Waren früher zumindest noch ein paar Mädchen aktiv, sind es momentan nur Jungs.

Insgesamt hat der Verein 41 Mitglieder, vor fünf Jahren waren es noch 67 - ein Trend, der sich auch bei anderen Bremer Klubs niederschlägt: Hatte der Bremer Badminton-Verband (BBV) im Jahr 2014 noch 1891 Mitglieder, sind es heute nur noch 1555. Anfang der 1990er-Jahre hatte es noch fast 2500 Aktive gegeben. Gespielt wurde vor zehn Jahren noch in 32 Vereinen, aktuell nur in 26. Hinzu kommt, dass der Großteil der Mitglieder 40 Jahre und älter ist. Nicht einmal ein Drittel aller Spieler ist unter 18 Jahre alt.

Nicht immer gegen die gleichen antreten

Einer der beiden Nachwuchsspieler des BBC ist Malte Mählmann. Der 14-Jährige trainiert aber nur beim BBC, bei Punktspielen läuft er ab sofort für den TuS Komet Arsten auf. "Ich will auch mal gegen andere Spieler antreten, nicht immer gegen die gleichen im Training", sagt er. Mit Badminton angefangen hat Malte Mählmann vor sechs Jahren. Damals schaute er immer wieder bei den Wettkämpfen seines älteren Bruders Tim zu, der da schon beim BBC aktiv war, und griff irgendwann selbst zum Schläger.

Dass Kinder und Jugendliche beim wöchentlichen BBC-Nachwuchstraining hereinschnuppern, sei nur selten der Fall - obwohl viele Schulen Badminton auf dem Stundenplan haben oder sogar als Nachmittags-AG anbieten. Was dort gelehrt werde, sei aber oft "eine Katastrophe", so Lindhorst: "Die meisten Lehrer kennen noch nicht einmal die Regeln." Auch Malte Mählmann ist alles andere als angetan, wie sein Sport aktuell bei ihm im Unterricht präsentiert wird: "Wir spielen in einer kleinen Halle, alle eng aneinander, ständig läuft einer durch dein Feld." Lust darauf, mit Badminton im Verein anzufangen, habe danach natürlich keiner. Meist seien die Trainingsgäste des BBC Freunde, die von bereits aktiven Spielern mitgebracht würden. Kaum einer käme wieder, sagt Lindhorst.

Die Hoffnung, dass sich daran zukünftig etwas ändert, ist überschaubar. Dafür sorgten schon die - im Vergleich zu früher - veränderten Freizeitgewohnheiten von Jugendlichen, die von festen Trainingszeiten und Punktspielwochenenden abgeschreckt seien, sagt Wolfgang Lindhorst. Eine Lösung habe er nicht. Momentan sei daher der Plan: "Mit Flyern in Schulen gehen, Studenten ansprechen, die Homepage aufpeppen. Einfach: Mehr Werbung machen."

Der Artikel erschien im Weser Kurier und wird mit freundlicher Genehmigung hier auf badzine.de veröffentlicht.