Stars 2022.03.20

Die Ärzte rieten Morten Frost, mit Badminton aufzuhören

Die Ärzte rieten Morten Frost, mit Badminton aufzuhören
Morten Frost in Aktion in 1982. Foto: Palle Hedemann.
Von Redaktion / TV2
Badminton-Legende Morten Frost war in seiner Karriere mit vielen Herausforderungen konfrontiert – die meisten konnte er aber meistern.
Eine Reportage von Jonas Kjærsgaard

Morten Frost stümt direkt in die Umkleidekabine. Er ist gerade bei den Dänischen Meisterschaften ausgeschieden. Er tut sich leid – das ist klar. Kopfschütteln. Traurigkeit.

Kurz darauf stößt der sechs Jahre ältere Doppelspieler Steen Skovgaard zu ihm. Er hat das Spiel gesehen und ist, gelinde gesagt, nicht beeindruckt von der Art und Weise, wie sich Morten Frost verhält.

Kein Selbstmitleid

Eine Weile sitzt er nur da und schaut dem jungen Einzelspieler zu. Frost war damals ein Teenager. Aber am Ende hat Steen Skovgaard genug. Mehr Mitleid wird er sich nicht anhören.

"Du bist ein Weichei! Du kannst so nicht mit Niederlagen umgehen“, schreit er ihn an.

Frost wird nun gründlich zusammengestaucht. In purer Aggression greift Frost nach seinem Schuh und wirft ihn in Richtung seines älteren Kollegen.

Steen schafft es, dem Schuh auszuweichen. Er hebt ihn auf, geht hinüber und stellt sich vor Frost. Der junge Frost fürchtet nun Aggressionen seines älteren Kollegen, aber der legt lediglich den Schuh auf die Bank daneben.

„Schön zu sehen, dass du Eier hast“, sagt er trocken, bevor er die Umkleidekabine verlässt.

Obwohl die Episode fast 50 Jahre alt ist, erinnert sich Morten Frost noch heute sehr deutlich daran.

"Ich habe von Steen (Skovgaard; Anm.d.Red.) gelernt, dass man cool sein muss. Du musst wirklich cool sein, wenn du weit kommen willst. Du kannst dir nicht selbst leid tun. Ich habe das gelernt, als ich noch sehr jung war. Und es hat mich mein ganzes Leben lang begleitet", erinnert er sich gegenüber TV2.

Frost ist heute eines der Symbole für den Erfolg des dänischen Badmintonsports. In den achtziger Jahren dominierte er die YONEX All-England Open auf einem fast unglaublichen Niveau. Ab 1982 und acht Jahren danach erreichte er bei allen Ausgaben des Turniers das Finale. Vier davon hat er gewonnen.

Die zahlreichen Titel kamen aber auch dank einer beispiellosen teuflischen Energie.

"Er hatte sein ganzes Leben lang Temperament - er wurde nur besser darin, es zu zügeln. Er hatte ein Feuer und eine Wildheit, die ihn so weit kommen ließen. Er mag ruhig scheinen, aber wenn es um Training und Turniere ging … war er ein Wahnsinniger … Es war wild, was er aus sich herausholen konnte", sagt Steen Skovgaard, der mit Morten Frost im Verein Gentofte BK spielte.

Doch es hätte als auch ganz anders kommen können: Als Kind hatte Morten Frost so starkes Asthma, dass Ärzte ihm rieten, sich in einen Sessel zu setzen und Schach zu spielen. Badminton konnte er vergessen.

"Es war ein großes Hindernis, als ich noch sehr jung war. Es war wirklich etwas, das einen großen Einfluss auf mein Leben hatte", sagt der viermalige All-England-Champion.

Aber Morten Frost ist nicht wie die meisten Menschen. Er widersetzte sich dem Rat der Ärzte. Den allergischen Teil des Asthmas konnte er aus guten Gründen nicht bändigen, aber mit der Zeit hat er sich mit dem Teil beschäftigt, der mit der Anstrengung zusammenhängt.

"Ich kam durch meine sportlichen Aktivitäten immer stärker und besser in Form. Es war tatsächlich ein falscher Rat und eine falsche Anleitung, die ich bekam. Es wurde festgestellt, dass man so aktiv wie möglich sein sollte. Ich habe mich aus meinem Asthma herausgearbeitet", sagt er.

"Es sagt etwas darüber aus, was er für ein Typ ist. Das Schlimmste, was er kennt, ist Selbstmitleid. Das hat er mir gesagt. Sobald Sie es bekommen, ist es vorbei, sagt der Badminton-Experte bei TV2 und frühere Weltklassespieler Jim Laugesen.

Morten Frosts Interesse für Sport begann mit Fußball, aber es dauerte nicht lange, bis er einen Schläger in der Hand hielt. Und die Menschen um ihn herum erkannten das große Talent.

Er ging noch zur Schule, als er 1978 erstmals die dänischen Einzelmeisterschaften gewann. Hier schlug er sowohl Svend Pri als auch Flemming Delfs, die beide zu dieser Zeit die Top-2 der Welt waren.

"Dann dachte ich, ich mache besser mehr daraus", sagte Frost mit einem Lächeln.

Die spätere Badminton-Ikone entwickelte eine Spielweise, mit der er die Gegner überrollte. Er gewann zwar nicht jeden einzelnen Punkt, aber für Punkte mussten die Gegner sehr hart arbeiten. Er war in besserer Verfassung als die meisten anderen Spieler – ziemlich paradox, wenn man sein Asthma berücksichtigt.

"Er war sehr professionell und ging einen Schritt weiter. Er war der moderne Badmintonspieler. Was wir heute kennen, begann mit und durch Morten Frost. Das gilt für die Struktur im Training, aber das gilt auch für die gesamte Herangehensweise an Badminton - vor allem auf taktischer Ebene", sagt Jim Laugesen.


1981 wurde zu einem wegweisenden Jahr im internationalen Badminton. China wurde in den internationalen Verband aufgenommen und konnte plötzlich bei Turnieren wie die YONEX All England Open antreten.

Morten Frost und der Rest der dänischen Elite wussten genau, was sie zu erwarten hatten. Mehrere Jahre lang hatte eine ausgewählte chinesische Mannschaft Showturniere gegen Dänemark bestritten. Jedes Jahr zeigten sie ein beängstigendes Niveau. Jetzt musste Frost ihnen plötzlich in einem offiziellen Turnier gegenüberstehen.

"Wenn Sie 23 Jahre alt sind und es einige gibt, die viel besser sind, kann es schwierig sein. Ich habe ein paar Mal gegen sie gespielt und sie haben unglaublich schnell gespielt und waren in vielen Bereichen besser als ich. Es war sehr schwer, sie zu schlagen", sagt Morten Frost.

Ein unerwarteter Sieg

Die 1982er-Ausgabe der All England wurde zum ersten Kräftemessen. Es war das erste Mal, dass die Chinesen daran teilnahmen.

"Ich wurde von der dänischen Presse gefragt: 'Nun, wer wird dieses Jahr gewinnen?'. Ich antwortete, dass ich keine Ahnung habe. Aber der Gewinner ist der weltbeste Badmintonspieler, sagte ich.

"Dann habe ich doch das Turnier gewonnen", sagt er in einem Ton, der noch heute von einer gehörigen Portion Erstaunen über seinen ersten Turniersieg zeugt.

Neue Herausforderung für Frost

In den folgenden Jahren drängte der chinesische Nachwuchs Morten Frost dazu, noch besser zu werden. Sieben Jahre in Folge war er in allen Turnieren als Nummer eins gesetzt.

Im April steht der heute 63-jährige Däne vor einer neuen, großen Herausforderung. Er wird Sportdirektor von Badminton England.

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