Kolumne 2022.03.07

Badminton in aller Welt

Badminton in aller Welt
Viktor Axelsen [Foto: BadmintonPhoto]
Von Redaktion
Sport nimmt im Fernsehen mittlerweile einen wesentlichen Bestandteil ein. Zahlreiche Quotenrekorde sind auf sportliche Events zurückzuführen, doch Badminton fristet leider immer noch ein Außenseiterdasein.
Das ist erstaunlich, immerhin zählt der Sport zu den beliebtesten in Deutschland. Das kann man sehr schnell selbst überprüfen. Schließlich sieht man vor allem im Sommer zahlreiche Menschen Federball spielen. Dabei handelt es sich um nichts anderes als eine Form von Badminton.

In Asien ist er Nationalsport

Doch in den Medien dominiert König Fußball. Das runde Leder hat es geschafft, die Sportberichterstattung zu kapern. Das gilt auch für die begleitenden Industrien, wie die Buchmacher. Dort erzielen die Wettquoten Wettquoten Champions League, während andere Sportarten weit dahinterzuliegen kommen. Doch das muss nicht immer so bleiben. Es liegt auch an Badminton selbst für mehr öffentliches Aufsehen zu sorgen.

Grundsätzlich hat der Sport in den letzten Jahren immer mehr Zulauf gefunden. Experten prognostizieren ein Anhalten dieses Trends. Besonders populär ist Badminton im asiatischen Raum. China, Malaysia, Thailand, Indien, Singapur, Indonesien, Korea, Dänemark und England sind jene Länder, wo der Sport am beliebtesten ist. Dort hat er sich den Status eines Nationalsports erobert und besitzt teilweise jenen Stellenwert, den Fußball in Deutschland hat. Das zeigt sich auch in den Siegerlisten der großen Turniere. Dort dominieren Sportler aus Asien und Dänemark.

Weltweit spielen rund 150 Millionen Menschen aktiv Badminton. Diese verteilen sich auf rund 160 Nationen auf allen fünf Kontinenten. Der schnelle Racket-Sport begeistert mittlerweile auch fünf Millionen Deutsche.

Ein kurzer Blick zurück

Seinen Ursprung hat Badminton offenbar in Indien. Dort spielte man schon vor 2.000 Jahren ein Spiel, das dem heutigen Sport ähnelte. Damals verwendete man allerdings Holzschläger und Holzbälle, die mit den Federn von Hühnern geschmückt waren. Ähnliche Spiele existierten auch bei den Inkas und in Europa während der Barockzeit. Erst 1920 entwickelte sich darauf ein Wettkampfsport. Die International Badminton Fédération wurde gegründet. In Deutschland wird seit 1902 Badminton gespielt, damals entstand der erste Badminton-Verein. 1950 erlebte der Sport ein erstes Hoch, es folgte 1953 die erste deutsche Meisterschaft in Wiesbaden. Heute hat der Badminton-Verband 16 Landesverbände mit rund 217.000 Mitgliedern. Die 2.700 Vereine betreuen die rund fünf Millionen Hobby-Spieler im ganzen Land.

Ein Däne führt die Weltrangliste an

In der Badminton-Weltrangliste der Herren dominieren derzeit die Dänen. Viktor Axelsen aus Dänemark führt mit 118579 Punkten und 35 Turnieren, vor Kento Momota aus Japan mit 112.210 Punkten und 24 Turnieren, sowie Anders Antonsen aus Dänemark mit 98.300 Punkten und 34 Turnieren. Bei den Damen führt Tzu Ying Tai aus Taiwan 108.800 Punkten und 21 Turnieren, vor Akane Yamaguchi aus Japan mit 108.749 Punkten und 33 Turnieren, sowie Yu Fei Chen aus China mit 102.454 Punkten und 22 Turnieren.

Begeisterung auf dem ganzen Kontinent

Die Ranglisten deuten es schon an, Badminton ist in Asien eine Sportart, die die Massen begeistert. Die Stars des Sports sind dort so groß, wie der Fußballer Lionel Messi in Europa. Die besten von ihnen werden sogar Kinostars.

Der Druck, der auf den Athleten lastet, zeigte sich auch im Vorjahr bei den Olympischen Sommerspielen in Japan. Asien dominierte die Spiele wie kaum jemals zuvor. Beim Fraueneinzel, Männerdoppel und im Mixed traten in den letzten Duellen insgesamt 24 Sportlerinnen und Sportler an. Sie alle kamen aus Asien. Das ist wenig verwunderlich, schließlich löst Badminton in den asiatischen Ländern eine Begeisterung im Publikum aus, wie man sie sonst nur vom Fußball kennt.

Die Begeisterung hat große Teile des asiatischen Kontinents erfasst und das mehr als jede andere Sportart. Die insgesamt erfolgreichste Nation ist China, schließlich kann das Land auf ein Reservoir aus rund 100 Millionen Spielern zurückgreifen. Daher wunderte sich niemand, dass das Mixed-Finale bei den Olympischen Spielen ausschließlich aus Spielern aus China bestand.

Hochbezahlt und bewundert

Doch auch in Indien grassiert das Badminton-Fieber. Dort ist der Sport hinter Cricket der populärste. Die Weltmeisterin Sindhu Pusarla gehört mit einem Jahreseinkommen von fünf Millionen Dollar zu den am besten verdienenden Sportlerinnen der Welt. In Indonesien ist Badminton gar Nationalsport Nummer 1. Dort können die größten Stars, wie beispielsweise die Spanierin Carolina Marin, keinen unbeobachteten Schritt in der Öffentlichkeit machen. Sie ist eine von nur zwei Sportlerinnen, die seit 1992 für eine nicht asiatische Goldmedaille in insgesamt 34 Entscheidungen sorgen konnte. Seit damals ist Badminton olympisch.

In Malaysia sind die Spieler Volkshelden. Als 2018 ein Film über den ehemaligen Asienmeister Lee Chong Wei in die Kinos kam, hielt sich der Streifen wochenlang in den Charts. Der Film beschriebt den Aufstieg des Sportlers aus der Armut an die Spitze und begeisterte nicht nur die Sportfans im Kinopublikum. Sogar in China und in Taiwan entwickelte sich der Film zu einem Erfolg. Schließlich hielten seine spannenden Duelle mit dem Chinesen Lin Dan die Fans rund zehn Jahre lang in Atem. Diese Spiele gelten heute als die Goldene Ära des Badminton.

Lee Chong Wei verlor zwar bei Weltmeisterschaften und bei den Olympischen Spiele alle Duelle gegen seinen Gegner aus China, doch 2016 siegte er endlich im Halbfinale bei Olympia. Umso tragischer war seine Niederlage im Finale gegen Chen Long. Doch diese Geschichte, die das Leben schrieb, war wie geschaffen für die große Kinoleinwand. Sie zeigt, welche Emotionen Badminton hervorrufen kann und gibt Hoffnung, dass der Sport auch in Europa jenen Status erobert, den er in Asien längst innehat.

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