International 29.04.2019

In Neuseeland beginnt die Jagd auf die Punkte

In Neuseeland beginnt die Jagd auf die Punkte
Mark Lamsfuß [Foto/Archiv: BadmintonPhoto]
Von Bernd-Volker Brahms
Seit dem 29. April läuft die ein Jahr dauernde Qualifikation für die Olympischen Spiele in Tokio.
Für die besten deutschen Badmintonspieler beginnt eine harte Zeit. Zwölf Monate lang gilt es, möglichst viele Turniere zu spielen und Punkte für die Olympiaqualifikation zu sammeln. "Unser Ziel ist es, in Tokio in allen fünf Disziplinen dabei zu sein", sagt Martin Kranitz, der Sportdirektor des Deutschen Badminton Verbandes (DBV). Vor drei Jahren hatten die DBV-Akteure dieses ambitionierte Ziel bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro erstmals erreicht, seitdem die Sportart seit 1992 im olympischen Programm vertreten ist.

"Insbesondere in den Doppeldisziplinen wird es schwer", sagt Kranitz. Nur 16 Startplätze stehen jeweils im Herren- und Damendoppel sowie im Mixed zur Verfügung. Dabei gehen schon jeweils drei Startplätze über die Kontinentalquoten weg. Um ein möglichst internationales Teilnehmerfeld zu garantieren, bekommen Regionen wie Ozeanien, Afrika und Pan-Amerika Startplätze garantiert - die übrigen Plätze werden nach Weltrangliste von Asiaten und Europäern belegt. Insgesamt werden am Ende 172 Spieler aus rund 50 Nationen bei den Olympischen Spielen in Tokio (24.7.-9.8.2020) dabei sein.

Dadurch, dass die Badminton World Federation (BWF) im vergangenen Jahr die Topturniere umstrukturiert hat, wird es für deutsche Spieler noch schwerer als vor drei Jahren, schätzt Sportdirektor Kranitz die Situation ein. "Es gibt mehr Turniere und damit mehr Punkte auf dem Markt", sagt Kranitz. In der Konsequenz bedeutet dies für die deutschen Elitespieler noch mehr Turniereinsätze - insbesondere "hinten heraus", also zum Ende der Qualifikation. Ende April 2020 ist die Deadline für die Qualifikation, dann wird am Stichtag 28. April 2020 abgerechnet, die besten zehn Turniere zählen.

"Wir werden bis zum Ende kämpfen müssen", ist sich Marvin Seidel sicher. Der 23-jährige Bundesligaspieler des 1. BC Bischmisheim geht aussichtsreich mit Mark Lamsfuß (25, 1. BC Wipperfeld) im Herrendoppel und mit Linda Efler (24, SC Union Lüdinghausen) im Mixed in die Qualifikation. Lamsfuß spielt auch beide Disziplinen und tritt im Mixed mit Isabel Herttrich (27, 1. BC Bischmisheim) an. Bereits in dieser Woche geht es für das deutsche Quartett bei den mit 150.000 US-Dollar dotierten New Zealand Open am anderen Ende der Welt los.

Dass er in zwei Disziplinen antritt, sieht Seidel mehr als einen Vorteil denn als eine potenzielle Überlastung. "So habe ich zwei Chancen", sagt er. In Bielefeld konnte er dieses Jahr in beiden Disziplinen erstmals den deutschen Meistertitel gewinnen. An die Belastungsgrenze würde das doppelte Programm erst gehen, wenn er regelmäßig bei den großen Turnieren in beiden Disziplinen mindestens ins Viertelfinale käme, findet der Profisportler. Nichtsdestotrotz hat Seidel sein BWL-Studium vorerst auf Eis gelegt. "Ich will mich voll auf die Qualifikation konzentrieren", sagt der gebürtige Saarländer.

Im Übrigen hat der DBV nach den Olympischen Spielen vor drei Jahren einen großen Schnitt gemacht. Es haben nicht nur fast alle Rio-Teilnehmer den Schläger weitgehend an den Nagel gehängt, sondern das Leistungssportumfeld wurde neu aufgestellt. Die Doppelspezialisten trainieren am Olympiastützpunkt in Saarbücken und die Einzelspieler in Mülheim - zuvor waren die Trainingsgruppen in Männer und Frauen aufgeteilt, was insbesondere zu Lasten des Mixed ging.

Mit Hannes Käsbauer wurde zudem ein Mitarbeiter beim Verband eingestellt, um im Training mehr noch nach wissenschaftlichen Methoden zu arbeiten und der Trainerausbildung im Verband mehr Gewicht zu geben. Nicht zuletzt der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hat mit seiner Leistungssportreform von 2016 dafür gesorgt, dass Änderungen beim DBV vorgenommen wurden. Eine Förderung soll nicht mehr nur an Ergebnissen der Vergangenheit orientiert sein, sondern an Perspektiven geknüpft werden.

Lange waren die Verantwortlichen beim DBV und auch bei anderen Fachverbänden verunsichert und wussten nicht, mit wie viel Geld sie planen konnten. "Es gibt Bereiche, die sehr gut laufen", sagt DBV-Sportdirektor Kranitz. Dazu gehören die Bundesstützpunkte und auch die Projektförderung. Letzteres meint die Unterstützung der Topathleten bei ihren Turniereinsätzen. Personalstellen in den Trainingsstandorten sind "prima besetzt", so Kranitz. Allerdings gebe es auch einen Bereich, "der richtig wehtut". Das sei die Wettkampfförderung des Nachwuchses – des Topteam Future (NK1). Für die acht, neun Athleten sei das Geld gestrichen worden, immerhin rund 50.000 Euro. "Das fehlt", sagt Kranitz. Es werde nach Möglichkeiten gesucht, das zu kompensieren. Das Geld müsse aus der Grundförderung bestritten werden, es fehle dann aber an anderer Stelle.

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